Airport Stuttgart mit guter Bilanz Flughafen trotzt Turbulenzen in der Branche

Von Josef Schunder 

Der Aufwand für das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist schuld daran, dass die Flughafengesellschaft 2016 tief in die roten Zahlen rutschte. Eigentlich war der Airport wieder profitabel, obwohl die Umstände schwierig waren.

Air Berlin bewegt sich auf neuem  Kurs. Ihr Passagieranteil in Stuttgart von 17,5 Prozent im Jahr 2016 wird in diesem Jahr wohl  auf 13 Prozent  sinken. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Air Berlin bewegt sich auf neuem Kurs. Ihr Passagieranteil in Stuttgart von 17,5 Prozent im Jahr 2016 wird in diesem Jahr wohl auf 13 Prozent sinken. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der Landesflughafen hätte 2016 wieder kräftig Gewinn gemacht, müsste die Betreibergesellschaft nicht hohe Millionensummen für den Anschluss ans Bahnprojekt Stuttgart 21 bezahlen. Im Flugplan aber ist 2016 durch politische Krisen und Turbulenzen in der Luftfahrtbranche mehr durcheinandergewirbelt worden als in der Bilanz – und das hält 2017 wohl an, signalisierten die Flughafenchefs am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz.

Für Passagiere gibt es in diesen Tagen manchmal Überraschungen. Wer demnächst mit Air Berlin nach Hamburg fliegen möchte, werde automatisch auf Eurowings umgebucht, weil Air Berlin am 2. Mai diese Strecke einstelle, hat der Leser Oliver Schweizer erfahren müssen. Das sind Folgen der Kurskorrekturen von Air Berlin und ihren Geldgebern. Die trudelnde Fluggesellschaft konzentriert sich auf Langstrecken, hat 38 Jets an Eurowings abgetreten und das touristische Fluggeschäft an die österreichische Schwestergesellschaft Niki. Gravierender als die Vorgänge wie bei den Hamburg-Flügen seien die Folgen der Umstellungen im Tourismusgeschäft, sagte der Ende April ausscheidende Geschäftsführer Georg Fundel. Hier sei die Kartellbehörde involviert.

Preise für Tickets nach Mallorca neuerdings höher

Passagiere, die in der Osterzeit zwischen Stuttgart und Sizilien fliegen wollten, beklagten tatsächlich Unannehmlichkeiten und Zusatzkosten, weil über einen Reiseveranstalter gebuchte Flüge storniert wurden und Alternativflüge gesucht werden mussten. Manche Ziele, gerade auch Mallorca, sind für Reisende in der laufenden Saison teurer. 2016 hat es das Einzelticket auf der Mallorca-Strecke oft zum Taschengeldpreis gegeben.

Zuvor hätten Airlines Flugzeuge von Strecken in die politisch unruhige Türkei abgezogen, sagte Fundel. „Deshalb kam es 2016 zu einem unabgestimmten großen Angebot für Mallorca-Flüge.“ Inzwischen hätten die Airlines anders disponiert. Generell versuchten sie höhere Preise durchzusetzen. Leichte Entspannung im Mallorca-Geschäft könne in wenigen Tagen eintreten: Dann werde Eurowings ab Stuttgart täglich ein Großraumflugzeug des Typs A330 von Airbus einsetzen. Zudem ist Fundel bestrebt, dass auf der einen oder anderen Strecke ein Zweitanbieter an den Start gebracht wird. Die Hamburg- und Catania-Strecken seien Beispiele. Auf der Wunschliste mit ganz neuen Zielen stehen Oslo, Helsinki, Göteborg, Prag, Sofia, Riga und Tallin, Bologna, Genf und Marseille.

Unterm Strich war es ein erfolgreiches Jahr

Gern würde man mit Ryanair besser ins Geschäft kommen. Die Iren hätten den deutschen Flughäfen Teile der 70-Maschinen-Flotte offeriert, die sie wegen des EU-Austritts aus England abziehen wollten. Sie erwarten aber finanzielle Beiträge. Die kämen nur begrenzt infrage, sagte Fundel, üblich und vertretbar seien für eine gewisse Zeit „ein bis drei Euro pro Passagier“ zur Markteinführung neuer Strecken. Richtiggehende Subventionen für Airlines kämen nicht infrage: „Im Luftverkehr gibt es kein Hartz IV.“

Dass Fundel und Co-Geschäftsführer Walter Schoefer das Geld zusammenhalten können, bewiesen sie auch 2016. Sie mussten zwar ein Minus-Ergebnis nach Steuern in Höhe von 17,9 Millionen Euro vermelden, aber dieser Absturz geht aufs Konto von S 21: Dafür musste der Flughafen 59 Millionen Euro bereitstellen. Mit dem reinen operativen Ergebnis zähle man nach wie vor zu den sehr profitablen deutschen Airports, hieß es. Beim Umsatz (269,8 Millionen Euro/+ 9,3 Prozent) und bei den Passagieren (10 640 610 Personen/+ 1,1 Prozent) erreichte man „Allzeithochs“. Dabei sank die Zahl der Starts und Landungen um 0,6 Prozent auf 129 704.

Unterm Strich steht ein „sehr erfolgreiches Jahr“. Die gute Wirtschaftskonjunktur machte das „wenig stabile Umfeld mit Brexit-Votum, einer schwierigen Entwicklung in der Türkei und vielen Streiks in der Luftfahrt in Deutschland“ wett. Unwägbarkeiten würden bleiben. Daher plane man 2017 mit einem Nullwachstum bei der Passagierzahl.

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