Aidlinger Rathauschef geht in den Ruhestand Herzlicher Abschied für Bürgermeister Ekkehard Fauth
Wegbegleiter würdigen Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth bei seiner Abschiedsfeier in der Sonnenberghalle.
Wegbegleiter würdigen Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth bei seiner Abschiedsfeier in der Sonnenberghalle.
Dem Tag der Zeugnisausgabe blicken viele Schüler mit unguten Gefühlen entgegen. Für Ekkehard Fauth geriet dieser Moment am Donnerstagabend in der Sonnenberghalle dagegen zu einem ebenso freudigen wie anrührenden Ereignis. Anlässlich seiner Abschiedsfeier überreichte Kerstin Meister, die Rektorin der Sonnenbergschule, ihm und seiner Frau Gudrun ein symbolisches Schulzeugnis für 24 Amtsjahre als Aidlinger Bürgermeister und sparte dabei nicht mit Lob und guten Noten. Es war nur eine von zahlreichen Würdigungen, die dem künftigen Ruheständler während des beinahe vierstündigen Programms zuteil wurden.
Bürgermeister statt Badehosenverkäufer
Als Schüler hatte Ekkehard Fauth dem Vernehmen nach wohl nicht immer die besten Noten. Wie sein Grafenauer Amtskollege und Freund Martin Thüringer auf der Bühne verriet, stand zeitweise der Sport für ihn an erster Stelle – immerhin holte Fauth zwei Deutsche Jugendmeistertitel im Turmspringen, als Jugendschwimmer war er mehrmals Württembergmeister und einmal auch Deutscher Vizemeister. Sein Vater sorgte sich allerdings eher darum, ob der Sohnemann sich mit seinen schulischen Leistungen über Wasser halten würde, weswegen er ihm eine Standpauke darüber hielt, dass ihm als Leistungsschwimmer maximal eine Karriere als Badehosenverkäufer erwarte.
Viel Freund, viel Ehr
Diese Anekdote war nur eine von vielen, mit der Freunde und Wegbegleiter in Reden oder in Form kleiner von dem Journalisten Holger Schmidt moderierten Talkshow-Runden Rückschau auf Fauths Amtszeit hielten. Unter den 300 geladenen Gästen waren Bürgermeisterkollegen aus den umliegenden Gemeinden sowie aus der sächsischen Partnergemeinde Laußnitz, aktuelle und ehemalige Amtsträger und Gemeinderatsmitglieder sowie ehrenamtliche und hauptamtliche Personen. Sie alle widmeten Fauth würdigende Worte. Die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz nannte ihn einen „Kümmerer“, Landrat Roland Bernhard bezeichnete ihn als „hemdsärmelig im positiven Sinne“ und als „Heckengäu-Papst“, Andrauso Farina, der frühere Leiter des Samariterstifts Dachtel, bedankte sich dafür, wie der Bürgermeister als Netzwerker Jugendliche der Sonnenbergschule mit Senioren zusammengebracht habe, der Gemeinderat und stellvertretende Bürgermeister Thomas Rott lobte seine sachliche und menschliche Art, mit der er die Gemeinde sicher durch sämtliche Krisen geführt habe, und Sabine Horn vom Verein Fair – Eine Welt Aidlingen erinnerte daran, wie man 2012 erste Fair-Trade-Gemeinde im Kreis geworden sei. Hauptamtsleiter Timo Koch dankte zum einen seinem Chef, weil der immer hinter seiner Rathausmannschaft gestanden habe, und zum anderen seiner Frau, weil sie die „Work-Work-Balance“ ihres Gatten stets geduldig toleriert habe.
Friedenstaube und Feuerwehr
Gisela Grammerstoff, langjähriges Ratsmitglied und Sportvereinsvorsitzende, erinnerte daran, wie Fauth 2012 im Land eine Änderung des Bestattungsgesetzes angestoßen habe, indem er Ministerpräsident Winfried Kretschmann davon überzeugte, keine in Kinderarbeit gefertigten Grabsteine mehr auf baden-württembergischen Friedhöfen zuzulassen. Für sein Engagement wurde der Aidlinger Bürgermeister 2012 mit einer goldenen Friedenstaube ausgezeichnet. Mit dem zur Erinnerung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte geschaffenen Preis ist er in guter Gesellschaft, denn die Friedenstaube wurde unter anderem schon an Michail Gorbatschow, Angela Merkel und den Dalai Lama verliehen. Eine weitere Ehrung kam an dem Abend zu Fauths großer Überraschung hinzu: Aidlingens Feuerwehrkommandant Andreas Bauer, der Fauth erst kürzlich zum Ehrenmitglied der Aidlinger Wehr ernannt hatte, verlieh ihm stellvertretend für Kreisfeuerwehrverbands-Chef Markus Priesching eine Ehrenmedaille für „große Verdienste um das Feuerwehrwesen“.
Astralkörper und Bierbrauer
Dass Ekkehard Fauth ein ebenso sportlicher wie humorvoller Mensch ist, kam in vielen Beiträgen zur Sprache. Landrat Roland Bernhard sorgte zum Beispiel mit einer Bemerkung über Fauths „Astralkörper, bei dem Frauen schwach werden“ für amüsiertes Lachen. „Er ist für jeden Blödsinn zu haben“, lobte Elisabeth Albrecht von den Deufringer Berghexen und Schönbuch-Bräu-Chef Werner Dinkelaker erinnerte daran, wie Fauths leicht missglückter Versuch, sein eigenes Bier zu brauen, einst zu einer Einladung in die Brauerei und dadurch zum beliebten Hopfenzopfen-Wettbewerb beim Heckengäutag geführt hatte. Fauth selbst ließ ebenfalls immer wieder seinen Humor aufblitzen – etwa, als er seine Nachfolgerin Helena Österle auf die Bühne bat und ihr als „Geheimwaffe“ für eine gelassene Amtsführung ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel schenkte.
Geburtstagsständchen
Die teils recht langen Reden wurden immer wieder durch Musik- und Tanz aufgelockert – dargeboten von der Bigband des Jazzforums Aidlingen, dem Deufringer Chor conTakt und Jugendlichen der Sonnenbergschule. Zum Schluss hielt Fauth eine ebenso herzliche wie humorvolle Dankesrede, an deren Ende sich die gesamte Halle für Beifall im Stehen erhob. Der anschließende Stehempfang ging dann nahtlos in eine Geburtsfeier über: Am Freitag ist der künftige (Un-)Ruheständler 67 Jahre alt geworden.
Amtseinsetzung
Der erste offizielle Arbeitstag für die neue Bürgermeisterin Helena Österle wird festlich: Die Amtseinsetzung findet am kommenden Montag, 2. Dezember, um 19 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im Bürgerhaus Dachtel statt. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen.
Premiere
Am Donnerstag, 12. Dezember, um 19.30 Uhr wird Helena Österle ihr erste Gemeinderatssitzung im Aidlinger Rathaussaal leiten. Mit ihrem Vorgänger Ekkehard Fauth und seiner Rathausmannschaft hat sie sich zuletzt intensiv ausgetauscht und besuchte bereits seit Juli regelmäßig die Gremiensitzungen.
Verwaltungsmensch
Ebenso wie ihr Vorgänger bringt auch die Familienmutter mit Wohnsitz in Nagold langjährige Verwaltungserfahrung mit. Zuletzt war die 46-Jährige als Leiterin der Abteilung Liegenschaften in Calw sowie als hauptamtliche Ortsvorsteherin der beiden Stadtteile Stammheim und Holzbronn tätig.