Aidlinger engagieren sich ehrenamtlich Die Surfbretter, die die Welt bedeuten

Für viele sind die gespendeten Surfbretter die einzige Möglichkeit, den Sport überhaupt auszuüben. Foto: Provide the Slide

Wie verschickt man ein Surfbrett? Diese Frage können Frederik Haug aus Aidlingen und seine Teamkollegen der Wohltätigkeitsorganisation Provide the Slide ohne Probleme beantworten. Sie organisieren gebrauchte Surfbretter – und schicken sie an Orte, an denen sie gebraucht werden.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Paddeln, paddeln, paddeln, da kommt eine Welle und Take Off! Davon können Surfer nicht genug bekommen – immer auf der Suche nach der perfekten Welle. So geht es auch Frederik Haug, der in Aidlingen aufwuchs und leidenschaftlicher Surfer ist. Doch damit nicht genug: Mit dem Verein Provide the Slide ermöglichen er und weitere Teammitglieder, dass auch in Teilen der Welt gesurft werden kann, in denen die Sportart bisher kaum Fuß gefasst hat.

 

Nach einem Surftrip in Liberia an der westafrikanischen Atlantikküste kamen Chris Klein und Simon Mendoza – zwei Freunde von Frederik Haug – im Jahr 2019 mit einer Idee zurück: Sie wollten Surf-Enthusiasten, die vor Ort keinen Zugang zu Surfboards und Equipment haben, eine Möglichkeit geben, den Sport auszuüben. Die Idee begeisterte viele befreundete Surfer – unter anderem auch Frederik Haug. Ehrenamtlich kümmern sie sich seither darum, in Deutschland und der Schweiz Surfbretter, die in Kellern Spinnweben ansetzen, wieder auf Vordermann zu bringen und dann zu verschicken. An zehn verschiedene Orte – vorrangig auf dem afrikanischen Kontinent – bringen sie mit Hilfe von Partnerorganisationen die Sportgeräte. Mittlerweile schaffen es rund 300 Bretter pro Jahr ins Ausland. „Wir haben vor kurzem das tausendste Brett verschickt“, erzählt Frederik Haug, der mittlerweile in München lebt. Vor über 20 Jahren stand er selbst zum ersten Mal auf einem Surfbrett und betreibt den Sport immer noch leidenschaftlich gerne. Das ganze Team von Provide the Slide stemmt die Arbeit ehrenamtlich: „Wir machen das, weil es uns Spaß und Freude macht“, erzählt der 42-Jährige.

Frederik Haug ist in Aidlingen im Kreis Böblingen geboren und wohnt mittlerweile in München. Foto: Provide the Slide

Doch wie schafft man es eigentlich, Hunderte von Surfbrettern auf einen anderen Kontinent zu transportieren? Tatsächlich sei die Logistik der Knackpunkt, erzählt Frederik Haug. Doch mittlerweile hat das Surf-Team einen guten Weg gefunden: Über eines ihrer Gründungsmitglieder konnten sie Kontakt zu der Organisation Velafrica herstellen, die dafür sorgt, dass Fahrräder auf den afrikanischen Kontinent kommen. Dieses Logistiknetzwerk können sie für ihre Surfbretter nutzen: „In den Containern sind unter der Decke noch rund 30 Zentimeter frei“, erklärt Frederik Haug. Diese 30 Zentimeter reichen aus, um die Surfbretter unterzubringen.

Selbst Material für Reparaturen ist manchmal knapp

„Das Surfen ist dort in einer ganz großen Entwicklungsphase“, sagt Frederik Haug. Afrika sei ein „unentdeckter Kontinent“ was das Surfen angehe. Oft fehle vor Ort das Equipment, selbst Material für Reparaturen sei knapp. Auch hier will die Organisation Veränderungen anstoßen: Sie wollen nicht nur Surfbretter verschenken, sondern auch Infrastrukturen aufbauen. „Wir wollen diesen Prozess so nachhaltig wie möglich gestalten“, sagt der gebürtige Aidlinger. Der Surftourismus soll angeregt werden, sodass die Menschen vor Ort beispielsweise Einkommen aus Surfkursen generieren können. Wichtig sei ihnen ebenfalls, Sponsoren für sehr gute Surfer auf dem Kontinent zu sein, die sonst keine Möglichkeit hätten, den Sport auszuüben.

1000 Surfbretter haben die Ehrenamtlichen bis jetzt verschickt. Foto: Provide the Slide

Wasser, Nahrung, Bildung – all diese Dinge seien essenziell und wichtig fürs Überleben. Doch die Surfer wollen einen weiteren Baustein für ein erfolgreiches Leben liefern: „Wir wollen, dass die Menschen Spaß haben“, sagt Frederik Haug. Wenn jemand Freude empfinde, gehe es der Person einfach besser. Dabei könne Surfen ein unglaublich wichtiges Hilfsmittel sein: Für Leute, die einen schweren Alltag haben, könne das Surfen auch zur Therapie werden. „Der Sport ist für viele Menschen die Möglichkeit, abzuschalten und sich aus stressigen Situationen rauszunehmen“, weiß Frederik Haug – auch das wollen die Surfer den Menschen, die Surfbretter bekommen, ermöglichen. Einmal im Jahr versuchen die Ehrenamtlichen, einen der Orte, die sie durch ihre Arbeit unterstützen, zu besuchen: In Liberia, Angola und São Tomé waren sie bereits.

Obwohl Frederik Haug und seine ehrenamtlichen Kollegen in aller Welt verstreut sind, und auch ihre Organisation über Deutschland und die Schweiz international aufgestellt ist, sind sie in ihrer alten Heimat im Kreis Böblingen immer noch bekannt: Der gemeinnützige Charity-Verein Weisses Ballett aus Böblingen hatte Provide the Slide erst vor kurzem für eine Weihnachtsaktion ausgewählt. Der Erlös ihres Adventskalenders fließt sowohl an Provide the Slide als auch an den Deutschen Kinderschutzbund. Die Aktion ist zwar schon vorbei, wer die Surfer aber dennoch unterstützen will, kann auf der Webseite spenden.

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