Aichwald im Kreis Esslingen Im Aichwald fehlen 60 Pflegeplätze
Auf dem Schurwald gibt es eine Unterversorgung bei Pflegeplätzen. Der Bedarf steigt, während der Ausbau wegen hoher Baupreise und Fachkräftemangel stockt. Gibt es einen Ausweg?
Auf dem Schurwald gibt es eine Unterversorgung bei Pflegeplätzen. Der Bedarf steigt, während der Ausbau wegen hoher Baupreise und Fachkräftemangel stockt. Gibt es einen Ausweg?
Im Oktober werden das Seniorenzentrum „Im Lutzen“ im Aichwalder Ortsteil Schanbach und das dazugehörende Café der Begegnung 20 Jahre alt. Es gibt dort 36 Plätze für die Dauer- und Kurzzeitpflege sowie 27 betreute Seniorenwohnungen. Doch der Bedarf ist viel größer – wie fast überall im Landkreis. Aus dem Bedarfsplan der Schurwaldgemeinde geht hervor, dass mittelfristig rund 60 stationäre Pflegeplätze fehlen. Deshalb würde Aichwald gerne ein zusätzliches Pflegeheim bauen und hat auch schon einen Bauplatz im Auge. Er liegt gegenüber dem heutigen Seniorenzentrum auf der anderen Seite der Aichschießer Straße am Schanbacher Ortseingang.
Das Problem: Die Flächen sind in Privatbesitz, und auf gut der Hälfte stehen Streuobstbäume. Um dort überhaupt bauen zu können, muss das Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Deshalb hat die Schurwaldgemeinde ein Planungsbüro damit beauftragt, das Gelände ökologisch zu bewerten. Im Rahmen dieser Untersuchung sollen auch mögliche Alternativstandorte untersucht werden. „Wir lassen prüfen, ob das Projekt an diesem Standort grundsätzlich realisiert werden kann“, sagt Aichwalds Hauptamtsleiter Stefan Felchle.
Dass der Landkreis selbst ein großes Interesse an zusätzlichen Pflegeplätzen hat, geht aus dem Sozialbericht 2024 hervor. Galten im Jahr 2023 kreisweit noch 27 .422 Personen als pflegebedürftig, so werden es bis zum Jahr 2050 etwa 35.000 Personen sein. „Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen steigt damit schneller als erwartet“, heißt es in dem Bericht. Derzeit gibt es im Landkreis rund 70 Einrichtungen in 29 von 44 Kommunen mit 4418 stationären Pflegeplätzen.
Auch wenn die wohnortnahe ambulante Pflege in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird, werden laut einer Sprecherin des Landratsamts stationäre Einrichtungen „dringend gebraucht“. Doch der Ausbau der stationären Langzeitpflege kommt nur schleppend voran. Als mögliche Gründe dafür nennt der Landkreis gestiegene Baukosten und den anhaltenden Fachkräftemangel.
Wie problematisch gerade die gestiegenen Baupreise werden können, musste Aichwalds Nachbargemeinde Lichtenwald schmerzhaft erfahren. Dort war der Bau einer neuen Wohnanlage mit Pflegeheim auf dem ehemaligen Forsthausareal im Ortskern von Thomashardt bereits in vollem Gange, als der Bauträger Insolvenz anmelden musste und das Projekt im Sommer 2024 zum Stillstand kam. Kurze Zeit später sprang dann auch noch der ursprüngliche Betreiber des Pflegeheims ab und kündigte den bereits abgeschlossenen Mietvertrag. Das Projekt mit seinen 30 Pflegeplätzen und 15 Wohnungen stand auf der Kippe.
Inzwischen hat die Gemeinde laut ihrem Bürgermeister Ferdinand Rentschler mit der Wohnbau Urbach einen neuen Generalunternehmer gefunden, der das Projekt weiterführt. Neuer Betreiber des Pflegeheims ist der DRK-Kreisverband Esslingen zusammen mit dem Nürtinger Kreisverband.
Gefragt danach, ob die geplanten 30 Pflegeplätze ausreichen werden, um den Bedarf in Lichtenwald zu decken, reagiert Rentschler zurückhaltend. „Das kann man nicht vorhersehen“, sagt er. Allerdings gehe er nicht davon aus, dass Plätze leer bleiben würden. Kommt nichts mehr dazwischen, geht der Lichtenwalder Verwaltungschef davon aus, dass auf dem „Forsthausareal“ im Sommer 2026 die ersten Bewohner einziehen werden.
In Baltmannsweiler gibt es in der Ortsmitte ebenso wie in Aichwald bereits seit dem Jahr 2006 ein Seniorenzentrum mit 30 Pflegeplätzen. Daran angeschlossen sind sieben betreute Wohnungen. Doch anders als in Aichwald, wo man gerne ein zweites Pflegeheim bauen würde, will man in Baltmannsweiler verstärkt auf den Ausbau der Tagespflege setzen. Nachdem dort im Jahr 2024 ein neues Feuerwehrhaus in Betrieb gegangen ist, sind die dezentralen Feuerwehrareale in den beiden Ortsteilen Baltmannsweiler und Hohengehren ungenutzt. Derzeit läuft ein Investorenwettbewerb, was dort baulich passieren könnte.
Eine der Vorgaben ist laut Bürgermeister Simon Schmid, dass es eine Tagespflegeinrichtung geben soll. Tagespflegeangebote als teilstationäre Einrichtung würden der aktuellen Entwicklung Rechnung tragen: „Wo es geht, kommt ambulant vor stationär“, sagt Schmid. Er geht davon aus, dass es im Hinblick auf den laufenden Investorenwettbewerb bis zum Sommer 2026 erste Ergebnisse geben wird.
Pflegeplätze
Im Oktober werden das Seniorenzentrum „Im Lutzen“ und das dazugehörende Café der Begegnung im Aichwalder Ortsteil Schanbach 20 Jahre alt. Neben 36 Dauer- und Kurzzeitpflegeplätzen – Träger der Einrichtung sind „Die Zieglerschen“ – gibt es dort 27 betreute Seniorenwohnungen. Das Café der Begegnung, das ehrenamtlich geleitet wird, hat mittwochs und samstags sowie an jedem ersten Sonntag im Monat jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Jubiläumsfeier
Gefeiert wird der runde Geburtstag an diesem Sonntag, 21. September. Um 10.30 Uhr findet vor dem Festakt ein ökumenischer Gottesdienst statt. Ab 12 Uhr gibt es für alle Gäste Mittagessen, bevor um 13 Uhr ein buntes Programm beginnt. Es gibt viel Musik und Tanzvorführungen. Wer will, kann das Pflegeheim bei einer Führung erkunden. Zudem gibt es am Nachmittag Kaffee und Kuchen.