Ahnenforschung in Island Eine App soll Inzest verhindern

Die App ÍslendingaApp SES soll Isländer vor einer inzestuösen Beziehung warnen mithilfe einer Datenbank, die Familienstammbäume abgleicht. Foto: Screenshot StZN
Die App ÍslendingaApp SES soll Isländer vor einer inzestuösen Beziehung warnen mithilfe einer Datenbank, die Familienstammbäume abgleicht. Foto: Screenshot StZN

Rund 330.000 Einwohner auf einer Insel - da ist der Genpool relativ klein, wenn sich die Isländer fortpflanzen wollen. Eine App soll nun helfen, zu enge Verwandtschaftsbeziehungen zu verhindern.

Digital Unit : Katharina Freundorfer (kaf)
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Ein Datenpool von 1200 Jahren soll im sogenannten "Buch der Isländer" (Íslendingabók) verfügbar gemacht werden. Ein wahrer Schatz, wenn bedacht wird, dass den Isländern eine sehr geringe Anzahl an möglichen Partnern zur Verfügung steht. Denn bei nur rund 300.000 Einwohnern kommen verwandtschaftliche Verbindungen sehr schnell in Frage. Jeder ist mit jedem über irgend eine Ecke verwandt.

Registrieren und in Datenbank einpflegen

Das Daten-Projekt "Buch der Isländer" ist eine Kooperation des Pharma-Unternehmens deCODE genetics und Friðrik Skúlason, ein Unternehmer, der Anti-Virus-Software entwickelt. Ziel des Projekts sei es, alle Familienbeziehungen der Isländer von heute bis zum Zeitpunkt der Bevölkerung der Insel vor rund 1200 Jahren zu registrieren und in eine Datenbank einzupflegen. Für die Forschung im Fachbereich medizinische Genetik sind diese Daten ein wahrer Fundus.

Verschiedene Quellen aus der Geschichte des Landes stehen der Datenbank zur Verfügung. Systematisch wurden erste Datensätze der Einwohner laut Pharma-Unternehmen deCode genetics seit 1703 erhoben, als eine landesweite Volkszählung in Island eingeführt wurde. Im 18. Jahrhundert sollen Priester dann ihre Gemeindemitglieder erfasst haben - diese Daten liegen teils im Nationalen Archiv. Zudem sei im 20. Jahrhundert die Ahnenforschung erblüht - dadurch stehen dem Projekt weitere Daten zur Verfügung. Die landesweite Erfassung von Bürgerdaten per Computer sei in den 1960er Jahren vorangetrieben worden.  

App soll Daten nutzen

Einen praktischen Nutzen hat diese Ahnenforschung nun im 21. Jahrhundert. Denn junge Isländer, die sich untereinander fortpflanzen wollen, können nun per App überprüfen, ob sie mit ihrem Gegenüber enger Verwandt sind. Auch wenn die Meinung bei manch Politikerin wie Frauke Petry vorherrscht, dass die Isländer "inzestuös" seien, soll gerade das Buch der Isländer dabei helfen, dem vorzubeugen: "Durchsuche die Datenbank nach jedem Isländer und finde heraus, wie ihr miteinander verwandt seid", heißt es in der App namens ÍslendingaApp SES. Zudem seien "lustige Statistiken" über die Familien abrufbar. Und eine Reise durch den eigenen Stammbaum sei mit der App möglich. 

Universitätsstudenten haben im Rahmen eines Wettbewerbs diese App entwickelt, die auf mobilen Geräten funktioniert. Seit zehn Jahren besteht die Online-Ahnentafel, deshalb sollte nun laut Forschungsverbund eine leicht zugängliche Applikation für Mobilgeräte entstehen. Wenn Isländer heute ein Date haben, erfahren sie in wenigen Sekunden, ob die Datingpartnerin eine Cousine ersten, zweiten oder achten Grades ist. Dafür geben sie nur den Namen des Dates ein. Sind die beiden zu eng verwandt, gibt die App einen sogenannten "Inzest-Alarm".




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