Aidlinger Raiba und VR Ehningen-Nufringen Mit der Fusion wollen die Banken ihre Zukunft sichern

Die künftige gemeinsame Vorstandsriege (von links): Marco Bigeschi, Harry Krieg, Markus Vogel und Caroline von Plotho. Foto: Stefanie Schlecht

Die Raiffeisenbank Aidlingen und die VR-Bank Ehningen-Nufringen wollen miteinander verschmelzen. Die Vorstände reagieren damit auf wachsende Regulatorik und anhaltende Personalnot.

Wenn zwei Unternehmen miteinander fusionieren, ist häufig auch von Personalabbau die Rede, weil in der Regel Sparzwänge hinter einem solchen Schritt stehen. Im Falle der Raiffeisenbank Aidlingen und der VR-Bank Ehningen-Nufringen sind die Dinge offenbar ganz anders.

 

Eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit für die noch in diesem Jahr angestrebte Verschmelzung gebe es hier nicht. „Beide Häuser stehen gut da, es sind die äußeren Zwänge“, sagt Vorstandsmitglied Marco Bigeschi bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im neu gestalteten Gebäude der Raiffeisenbank Aidlingen am Rathausplatz. Das Problem sei die immer mehr Kräfte bindende Regulatorik durch die Bankenaufsicht.

Immer komplexer werdende Bankenregulierung bindet Fachkräfte

Für Themen wie Finanzstabilität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Geldwäscheprävention braucht es Fachkräfte. Gehen Mitarbeitende in Erziehungsurlaub oder verabschieden sich in den Ruhestand, dann reiße das große Löcher in die Personaldecke, erklärt Bigeschi. Das, so Harry Krieg von der VR-Bank Ehningen-Nufringen, treffe gerade kleine Banken, wo teilweise an einer Person mehrere Funktionen hängen. „Das macht dann auch die Vertretung schwierig“, sagt Krieg. „Es gibt einfach nicht genug Fachkräfte am Arbeitsmarkt“, sagt seine Vorstandskollegin Caroline von Plotho. Aber das gehe auch anderen Banken so.

Noch muss die Fusion erst vollzogen werden. Die ersten Vorbereitungen laufen im Februar an. Für Ende Juli sind beschlussfassende Generalversammlungen geplant, zuvor sind Mitgliederdialoge anberaumt. Wenn die Mitglieder zustimmen, soll die technische Fusion zum 6. September erfolgen und der Zusammenschluss dann rückwirkend für den 1. Januar 2025 umgesetzt werden, um nicht zwei Bilanzen machen zu müssen.

Unter einem gemeinsamen Dach entstehen nach Ansicht der Vorstandsmitglieder Synergien und die Personalsituation dürfte sich spürbar entspannen. „Ich habe schon ein Organigramm erstellt. Das passt perfekt“, sagt Caroline von Plotho. „Da bleibt keine Stelle offen, es gibt aber auch keinen Überhang.“ Das mache Hoffnung, wenn in den kommenden Jahren altersbedingt Stellen nachbesetzt werden müssten. „Durch die Fusion werden wir auch für Mitarbeitende attraktiver, die sich scheuen, zu einer eher kleinen Bank zu gehen“, ist das Aidlinger Vorstandsmitglied Markus Vogel überzeugt.

Ein Bankenriese wird zwischen Heckengäu und Schönbuchlichtung wird wohl dennoch nicht entstehen. „Wir fusionieren, um klein und regional zu bleiben“, sagt Harry Krieg. „Wir wollen langfristig die Struktur einer kleinen Bank erhalten, aber überlebensfähig für die Zukunft sein“, ergänzt seine Vorstandskollegin.

Insgesamt rund 60 Mitarbeitende, eine Bilanzsumme von 450 Millionen Euro, rund 6100 Mitglieder und etwa 14 000 Kunden – das sind die Kennzahlen der „VR-Bank eG Aidlingen-Ehningen-Nufringen“, wie das Kreditinstitut künftig heißen soll.

Dass der neue Name nicht unbedingt sehr griffig daherkommt, ist dem Leitungsteam durchaus bewusst. Es gehe eben darum, die regionale Verbundenheit auszudrücken, sagt Harry Krieg. Die Kunden würden ohnehin weiterhin die gewohnten Namen verwenden, ist Marco Bigeschi überzeugt.

Zwischen anfänglichem Erschrecken und Euphorie

Die Nachricht der geplanten Fusion erreichte die Mitarbeitenden am Mittwoch, also einen Tag, bevor der Vorstand an die Öffentlichkeit ging. „Erst einmal erschreckt“, habe man in Aidlingen reagiert, berichtet Markus Vogel. Schließlich liegt die letzte Fusion 54 Jahre zurück – das war damals die „Raiba“ im benachbarten Deufringen.

Mittlerweile sei in Aidlingen aber eine „durchaus positive Erwartungshaltung“ aufgekommen. In Ehningen, wo die Fusion mit Nufringen erst acht Jahre zurückliegt, habe Caroline von Plotho eine regelrechte „Aufbruchstimmung“ wahrgenommen. „Die sind ganz euphorisch“, meint sie.

Weitere Themen