Aids-Hilfe Baden-Württemberg Ein nicht enden wollender Kampf

Von Heike Armbruster 

Die Aids-Hilfe Baden-Württemberg feiert im Theater der Altstadt ihr Jubiläum und verleiht dem Team des Kings Club den PositHIV-Preis. Einige der Mitarbeiter arbeiten schon seit mehr als 25 Jahren für die an Aids Erkrankten.

Laura Halding-Hoppenheit (links)Stolz, dass die Arbeit gewürdigt wird. Foto: Achim Zweygarth
Laura Halding-Hoppenheit (links)Stolz, dass die Arbeit gewürdigt wird. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - „Noch haben wir uns nicht selbst abgeschafft“, sagt Ralf Fuhrmann, einer der Vorstände der Aids-Hilfe Baden-Württemberg. Genau daran arbeiten Fuhrmann und seine Vorstandskollegen mit vielen haupt- und ehrenamtlich Engagierten - einige davon seit mehr als 25 Jahren. So lange gibt es die Aids-Hilfe Baden-Württemberg bereits. Um das Engagement der Helfer und Unterstützer zu feiern, hat die Aids-Hilfe zum Abschluss des Jubiläumsjahres am Sonntag ins Theater der Altstadt eingeladen.

„Die Helfer, die in der zweiten und dritten Reihe arbeiten, bekommen zu selten eine Auszeichnung“, begründete Joschi Moser vom Vorstand, warum im Jubiläumsjahr nicht eine einzige Person, sondern ein Team den PositHIV-Preis der Aids-Hilfe bekommen hat. Die Auszeichnung ging an die Mannschaft des Stuttgarter Kings Club (KC), einer Institution für Schwule und Lesben in der Calwer Straße – und zwar sowohl an die aktuellen wie auch an frühere Mitarbeiter des KC. Die KC-Inhaberin Laura Halding-Hoppenheit selbst ist bereits Trägerin des PositHIV-Preises.

Das Team des KC war stolz und ein bisschen sprachlos ob der unerwarteten Würdigung ihrer Arbeit. „Das ist das Größte“, sagte Cathrin Jung. „Es ist schön, dass die Anerkennung unserer Arbeit auch von offizieller Seite kommt“, ergänzte Andreas Schraitle. Sven Stepper verbindet mit dem Preis die Hoffnung, dass sich jüngere Menschen dadurch inspiriert fühlen, ins KC zu kommen und Berührungsängste abbauen.

„Man muss die Perspektive der Betroffenen kennen“

Die Mitarbeiter des Kings Clubs erleben, dass vor allem jüngere Menschen mit der Diagnose Aids deutlich zurückhaltender umgehen als noch in den 1980er Jahren. „Weil Aids behandelbarer geworden ist, ist es auch privater geworden. Das ist für den Einzelnen gut, für das Kollektiv schwieriger“, sagte der Kölner Rechtsanwalt Jacob Hösl, der bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Jubiläumsfeier mit dem Soziologen Phil Langer sowie Carsten Schatz von der Deutschen Aids-Hilfe und Laura Halding-Hoppenheit über das Stigma Aids diskutierte.

Hösl erläuterte die gesellschaftliche Vorverurteilung an der Tatsache, dass ein Erkrankter, der andere mit HIV anstecke, sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig mache. Bei anderen Infektionskrankheiten würde eine derartige juristische Bewertung wohl die Kapazitäten der Gefängnisse sprengen. „Grippe ist auch eine Infektionskrankheit, an der Menschen sterben können“, nannte Hösl ein Beispiel für seine These.

„Man muss die Perspektive der Betroffenen kennen, bevor man für sie Politik macht“, warb auch Halding-Hoppenheit für einen offenen Diskurs. „Ich habe erlebt, dass Menschen ausgegrenzt und auf diesen Virus reduziert worden sind. HIV schwächt vielleicht den Körper, aber nicht den Charakter“, sagte sie. „Wir müssen weiter Prävention machen, und damit wir das tun können, müssen wir uns bei den politischen Entscheidungsträgern einsetzen“, sagte Vorstandsmitglied Ralf Fuhrmann. Er lobte ausdrücklich die grün-rote Landesregierung, die die Mittel für die Arbeit der Aids-Hilfe aufgestockt hat.

Unterhaltsam sollte es werden

„Aids ist immer Krankheit, Sterben und Tod, aber eben auch Leben, Lieben und Sex. Es ist ein Thema, das die Menschen berührt, und daher sind 25 Jahre Aids-Hilfe für uns nicht die Feier reiner Verwaltungsarbeit“, nannte Fuhrmann den Grund dafür, dass sich die Aids-Hilfe entschlossen hatte, ihr Jubiläum mit einer Matinée zu feiern, deren Programm nicht nur aus Diskussionen bestand, die zum Nachdenken anregten. Im Gegenteil, kaum hatte Susanne Heydenreich, die Intendantin des Theaters der Altstadt, die Bühne betreten, war klar, dass es unterhaltsam werden würde. Nachdem sie um „schlüpfriges“ Licht gebeten hatte, verzauberte sie mit witzigen Monologen und der Darbietung von Liedern wie „Je ne regrette rien“.

Die Lacher der zahlreichen Jubiläumsgäste im Theater der Altstadt wurden übrigens auf Film gebannt. Die Kameras hatten die Mitarbeiter des Filmregisseurs Rosa von Praunheim in der Hand. Von Praunheim dreht derzeit eine Dokumentation über das Wirken von Laura Halding-Hoppenheit und ihr Engagement für HIV-infizierte Menschen. Entgegen der Ankündigung konnte der Filmregisseur selbst nicht zu der Jubiläumsfeier der Aids-Hilfe kommen. Er ließ sich aufgrund einer Erkrankung entschuldigen.

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