Airline will Kreditbürgschaften Staatshilfen sollen Air-Berlin-Aus verhindern

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Weil der Großaktionär Etihad offenbar den Geldhahn zudrehen will, strebt die zweitgrößte deutsche Fluglinie Kreditbürgschaften von Berlin und Nordrhein-Westfalen an. Diese sind jedoch umstritten. Experten halten eine Marktbereinigung für überfällig.

Air Berlin ist in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten – und aus  der  geplanten Allianz zwischen Tuifly und der ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki, die heute zu Etihad gehört, wird nichts werden. Tuifly muss nun nach einem neuen Partner suchen. Foto: dpa
Air Berlin ist in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten – und aus der geplanten Allianz zwischen Tuifly und der ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki, die heute zu Etihad gehört, wird nichts werden. Tuifly muss nun nach einem neuen Partner suchen. Foto: dpa

Berlin - Für Air Berlin wird die Luft immer dünner. Die aktuelle Bitte des Unternehmens um Staatshilfen bei den Landesregierungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen (NRW) wird in Branchenkreisen als Alarmsignal gewertet, dass die letzten finanziellen Reserven der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft bald verbraucht sein könnten. Mögliche Bürgschaften für weitere Bankkredite an die schwer angeschlagene Airline sind politisch umstritten.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner erklärte auf seinen Onlineseiten, mit seiner Partei werde „der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften“. Nach dem Regierungswechsel in NRW und der Abwahl der rot-grünen Regierung verhandeln in Düsseldorf aktuell die CDU und die Liberalen über ein Bündnis und die künftige Wirtschaftspolitik. Für Lindner ist bisher keine weitere unternehmerische Perspektive bei Air Berlin erkennbar.

Bürgschaftsanfrage soll geprüft werden

Aus Berlin kommen aufgeschlossenere Reaktionen auf die Voranfrage der Airline nach Staatsgarantien für weitere Kredite. Man werde gemeinsam mit der Bundesregierung eine konkrete Bürgschaftsanfrage prüfen, erklärte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Das Unternehmen müsse aber seine Hausaufgaben machen und den Flugbetrieb stabilisieren, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Von einer Insolvenz der Airline wären rund 8000 Beschäftigten betroffen. Der Großteil der Mitarbeiter arbeitet in Berlin und Düsseldorf, wo sich die beiden Drehkreuze befinden. Der größte Lufthansa-Konkurrent steckt seit Jahren tief in der Verlustzone und wäre nach der gescheiterten Expansion ohne massive Finanzhilfen des Großaktionärs Etihad längst am Ende.

Rekordverlust von 800 Millionen Euro eingeflogen

Air Berlin flog allein 2016 einen weiteren Rekordverlust von fast 800 Millionen Euro ein, hat einen Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro aufgehäuft und das Eigenkaital längst aufgebraucht.

Deshalb gilt das Risiko als hoch, dass im Falle staatlicher Bürgschaften bei einer Pleite auch der Steuerzahler für die Fehler der Airline zahlen muss. Dann würden die Banken von den Ländern die Rückzahlung von Krediten verlangen. Auch ordnungspolitisch gelten solche staatlichen Eingriffe zugunsten eines einzelnen Anbieters als schwerer Sündenfall, zumal der Preiskampf in der Luftfahrtbranche knallhart ist und es Überkapazitäten gibt. Laut Experten sei eine Marktbereinigung überfällig.

Kandidat ohne Überlebenschancen

Air Berlin gilt seit langem als ein Kandidat, der auf Dauer kaum Überlebenschancen hat. Unter dem früheren Firmenchef Hartmut Mehdorn kam dann aber die Allianz mit Etihad zustande. Die Staatsfluglinie aus dem Öl-Emirat Abu Dhabi pumpte, so Branchenschätzungen, mehr als eine Milliarde Euro in den deutschen Ableger und kaufte auch andere marode Airlines wie Alitalia in Europa in der Hoffnung, besser auf dem Kontinent Fuß zu fassen und mit Zubringern das Drehkreuz am Golf auszulasten.

Diese Strategie gilt als gescheitert. Der langjährige Etihad-Chef James Hogan wurde von den Scheichen abgelöst, ein Nachfolger noch nicht berufen. Die neue Linie der Araber ist noch unklar. Es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass die Lust, weitere dreistellige Millionenbeträge für teure Ableger in Europa locker zu machen, in Abu Dhabi gegen Null gesunken ist.

Lufthansa hat Interesse an Konkurrenz-Airline

Als weiteres Alarmsignal werden auch Aussagen des neuen Air-Berlin-Chefs Thomas Winkelmann gewertet, man müsse noch 2017 einen neuen Partner finden. Als möglicher Retter gilt dessen früherer Arbeitgeber, die Lufthansa, die inzwischen offen Interesse an einer Übernahme des größten Konkurrenten zeigt. Allerdings müssten die Kosten verringert und die Schulden bereinigt werden, verlangte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Die Zustimmung der Kartellbehörden zu solch einer Fusion gilt allerdings als sehr fraglich. Der Wettbewerb besonders in Deutschland würde dadurch erheblich verringert, die Auswahl für die Kunden reduziert und die Folge könnten höhere Preise sein. Erst nach längerer Prüfung haben die Behörden erlaubt, dass Lufthansa 38 Maschinen von Air Berlin samt Crew langfristig für die Töchter Eurowings und Austrian Airlines mieten und fliegen lassen darf.

Keine Genehmigung der Kartellbehörden für Fusion von Tuifly und Niki

Für eine Fusion des Ferienfliegers Niki, den Etihad inzwischen von Air Berlin übernommen hat, mit dem Konkurrenten Tuifly gab es dagegen bisher keine Genehmigung. Die Araber haben offenbar auch hier die Geduld verloren. Sowohl Etihad als auch der Touristikkonzern Tui erklärten die Gespräche über die Allianz für beendet. Niki soll nun eigenständig unter dem Schirm von Etihad weiterbetrieben werden, alle Flugpläne und Buchungen zu Zielen rund ums Mittelmeer sollen bestehen bleiben. Für Tuifly will der Mutterkonzern Tui in Hannover andere Optionen prüfen.