Esslingen bekommt ein neues Shopping-Event. Grund zur Freude, sagen einige, die wir in den Sozialen Medien dazu befragt haben. Doch bei anderen löst die Ankündigung Skepsis aus.
Esslingens Innenstadt soll lebendig sein, modern und damit attraktiv – da sind sich wahrscheinlich alle einig. Aber wie gelingt das? Die City Initiative Esslingen, ein Zusammenschluss von etwa 140 Unternehmen, kündigte jüngst einen monatlich stattfindenden langen Einkaufsabend zum „entspannten Flanieren und Verweilen“ in der Innenstadt an. Unsere Redaktion hat vor dem Start des Events am 7. August in den Sozialen Medien nachgefragt, was Bürgerinnen und Bürger von dem Konzept halten. Neben Zuspruch hat uns auch viel Skepsis erreicht.
Die Parksituation sorgt für Unmut
„Ich bin in Esslingen geboren und ganz in der Nähe aufgewachsen, seit 20 Jahren wohne ich im Neckar-Odenwald-Kreis, früher hat man sich zum Shoppen in Esslingen getroffen, da gab es tolle vom Inhaber geführte Geschäfte“, schreibt uns ein User. Jetzt sei das nicht mehr so. „Es gibt kaum Läden wie Schuhgeschäfte oder Sportgeschäfte“, meint ein anderer. Gibt es zu wenige attraktive kleine Läden in Esslingen?
Auch Anja Heubach, die eine gleichnamige Gärtnerei in Oberesslingen betreibt, sieht das so: „In Esslingen sind die attraktiven Läden sehr weit verteilt. Man läuft lange und dazwischen ist wenig Ansprechendes.“ Gerade ältere Menschen fragten bei ihr regelmäßig: „Wo bekomme ich noch Unterhosen oder Strümpfe her, außer bei C&A?“ Gleichzeitig sei die Parksituation in Esslingen ein großes Problem, vor allem für diese Zielgruppe. Es gebe zu wenige freie Parkflächen in Innenstadtnähe. Parkhäuser, wie etwa das beim Pliensauturm, seien dieser Altersgruppe oft zu eng.
Länger öffnen – aber lohnt sich das?
„Und dazu noch die völlig überzogenen Parkgebühren“, schreibt uns eine Nutzerin. Diesen Punkt sieht die City Initiative Esslingen auf Nachfrage ebenfalls kritisch: „Damit sind auch wir Händler und Gastronomen nicht einverstanden. Wir sind davon ebenso betroffen, wie unsere Kunden und suchen ständig das Gespräch mit der Stadtverwaltung und den Betreibern der Parkhäuser.“ Dennoch blickt die Initiative positiv auf das Event. Für die Stadt sei das Einkaufen bei lokalen Händlern und das Nutzen der Gastro vor Ort „das Beste, das wir alle tun können“.
Beim langen Einkaufsabend, dem After Work Shopping, wollen mehr als 30 Einzelhändler in der Innenstadt ihre Öffnungszeiten bis 20 Uhr verlängern. Ab 17 Uhr soll es laut City Initiative verschiedene Aktionen geben, darunter kleine Erfrischungen und Dekorationen. Eine grundsätzlich gute Sache, sagen uns mehrere Bürger, gäbe es da nicht eine zusätzliche Schwierigkeit – vor allem für kleinere Geschäfte: ausreichend Personal.
„Ich habe Bedenken, dass die personelle Situation für manche Betriebe nicht machbar ist“, sagt Heubach. Für große Ketten wie H&M sei das kein Problem, dafür aber für die oft gewünschten kleineren Läden. Fürs längere Arbeiten müsse man seinen Mitarbeitenden zum Beispiel einen Bonus anbieten. „Da könnte die Stadt vielleicht helfen“, schlägt Heubach vor. Denn am Ende hänge der Erfolg oder Misserfolg eines solchen Events auch davon ab, ob die Händler genug verdienen, um die längeren Öffnungszeiten zu rechtfertigen.