Aidshilfe in Stuttgart Infizierte leiden unter der Stigmatisierung

Von Barbara Czimmer 

Mit HIV leben mehr Menschen, als daran sterben. Am Donnerstag, 23. August, kommen rund 400 Teilnehmer ins Hotel Maritim zu einer Tagung, die das Leben mit dieser chronischen Erkrankung beleuchtet – die guten wie die schlechten Seiten.

Aids-Schleifen als Anstecknadeln symbolisieren Solidarität mit HIV-Positiven. Foto: dpa-Zentralbild
Aids-Schleifen als Anstecknadeln symbolisieren Solidarität mit HIV-Positiven. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Aids verbreitet nicht mehr den Horror wie in den 80er Jahren. „Heute kann man damit gut, lange und weitestgehend ohne Einschränkung leben“, sagt Ulf Hentschke-Kristal. Doch auch wenn die Erkrankung nicht mehr deutlich sichtbar sei – „die Abwertung und Zurückweisung HIV-Positiver machen ihnen selbst heute noch das Leben schwer“, so der Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe. Das wird Thema bei der 20. Tagung der Deutschen Aids-Hilfe und der Selbsthilfegruppen im Hotel Maritim sein, die an diesem Donnerstag beginnt.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 90 000 Menschen mit HIV, der Großteil davon sind Männer. Jährlich stecken sich nach Angaben der Aids-Hilfe etwa 3100 Menschen neu an. Hentschke-Kristal spricht von einem „niederen, aber konstanten Niveau“, 28 Jahre nach der ersten Konferenz müsse man sagen: „Die Diskriminierung ist das größte Problem, nicht der Tod“, so Hentschke-Kristal.

Betroffene müssen sich entweder heldenhaft outen oder verstecken

Die Veranstalter berichten von vielen Formen: Ablehnung durch Zahnärzte oder Benachteiligung und Geringschätzung am Arbeitsplatz. „Entweder wir outen uns heroisch und sind damit für immer der HIV-Positive, oder wir verstecken uns“, sagt Michèle Meyer. Die Clublegende, Schirmherrin und Stuttgarter Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit kennt „viele Leute, die sich nicht outen. Wir müssen deshalb gegen die Stigmatisierung einer HIV-Erkrankung kämpfen.“ Ein Beispiel aus der Praxis führt Franz Kibler an: Das Sommerfest der Stuttgarter Aids-Hilfe, das Begegnungen ermögliche.

Namhafte Firmen wie Daimler, IBM und SAP kämpfen seit Jahren gegen Diskriminierung in den eigenen Reihen. „Ich als Schwuler mit Migrationshintergrund war nie ein Hemmnis bei SAP. Das hat mich gelehrt, was Toleranz und Inklusion bedeuten“, sagte Ernesto Marinelli, der Senior Vice Präsident des Konzerns. Laut Peter Kusterer von IBM Deutschland herrsche in seinem Konzern „die tiefe Überzeugung, dass Vielfalt Innovationskraft gibt. Aber nur wer frei und ungezwungen ist, wird kreativ.“ Am Mittwoch stellte die Deutsche Aids-Hilfe erstmals eine Deklaration gegen Diskriminierung im Arbeitsleben vor, die unter anderem Daimler, IBM, SAP sowie die Stadt Stuttgart unterzeichnen wollen.

Demonstranten machen medizinischen Fortschritt öffentlich

Am Samstag, 25. August, 17 Uhr, trägt die Konferenz ihre Anliegen bei einer Demo in die City vor. Jüngst ist eine zweite Wirkung der HIV-Therapiemittel bestätigt worden: Sie schützen die Sexpartner vor Ansteckung. Und: „Die medikamentöse Prophylaxe wird Risikogruppen jetzt von den Kassen bezahlt“, so Heike Gronski von der Deutschen Aids-Hilfe.

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