Helena Österle, Aidlinger Bürgermeisterin Am meisten drängen jetzt die Finanzen

Seit 100 Tagen im Amt: Aidlingens Bürgermeisterin Helena Österle. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Seit 100 Tagen ist Helena Österle als Aidlingens erste Bürgermeisterin im Amt. Was hat sie bisher erreicht? Wo hakt es? Und: Was bedeutet der Weggang einer zentralen Amtschefin für die Haushaltsplanung?

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Am 1. Dezember 2024 begann die Amtszeit von Helena Österle als Aidlinger Bürgermeisterin. Zuvor hatte sie sich in einer knappen Wahl gegen Marc Weidel durchgesetzt. Ihr nur rund halb so alter Konkurrent hatte immer seine Verwurzelung im Ort betont. Nun aber sitzt eine Nagolderin als Ortschefin im Aidlinger Rathaus. Hier spricht sie über ihre ersten 100 Tage im Amt.

 

Hallo Frau Österle, was haben Sie im Moment auf Ihrem Schreibtisch liegen?

Ich versuche möglichst wenig Papier auf meinem Schreibtisch liegen zu haben. Allerdings bekomme ich alle Unterlagen zur Unterschrift immer noch in Papierform, was über den Tag verteilt, eine Menge ist. In Calw war die Digitalisierung im Rathaus bereits weit fortgeschritten und dieses Ziel werden wir mittelfristig auch hier verfolgen.

Anders gefragt: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich gerade?

Am zeitintensivsten waren in den letzten Tagen und Wochen unter anderem die Machbarkeitsstudie für das geplante Med-Zentrum, die Planungen für den Festakt zum 750-Jahr-Jubiläum in Dachtel, die Planung unserer Klausurtagung Anfang April – und dann geht es noch um die Stellenausschreibung und die Planung einer geordneten Übergabe in der Kämmerei.

Tatsächlich beginnt das Frühjahr mit einem personellen Paukenschlag: Sie müssen sich kurzfristig eine neue Finanzchefin suchen. Wie kommt es, dass gerade jetzt die bisherige Kämmerin Fiona Rennert nicht mehr zur Rathausmannschaft gehören will?

Sicher, mir wäre es auch lieber gewesen, wenn die Kämmerei stabil wäre. Allerdings hat sich dieser Wechsel bereits vor meinem Beginn hier abgezeichnet. Und ich denke, dass die Wechselbemühungen von Frau Rennert nicht an mir als Person liegen. Aber die Stelle ist jetzt ausgeschrieben und ich sehe optimistisch in die Zukunft und hoffe, dass sich geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten bewerben werden. Frau Rennert wünsche ich alles Gute in ihrer neuen Position.

Was bedeutet das Ausscheiden der Kämmerin in dieser Zeit, in der Aidlingen mit verschleppten Haushaltsabschlüssen, Abwassergebühren-Ärger und Verschuldung zu kämpfen hat?

Wichtig ist mir aktuell, dass wir eine stabile Datenbasis in der Kämmerei haben, auf die eine Amtsnachfolge zugreifen kann, und die Einarbeitung reibungslos funktioniert. Daran arbeite ich derzeit. In der Vergangenheit waren jedoch in vielen umliegenden Gemeinden Leitungsstellen der Kämmereien ausgeschrieben und es dauert wohl länger, bis man geeignete Bewerberinnen und Bewerber für die Leitung der Kämmerei findet. Ich hoffe nach wie vor, dass uns die Suche schnell gelingt. In Bezug auf die Finanzen steht Aidlingen meiner Auffassung nach – und das habe ich bereits in meiner Haushaltsrede im Februar gesagt – nicht schlechter da, als vergleichbare Gemeinden. Der Ärger über die Anhebung der Abwassergebühren liegt bereits ein Jahr zurück und verblasst damit langsam. Auch die Jahresabschlüsse werden wir nachholen. In der Klausurtagung im April werden wir uns aber mit dem Gemeinderat intensiv darüber austauschen, welche Projekte notwendig und finanzierbar und welche „nice to have“ sind und deshalb verschoben oder gestrichen werden können.

Im Wahlkampf hatten Sie unter anderem angekündigt, die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bevölkerung verbessern zu wollen. Wie setzen Sie dieses Ziel um?

Wir haben Anfang des Jahres auf unserer Homepage das Bürger- und Ratsinfosystem eingeführt. Damit haben auch Einwohner Zugriff auf die öffentlichen Ausschuss- und Gemeinderatsvorlagen, was zur Transparenz in Bezug auf die Beratungspunkte führt. Außerdem haben wir künftig in jeder zweiten Gemeinderatssitzung eine Einwohnerfragestunde und ich biete jeden dritten Donnerstagnachmittag eine Bürgermeisterin-Sprechstunde an, zu der sich jeder Einwohner anmelden kann. Ein großes Projekt wird noch in diesem oder Anfang nächsten Jahres die Überarbeitung der Homepage sein und auch in diesem Zusammenhang werden wir die Öffentlichkeitsarbeit, die Kommunikation und die digitalen Dienstleistungen weiter optimieren. Außerdem planen wir nächstes Jahr erstmals einen Neujahrsempfang.

Apropos Wahlversprechen, bei einer Veranstaltung im Aidlinger Rössle hatten Sie vor der Wahl Ihre Ziele für die ersten 100 Tage ausgerufen – darunter die Komplettierung des Glasfaserausbaus. Wie viel konnten Sie von dieser langen Liste bisher umsetzen?

Einiges. Den versprochenen Kassensturz haben wir gemacht. Für die ausstehenden Jahresabschlüsse benötige ich aber zunächst eine neue Leitung der Finanzverwaltung. Auch die Pressearbeit der Verwaltung und die Berichterstattung aus dem Gemeinderat funktioniert bereits deutlich schneller und soll noch besser werden. Bei der organisatorischen Stärkung der Verwaltung sind wir ebenfalls weitergekommen und die angekündigte Sprechstunde im Rathaus gibt es jeden dritten Donnerstag. In den Ortsteilen werde ich Ortsspaziergänge einführen.

Und wie sieht es beim Abschluss des Glasfaserausbaus aus?

Nach Info der Deutschen Glasfaser soll dieses Projekt bis Ende des Jahres 2025 vollständig abgeschlossen sein.

Was tun Sie für den örtlichem Handel?

Es gab schon ein Gespräch mit dem Vorstand des Handels- und Gewerbevereins und auch erste Gespräche mit dem Landrat und dem Wirtschaftsförderer des Landkreises. Künftig planen wir auch einen regelmäßigen Austausch mit dem Regionalverband.

Und was wurde aus dem versprochenen Treffen mit den örtlichen Vereinen?

Da konnte ich bereits einen zentralen Ansprechpartner für Vereine in meinem Haus benennen. Künftig ist Jugoslav Lukic, der Leiter der Abteilung Bürgerdienste und Öffentlichkeitsarbeit, als zentraler Ansprechpartner für die Vereine zuständig. Das Treffen mit Vereinen ist auf 9. April terminiert. Eine Einladung wird in Kürze versendet.

Sie sind auf acht Jahre gewählt und streben nach ihrer Aussage eine zweite Amtszeit an. Was wollen Sie mittel- und langfristig in Aidlingen erreichen?

Ich möchte die Lebensqualität meiner Einwohner und die Attraktivität Aidlingens verbessern. Damit stehen die Themen Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten auf der To-Do-Liste, die Sanierung der Infrastruktur, die Stärkung des Ehrenamtes, Sicherung der Bildungs- und Betreuungsangebote und noch vieles mehr.

Sie haben Ihren Wohnsitz in Nagold. Im Wahlkampf hatten Sie erwogen, sich eine kleine Wohnung in Aidlingen zu suchen. Was ist daraus geworden?

Leider hatte ich hier noch keinen Erfolg, bin aber nach wie vor dran und würde mich vor allem über Kaufangebote freuen.

Wie gut fühlen Sie sich in Aidlingen angekommen und aufgenommen?

Mittlerweile sehr gut. Am Anfang war alles sehr aufregend und unbekannt. Je mehr Menschen ich hier kennenlerne, desto glücklicher bin ich über meine Entscheidung für Aidlingen.

Der Weg ins Aidlinger Rathaus

Verwaltungsexpertin
Helena Österle leitete zuletzt die Abteilung Liegenschaften bei der Stadt Calw und war hauptamtliche Ortsvorsteherin der Stadtteile Stammheim und Holzbronn. Die 46-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder (Jahrgänge 2004 und 2008). Die Diplom-Verwaltungswirtin war von 2002 bis 2022 bei der Stadt Nagold in teils leitender Funktion in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur und Liegenschaften tätig. Parallel dazu machte sie nebenberuflich ihren Master of Arts in Public Management an der Hochschule Kehl. Vor ihrem Wechsel nach Calw war sie Nagolds Wirtschaftsbeauftragte. Seit 2021 gehört Österle der CDU an.

Wahlergebnis
Helena Österle wurde mit 2196 Stimmen (52,54 Prozent) gewählt, Gegenkandidat Marc Weidel erhielt 1959 Stimmen (46,87 Prozent).

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