Akram Khans „Dschungelbuch“ Die Klimakrise tanzt mit, wenn Mogli auf der Flucht ist

In Akram Khans „Jungle Book reimagined“ haben Tiere eine verlassene Stadt übernommen. Foto: Schlossfestspiele/Ambra Vernuccio

Ein „Dancical“ sei sein „Jungle Book reimagined“, sagt der Choreograf Akram Khan. Zu sehen ist das Familienstück, das in Zeiten der Klimakrise spielt, bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg. Ab welchem Alter ist es für Kinder empfohlen?

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ kennen die meisten als Zeichentrickfilm. Auch Akram Khan machte früh mit dem Streifen aus den Disney-Studios Bekanntschaft und erinnert sich bestens daran: „Ich hatte als Kind sehr viele Cartoons gesehen, aber Mogli war die erste Hauptfigur, die aussah wie ich – eine Person of Colour.“ Der 1974 in London Geborene, der durch die Wurzeln seiner Familie in Bangladesch schon als Kind mit dem Kathak-Tanzstil in Verbindung kam, durfte als Zehnjähriger dann selbst diese Rolle auf der Bühne übernehmen.

 

„Das war ein verspieltes, heiteres Tanzstück, das nichts Beängstigendes hatte. Mogli zu sein war toll, aber das war auch eine ganz andere Zeit“, erinnert sich der Choreograf, als er während einer Taxifahrt durchs sonnige London bei einem Videoanruf Auskunft über seine eigene Interpretation von Kiplings Klassiker gibt. „Jungle Book reimagined“ heißt das Resultat. Es ist auf Einladung der Schlossfestspiele am 6. und 7. Juli im Forum in Ludwigsburg zu erleben.

Akram Khan Foto: Schlossfestspiele/Camilla Greenwell

Und es ist, vier Jahrzehnte und viele Klimakatastrophen später, eher düster geraten: In einer nahen Zukunft ist die Menschheit auf der Flucht vor dem Anstieg der Meere. Mogli, bei Khan ein Mädchen, strandet in einer zerstörten Stadt, die Tiere übernommen haben. Balu, Baghira, Shir Khan: Alle da sind da. Animationen, Tanz, Musik und lange Textpassagen aus der Neuerzählung des Autors Tariq Jordan bringen den Plot voran.

Es gibt Szenen, die Angst machen können

Sein neu gedachtes Dschungelbuch sei kein klassisches Tanzstück, erklärt Akram Khan, eher ein „Dancical“ für die ganze Familie, das er von zehn Jahren an empfiehlt. „Es gibt Szenen, die manche als beängstigend beschreiben“, sagt der Choreograf. Zwei seiner Kinder hätten im Alter von neun und sieben Jahren aber gut Zugang zum Schicksal der neuen Mogli gefunden.

Szene aus „Junglebook reimagined“ Foto: Schlossfestspiele/Camilla Greenwell

Hat ihn inspiriert, dass Überschwemmungen in Bangladesch heute schon Alltag sind? „Inspiration? Es ist eher ein Schock, der Ausgangspunkt war. Der Schock darüber, was meine Kinder heute beschäftigt. Sie haben die Klimakrise geerbt“, sagt Akram Khan. Während sich viele Generationen nicht mehr wie Gäste, sondern wie die Eigentümer der Natur benommen hätten, finde bei jungen Menschen ein Umdenken statt. „Dieses Stück will ihnen eine Stimme geben, sie sollen erkennen, dass sie die Torwärter zur Zukunft sind.“ Alle Erwachsenen an ihrer Seite dürfen sich nach dem Stück fragen, wie sie die Welt der nächsten Generation übergeben möchten.

Für Akram Khan hängt alles zusammen

Das Thema Migration beschäftigt junge Menschen ebenfalls, wie die Europawahl zeigte. Für Akram Khan erzählt Moglis Geschichte auch davon. „Krieg, Klimakrise, Migration: alles hängt mit allem zusammen. Und auch Dinge, die wir wie den steigenden Meeresspiegel nicht sehen, existieren und stehen in Zusammenhang mit unserem Tun. Es ist so tragisch wie verständlich, dass Menschen ihre Kinder in Sicherheit bringen wollen“, sagt Akram Khan. Statt anderen unseren Willen aufzuzwingen, müssten wir lernen, Widerspruch auszuhalten.

Hinter der Klimakrise sieht Akram Khan eine Krise der modernen Kultur und hofft, dass „Jungle Book reimagined“ unser Verständnis dafür schärft und seinem Publikum Mut macht: „Wir alle wollen Veränderung, aber niemand will sich selber ändern“, sagt Akram Khan und schickt Mogli voran.

Jungle Book reimagined: am 6. Juli um 20 Uhr und am 7. Juli um 19 Uhr im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg.

Info

Termin
Akram Khans „Jungle Book reimagined“ ist am 6. Juli um 20 Uhr und am 7. Juli um 19 Uhr im Forum am Schlosspark zu sehen. Die Vorstellung dauert inklusive einer Pause 125 Minuten.

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