Konzerne wie Siemens, BASF, BMW oder VW haben schon lange in dem Land am Kap der Guten Hoffnung Fuß gefasst. Daimler etwa baut seit 1958 Autos in Südafrika und fertigt dort inzwischen auch Lkw und Busse. Von den 460 bei Daimler zur WM georderten Bussen sind noch 170 in Betrieb. „Nach der Fußballweltmeisterschaft gewann Daimler Buses in Südafrika zahlreiche Großaufträge und lieferte bis heute mehr als 1500 Busse an verschiedene Städte und Verkehrsunternehmen“, sagt ein Daimler-Sprecher. Dies könne aber auch mit der steigenden Mobilität in Südafrika zusammenhängen.
2018 exportierte Südwesten Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Südafrika
„Der größte Nachlass der WM sind die Investitionen in die Infrastruktur“, sagt Afrika-Exerte Schwiderowski. „Eine gut funktionierende Infrastruktur ist für unsere Unternehmen wichtig. Gerade hier haben wir im Rahmen der WM große Fortschritte erlebt, von denen die Firmen und Menschen in Südafrika bis heute profitieren.“ Als Beispiele nennt er den Ausbau des Straßen- und Luftverkehrs sowie die Entwicklung von Gewerbegebieten.
Mit einem Handelsvolumen von mehr als 17 Milliarden Euro ist Südafrika der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Afrika, sagt Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), die derzeit mit einer 35-köpfigen Delegation aus Vertretern von Wirtschaft und Politik in Südafrika und Äthiopien unterwegs ist. 2018 wurden aus dem Südwesten Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Südafrika exportiert, vor allem Fahrzeuge, Kfz-Teile und Maschinen. Südafrika lag damit auf Platz 28 der wichtigsten Exportländer Baden-Württembergs. „Das Land ist nach Nigeria gemessen am Bruttoinlandsprodukt die zweitgrößte Volkswirtschaft in Afrika und gilt als wirtschaftliche und politische Lokomotive für den Kontinent.“ Schon deshalb sei es wichtig, Kontakte vor Ort auszubauen und den Markt weiter zu erschließen. Zumal zwischen Baden-Württemberg und der Provinz KwaZulu-Natal seit fast 25 Jahren eine Partnerschaft besteht, die bislang vor allem im Bildungsbereich genutzt wurde. „Politische Gespräche sind vertrauensbildend und können Türöffner für die Wirtschaft sein“, sagt Nicole Hoffmeister-Kraut.
Deutsche Mittelständler haben zunehmend Schwierigkeiten in Südafrika
Derzeit beschäftigen die rund 600 deutschen Firmen in Südafrika 90 000 Mitarbeiter. Auch 100 Unternehmen aus dem Südwesten sind darunter – etwa die Autozulieferer Mahle, Elring Klinger und Eberspächer, die Maschinenbauer Balluff, Festo und Witzenmann sowie der Medizintechnikspezialist Aesculap, der Schmierölhersteller Fuchs Petrolub und das Technologieunternehmen Freudenberg. „Die Firmen, die sich schon länger in Südafrika angesiedelt haben, machen in der Regel gute Geschäfte“, sagt Kai Schmidt-Eisenlohr, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, Baden-Württemberg International, der die Ministerin auf der Reise begleitet. „Südafrika ist der wichtigste Ankerpunkt in Afrika, auch weil Unternehmen von dort aus in andere Länder des Kontinents exportieren können.“ Doch bislang seien die Firmen zurückhaltend mit Engagements. „Wir wollen sie ermutigen zu investieren.“
Deutsche Mittelständler haben aber zunehmend Schwierigkeiten mit dem sogenannten Black Economic Empowerment, sagt Fausi Najjar, Südafrika-Korrespondent bei der Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik GTAI. Dabei handelt es sich um ein Punktesystem, über das Firmen einen besseren Zugang zu staatlichen Aufträgen oder Bergbaulizenzen bekommen. „Das System wurde eingeführt, um historische Ungerechtigkeiten auszugleichen, die die schwarze Bevölkerung in Zeiten der Rassentrennung erlitten hat.“ Dadurch soll diese Bevölkerungsgruppe gefördert werden – etwa wenn es um die Vergabe von Posten im Topmanagement, die ethnische Besetzung der Belegschaft, Verträge mit Lieferanten oder soziales Engagement geht. Je mehr Punkte ein Unternehmen sammelt, desto bessere Chancen hat es bei der Vergabe von Aufträgen. „In den letzten Jahren ist eine Beteiligung am Eigentum der Firmen zunehmend wichtiger geworden. Damit tun sich Mittelständler aus Deutschland schwer“, sagt Najjar. Ausländische Firmen würden sich Sorgen machen, dass sie ohne ausreichende Punktzahl nicht mehr richtig ins Geschäft kommen – „selbst wenn es nicht um staatliche Aufträge geht.“ Denn das Punktesystem sei zunehmend relevant geworden. Trotz dieser Entwicklungen „schlummert in Südafrika ein Motor, der den gesamten südlichen Kontinent mitziehen könnte“, ist der Experte überzeugt. Das Land gehört zu den führenden Rohstoffexporteuren der Welt, es führt Kohle, Gold, Diamanten und Platin aus und „verfügt über die umfangreichste Industrie auf dem Kontinent.“
Deutschland ist einer der größten Abnehmer von Kaffee und Textilien aus Äthiopien
Anders als Südafrika ist Hoffmeister-Krauts zweite Station, Äthiopien, zwar rohstoffarm, gilt aber als das „ökonomische Powerhouse Ostafrikas“, sagt die Ministerin. So ist Deutschland einer der größten Abnehmer von Kaffee und Textilien aus Äthiopien. Vor allem in der Bekleidungsindustrie sieht das Land große Wachstumschancen – zumal immer mehr asiatische Firmen und Modeketten ihre Produktion dorthin verlagern. „Seit mehr als zehn Jahren weist Äthiopien überdurchschnittliche Wachstumsraten auf und hat seitdem einen rasanten Wandel vollzogen“, sagt die Wirtschaftsministerin. Auch wenn das Land in jüngster Zeit durch Unruhen in die Schlagzeilen geraten sei, sehe sie Äthiopien auf einem guten Weg, Drehscheibe für die wirtschaftliche Entwicklung in Ostafrika zu werden. „Ziel der Reise nach Afrika ist aber nicht nur, Chancen für unsere Unternehmen zu identifizieren, sondern auch zu schauen, wie wir die afrikanischen Länder mit unserem Know-how bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und beim Umweltschutz unterstützen können.“ Dies ist auch nötig: Äthiopien ist noch immer eines der ärmsten Länder der Erde. Daten der Weltbank zufolge lebten 2016 knapp 25 Prozent der 109 Millionen Einwohner von weniger als 1,13 Euro am Tag.