Afghanistan Geld gegen Leben ist unattraktiv
Berlin will Afghanen die Zusage abkaufen, nach Deutschland einreisen zu dürfen. Die Resonanz darauf spricht für die reale Not dieser Menschen, kommentiert Christian Gottschalk.
Berlin will Afghanen die Zusage abkaufen, nach Deutschland einreisen zu dürfen. Die Resonanz darauf spricht für die reale Not dieser Menschen, kommentiert Christian Gottschalk.
Wenn von 1900 Menschen, die für ein Angebot in Frage kommen, gerade einmal 62 annehmen, dann spricht das nicht für die umwerfende Attraktivität der Offerte. Es sind rund 1900 Afghanen, die derzeit in Pakistan darauf warten, nach Deutschland ausreisen zu können. Menschen, denen die Bundesregierung bereits versprochen hat, dass sie kommen dürfen. Gerade einmal 62 von ihnen haben zugestimmt, sich diese Zusage wieder abkaufen zu lassen. War das Angebot also zu schlecht? Ja. War es ein Fehler? Nein.
Zum einen: Dies sind erste Zahlen. Von den 1900 sind bisher lediglich 620 Menschen gefragt worden. Das Projekt geht noch mindestens bis zum Jahresende weiter. Zum anderen: Mag sein, dass sich der ein oder die andere die Zusage erschlichen hat. Da ist dann ein finanzielles Angebot zielführender, als dies langwierig auf dem Rechtsweg zu prüfen. Wer allerdings um sein Leben fürchtet, der braucht kein Geld, sondern eine sichere Bleibe.
Daher ist von Anfang an klar gewesen, dass sich nicht Massen derer werden umstimmen lassen, die sich als Journalist, Richter, Staatsanwalt, oder Menschenrechtler für die afghanische Zivilgesellschaft eingesetzt haben. Die Zurückhaltung, mit der die Afghanen dem Angebot aus Berlin begegnen, ist vielmehr ein Indiz für die tatsächliche Gefahr, in der sie schweben. Mit der finalen Visavergabe sollten die deutschen Behörden nicht länger warten. Dass sich die Afghanen ihre Einreiseerlaubnis vor Gerichten einklagen müssen, ist kein Ruhmesblatt für Berlin.