Aidlingen Zehn Jahre Einsatz für den fairen Handel

Die Logos für Aidlingen erstellte die Grafikdesignerin Maggie Jarak (links) mit Kindern der Schallenberg-Grundschule. Sie wurden vor zehn Jahren anlässlich der Fairtrade-Verleihung von Schulleiterin Ursula Faude (rechts) präsentiert – und der Bürgermeister Ekkehard Fauth ist zufrieden. Foto: Archiv/Wandel

Die Heckengäu-Gemeinde Aidlingen darf sich seit zehn Jahren als „Fairtrade-Town“ betiteln – und das soll noch lange so bleiben. Sie war seinerzeit die erste im Kreis Böblingen mit diesem Prädikat für faire Handelspartnerschaften.

„Die Trommeln haben’s verkündet – es ist etwas im Busch.“ So begrüßte Bürgermeister Ekkehard Fauth im Mai 2012 die Festgäste im Deufringer Schlosskeller. Bezogen war dies auf die afrikanischen Trommelschläge des Chor Contakt zur Einstimmung auf den Festakt. Als erste Gemeinde im Kreis Böblingen und als 81. in Deutschland wurde Aidlingen seinerzeit dieses Prädikat verliehen. „Und konnte den Anspruch, dieses Prädikat zu tragen, bis heute einlösen“, bilanziert Bürgermeister Ekkehard Fauth. Damals berichtete Benjamin Pütter von Misereor über die Zustände der Kinderarbeit in Indien und die Möglichkeiten, die Situation zu verbessern.

 

„Wir spenden deshalb jedes Jahr 6000 Euro für unsere Projekte aus dem Verkaufserlös fair gehandelter Waren“, betont Rita Binder, Vorstandsmitglied des Eine-Welt-Laden-Vereins, den es bereits zwölf Jahren gibt. „Als älterer Bruder hat er der jüngeren Schwester jüngst gratuliert auf der eigenen Homepage und auch im Amtsblatt“, sagt die 70-jährige Stammheimerin und schmunzelt. Sie räumt regelmäßig im Deufringer Weltladen Waren ein und hilft auch im Café mit.

Messe-Besuch gibt den Impuls

Den Impuls für die Anstrengungen, Fairtrade-Gemeinde zu werden, hatte Ekkehard Fauth nach dem Besuch der Fairer-Handel-Messe in Stuttgart im Mai 2011. Dort hörte er just einen Vortrag von Benjamin Pütter und war gefesselt. „Für mich war klar, dass wir etwas tun müssen.“ Der Gemeinderat fasste den einstimmigen Beschluss, bei Beschaffung der Gemeinde nur Produkte zu berücksichtigen, die entsprechende Standards des fairen Handels erfüllen. Dann waren die Bürger gefragt: „Wir rannten mit dem Fairtrade-Gedanken offene Türen bei den Aidlingern ein“, blickt Fauth zurück. Und es wurde der Verein „Fair – Eine Welt Aidlingen e.V“ gegründet.

Aber bereits lange vor der Gründung des Vereins galt das Engagement einer Gruppe von Aidlinger Bürgern und Mitgliedern der Kirchengemeinden einer gerechteren Welt. So wurden seit vielen Jahren regelmäßig Waren aus Entwicklungsländern beim Adventsmarkt und bei Kirchenfesten zum Kauf angeboten. Auch der jährliche Verkauf von Mangos aus Burkina Faso ist bis heute eine feste Tradition.

Die Fair-Kampagne gibt fünf Kriterien vor, die gegeben sein müssen, um faire Stadt oder Gemeinde zu werden. Neben der Vorgabe, dass bei allen Ausschuss- und Ratssitzungen Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel verwendet wird, müssen auch in lokalen Einzelhandelsgeschäften, Cafés und Restaurants einzelne Produkte aus fairem Handel angeboten und ausgeschenkt werden.

Schulen und Vereine werden in die Pflicht genommen

Zusätzlich sollen öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen ihre Zustimmung zeigen, indem sie ebenfalls einige Produkte aus fairem Handel verwenden und Bildungsaktivitäten zu diesem Thema vornehmen. Beim Beschluss, eine „Fairtrade-Town“ zu werden, muss eine lokale Steuerungsgruppe gebildet werden, die auf dem Weg zur fairen Stadt die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Des Weiteren ist vorgeschrieben, dass die örtlichen Medien über alle Aktivitäten auf dem Weg zur fairen Stadt berichten. Nach einem Jahr waren die Bedingungen erfüllt und Kampagnenleiterin Kathrin Brehmer konnte Aidlingen in der „Fairtrade“-Familie willkommen heißen.

Die Logos für den fairen Handel in Aidlingen erstellte die Grafikdesignerin Maggie Jarak zusammen mit Kindern der Schallenberg-Grundschule. Die zwei Logos sind überall dort zu sehen, wo faire Produkte verwendet werden. Rita Binder hat auch einen Wunsch für die Zukunft des Geburtstagskindes, „das nicht nur volljährig werden sollte. Deshalb müssen wir verstärkt mit der Steuerungsgruppe bei Vereinen und Gastronomie für unsere Produkte werben, damit wieder mehr Fairgehandeltes auf Teller, Glas oder Haut landet.“

„Fair – Eine Welt Aidlingen e.V“ hat knapp 100 Mitglieder

Die Unterstützung des „Fair – Eine Welt Aidlingen e.V“ ist der Gemeinde Aidlingen sicher. „Heute zählt der Verein fast 100 Mitglieder, und nur durch die ehrenamtliche Arbeit von rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Laden und zusätzlichen Helfern konnten sich die in der Satzung festgelegten Ziele erfolgreich verwirklichen lassen“, bilanziert Vorsitzende Sabine Horn. Die Erfolgsgeschichte des „Fairen Gedankens“ hätte sich durch das Engagement des Bürgermeisters und der Bezeichnung „Fairtrade-Gemeinde“ weiter ausgebreitet. Auch die regelmäßige Ausschreibung des Schulwettbewerbs „fair is (s)cool“ im Kreis Böblingen trage zur Bewusstseinsbildung bei vielen jungen Menschen bei.

Faire Produkte kaufen und konsumieren im Kreis Böblingen

Fairtrade-Kommunen
Im Landkreis sind alle vier Große Kreisstädte Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg Fair-Trade-Town ebenso Waldenbuch. Holzgerlingen hat sich auf den Weg gemacht Fair-Trade-Town zu werden. Aidlingen ist die erste und bisher auch einzige Fair-Trade-Gemeinde im Landkreis.

Fairtrade-Läden
Den gesamten Landkreis überspannt ein Netzwerk von Eine-Welt-Läden: von Weil der Stadt bis Waldenbuch, von Leonberg bis Herrenberg, im Zentrum Böblingen und Dagersheim, Sindelfingen und Maichingen sowie Holzgerlingen und Aidlingen-Deufringen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Aidlingen Jubiläum Fairer Handel