Afrika-Festival in Böblingen Reggae, Rastazöpfe und Regenjacke

Bunte Auswahl an der Cocktailbar: Lust auf einen „Safari Light“ oder einen „Pink Elefant“? Foto: tefanie Schlecht

Ein teils verregnetes Augustwochenende macht dem Organisator des Kultur- und Kulinarikfests auf dem Böblinger Elbenplatz das Leben schwer.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Die Rockband Toto besingt und segnet in ihrem Welthit die „Rains in Africa“. Beim Böblinger Afrika-Festival war der viele Regen allerdings alles andere als ein Segen. Veranstalter und Beteiligte des dreitägigen Kultur- und Kulinarikfests am Unteren See hatten an dem teilweise sehr feuchten ersten Augustwochenende einen schweren Stand. Vor allem am Freitagabend gaben die zahlreichen leeren und regennassen Bierbänke entlang dem See ein trauriges Bild ab.

 

Die meisten Menschen an den Markt- und Gastronomieständen ließen sich die gute Stimmung dennoch nicht vermiesen und begrüßten die Gäste mit einem strahlenden Lächeln. So zum Beispiel unter dem Zeltdach des Afroshop Pforzheim, wo sich junge Mädchen Rastazöpfe in ihre Haare flechten ließen. Oder an der Cocktailbar von „Brasil Sambamaus“ aus Mannheim, wo ein gut gelauntes Damen-Trio hinter dem Tresen eine Sambaparty feierte.

Der Schwerpunkt liegt auf afrikanischer Kultur und Kulinarik

Von den Südamerikanerinnen abgesehen liegt der Schwerpunkt bei diesem Festival aber ganz klar bei afrikanischer Kultur und Küche. Es gibt Kunsthandwerk und Alltagsgegenstände aus Mali, dem Senegal, Benin, Ghana, Kenia, Tansania, Burkina Faso, Gabun, Gambia, Tunesien, und vielen weiteren Ländern.

Auf dem Weg vom Elbenplatz zur Alba-Brücke konnte man seinen Geschmacks- und Geruchssinn auf Afrikareise schicken – mit Kaffee aus Äthiopien, handgemachten Seifen und Pflegeartikeln von der Elfenbeinküste, frittierten „Puff-Puff“-Bällchen und Kochbananen aus Ghana, westafrikanischen Suya-Spießen und Chakalaka-Salat, Yassa-Hähnchenbrust aus Gambia oder Tilapia Mbog (Victoriabarsch) aus Kenia.

Die positive Stimmung bei Marktbeschickern und Musikgruppen übertrug sich am Auftaktabend auch auf das Publikum. Eine Handvoll Gäste tanzte vor der Bühne auf dem Elbenplatz in Regenjacke und tief ins Gesicht gezogener Kapuze ganz entrückt zu den karibisch-leichten Klängen der Reggae-Band Stage Louis Jean & Irie Rainbow.

Tanz den Simba: Der senegalesische Löwentanz sorgt für Gänsehautmomente. Foto: Stefanie Schlecht/Stefanie Schlecht

Nicht ganz so glücklich sah dagegen Pap Thioune aus. „Ich mache nur das hier“, zeigte der Mannheimer in der Jack-Wolfskin-Jacke auf seine Auslagen mit zeremoniellen Tanzmasken, Holzskulpturen, Schmuck und handgemachten Taschen. Mit seinen Waren reist er deutschlandweit zu Märkten und Festivals und verdient so seinen Lebensunterhalt. Zumindest an diesem Freitagabend dürfte dabei wohl nicht viel Umsatz für ihn herumgekommen sein.

Ein Standbetreiber sammelt Geld für Waisenkinder in Uganda

Ein paar Meter weiter die Uferpromenade hoch fristete auch Nicholas Ssenjala ein eher einsames Dasein. Gegen seine gute Laune hatte das schlechte Wetter aber keine Chance. Mit freundlichem Lächeln präsentierte er handgemachte Taschen, holzgeschnitzte Giraffen und bunte Kleidung, die nach seiner Aussage von rund 200 Frauen aus Uganda hergestellt wurden. „Die Einnahmen sind für Kinder in einem Waisenhaus in der Region Wakiso“, erzählt er. Als Geschäftsführer eines Jugendhilfeprojekts namens Power Minds ist er eigens nach Deutschland gereist, um mit dem Verkauf die jungen Menschen in seiner Heimat zu unterstützen.

„An solchen Tagen frage ich mich schon manchmal, ob ich das im nächsten Jahr wieder machen will“, sagte Mafoday Cham am Freitagabend, während erneut ein kleiner Regenschauer einsetzte. Der 56-Jährige aus Ammerbuch organisiert seit 2017 das Afrika-Festival in Böblingen – und muss dabei zum wiederholten Mal mit Widrigkeiten kämpfen: So fiel zum Beispiel im Jahr 2019 das Festival ebenfalls auf ein extrem verregnetes Wochenende und in den Folgejahren machte dann die Corona-Pandemie dem Veranstalter einen Strich durch die Rechnung. Seit 2023 findet das Böblinger Afrika-Festival nun wieder regelmäßig statt.

Die Familie von Festivalveranstalter Mafoday Cham kocht Spezialitäten aus Gambia. Foto: Stefanie Schlecht

Bevor er die Organisation übernahm, war Mafoday Cham mit seiner Frau Lolly und seiner Familie mit seinem gambischen Spezialitäten-Cateringservice als Standbetreiber bei dem Festival vertreten. Als im Jahr 2015 der bisherige Veranstalter plötzlich abgetaucht und nicht mehr zu erreichen war, beschloss der gelernte Koch, die Leitung selbst in die Hand zu nehmen. Beim Böblinger Kulturamt rannte er mit diesem Vorschlag offene Türen ein. Schließlich zählte das Afrika-Festival zuvor zu den alljährlichen Highlights im Veranstaltungskalender der Stadt.

Höhepunkt am Samstag war der Auftritt der Abenko-Band aus Tansania

Nachdem der Freitag eher ein Tag zum vergessen war, lief es am Folgetag deutlich besser rund um den Unteren See. „Am Samstag hatten wir einfach Glück mit dem Wetter. Es kamen sehr viele Leute, die dann auch geblieben sind“, erzählt Mafoday Cham. Rund um die Bühne herrschte beste Stimmung. Musikalischer Höhepunkt war am Samstagabend das Konzert der Bongo-Fusion-Band Abeneko aus Tansania.

Am Sonntag war das Wetter dann wieder eher durchwachsen und Mafoday Cham wollte sich zunächst nicht festlegen, ob er sich den organisatorischen Kraftakt nächstes Jahr wieder antun will. „Andererseits reichen manchmal ein paar Stunden mit Sonne und gutem Besuch, um alles wieder wettzumachen“, gab er sich schließlich doch zuversichtlich, das Festival weiterhin auf die Beine stellen zu wollen. „Es macht einfach Spaß und die Aussteller motivieren mich, weiterzumachen“, sagt der Festivalchef.

Weitere Themen