Aichtal Artisten schaffen sich ihre Welt

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Bei der Jonglierconvention fliegen die Reifen, wirbeln die Keulen und flitzen die Diabolos. Mit einer Gala-Show am Ostersonntag begeistert das Ensemble das Publikum.

Vanessa sind drei Hüte immer noch zu wenig.  Foto: Horst Rudel Foto:  
Vanessa sind drei Hüte immer noch zu wenig.  Foto: Horst Rudel

Aichtal - Wenn sich Jongleure aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland ein Stelldichein geben, dann bleibt am Ende immer einiges liegen. Vom Haarspray über das Frisbee, mehrere Kapuzenpullis, eine Kniebandage bis hin zu Zigarettenfiltern reicht die Palette der im vergangenen Jahr bei der Aichtaler Jonglierconvention liegengebliebenen und im Internet unter der Rubrik „Lost & Found“ vermerkten Gegenstände.

Sollten nach dem jetzt ausgeklungenen diesjährigen Treffen ein Stiefel, ein paar Socken, ein Gürtel oder ein Kleid herrenlos sein, könnten diese Maria gehören. Unter diesem Namen zeigt die Künstlerin auf der Bühne dem verblüfften Publikum, wie man sich auf einem Einrad balancierend unnötiger Garderobe entledigt und diese in die Reihen der Zuschauer schleudert.

Das „Super-Juggling“ funktioniert wie ein Videospiel

Die wichtigsten Kleidungsstücke für Vanessa sind Kopfbedeckungen. Bei ihrer turnerischen Hutnummer wandern bei der Gala-Show am Sonntag in der Festhalle von Aich die Hüte wie magisch angezogen von den Füßen über die Hände und wieder zurück und landen dann dort, wo sie hingehören. Als aus den zunächst drei Hüten schließlich fünf Hüte werden, stehen Zuschauer auf und bejubeln die Körperbeherrschung der Artistin.

Die einzelnen Nummern sind mehr als eine Aneinanderreihung akrobatischer Glanzpunkte. Unter dem Motto „Super Juggling“ sind die Auftritte Teil einer zusammenhängenden Videospiel-Geschichte, bei der jeder Artist mit seinem Showteil gewissermaßen einen weiteren Level „freischaltet“. Nach und nach entwickelt sich eine zauberhafte Jonglier-Welt, in welche die Artisten die Zuschauer entführen. Inga und Floyd jonglieren gekonnt mit ihren Reifen, Mirien und Mely lassen einen mit ihrem Lichterwirbel an wild gewordene Glühwürmchen denken.

Träumend beherrscht der Akrobat die Keulen

Jona ist ein Meister der Keulen – jedoch nur, wenn er träumt. Die Sportgeräte fliegen nur so durch das Scheinwerferlicht. Als Jona aus seinem Traum aufwacht, purzeln die Keulen zu Boden. Dann träumt Jona weiter, und mit traumwandlerischer Sicherheit bringt er sein imaginäres Level in dem Super-Juggling-Spiel zum Abschluss.

Die Gala-Show am Ostersonntag ist das Sahnehäubchen der Jonglierconvention. Doch die Teilnehmer haben schon seit dem Karfreitag auf dem Sportgelände in Grötzingen fleißig geübt und an ihrer Kunstfertigkeit gefeilt. Könner geben in Workshops ihr Fertigkeiten an Anfänger und Fortgeschrittene weiter – das gegenseitige Lernen ist eines der zentralen Wesensmerkmale der Jonglierszene. Jung und Alt, Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche: bei dem Treffen der Jongleure, das vor einem Jahr von Nürtingen nach Aichtal umgezogen ist, gehören alle zu einer Familie.

In der neuen Welt ist kein Platz für Trübsal

Maria, die Akrobatin auf dem Einrad, hat für den ersten Teil ihres Auftritts das Thema „Beziehungskiste“ gewählt. Kleine Holzkisten stellen verschiedene Personen dar. „Klack, klack, klack“ – schon wieder sind die Protagonisten andere Liebeskisten eingegangen. „Brigitte in der Mitte zwischen Franz und Fritz“, reimt Maria. „Doch nach sieben Stunden war klar, Brigitte steht auf Cordula.“ So verwirrend das Beziehungsgeflecht ist, so begeisternd ist das Super-Juggling. „So viele Level haben wir freigespielt und eine neue Welt erschaffen“, sagt die Mitorganisatorin Verena Rau alias Prinzessin Aprikose zur Halbzeit der Show – eine Welt, in der kein Platz ist für Trübsal und miese Gedanken.