Aktie schmiert ab Trumps Medienkonzern entwickelt sich zum Börsenflop
Donald Trumps Onlineplattform Truth Social ist auf dem absteigenden Ast. Der ehemalige US-Präsident setzt im Wahlkampf auf den Konkurrenten Twitter.
Donald Trumps Onlineplattform Truth Social ist auf dem absteigenden Ast. Der ehemalige US-Präsident setzt im Wahlkampf auf den Konkurrenten Twitter.
Erstarkte Gegnerin, sinkende Umfragewerte: Im US-Wahlkampf läuft es für Ex-Präsident Donald Trump nicht mehr so rund. Der negative Trend macht sich auch an der Börse bemerkbar. Die Aktien der Trump Media & Technology Group – der Firma hinter der Internetplattform Truth Social – befinden sich nach ihrem anfänglichen Höhenflug mittlerweile seit Monaten im Fall. Für Trump selbst bedeutet der Niedergang milliardenschwere Kursverluste.
Im Frühjahr erreichte der Börsenwert des Unternehmens, an dem Trump knapp 60 Prozent hält, zeitweise fast zehn Milliarden Dollar. Seitdem ist die Marktkapitalisierung um rund 70 Prozent auf zuletzt knapp 3,4 Milliarden Dollar geschrumpft. Der Wert von Trumps Beteiligung schmolz von fast sechs Milliarden auf etwa zwei Milliarden Dollar zusammen. Der Präsidentschaftskandidat selbst spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die in Anlehnung an Trumps Initialen unter dem Tickerkürzel DJT gehandelte Aktie steigt und fällt mit den Chancen des ehemaligen US-Präsidenten, im November erneut ins Weiße Haus gewählt zu werden. Der Kurs entwickelt sich weitgehend unabhängig von der Finanzlage und den Geschäften der Trump Media Group, die tiefrote Zahlen schreibt und wenig Umsatz macht.
Trump-Anhänger kaufen die Aktie als Treuebekenntnis, Spekulanten setzen damit auf einen möglichen Wahlsieg. Bislang profitierten aber vor allem sogenannte Leerverkäufer, die auf einen Kursverfall wetten.
Der Absturz der DJT-Aktie reflektiert Trumps Schwierigkeiten im Wahlkampf. Seit die Demokraten den amtierenden Präsidenten Joe Biden im Juli aus dem Rennen nahmen und durch seine Stellvertreterin Kamala Harris ersetzten, wendet sich das Blatt. Harris’ Kampagne hat Fahrt aufgenommen. Wahlprognosen, etwa von der stark beachteten Umfrageplattform Real Clear Politics, sehen sie aktuell knapp vor dem Republikaner.
Allerdings säte Trump zuletzt auch selbst Zweifel an den Erfolgsaussichten von Truth Social, indem er sich nach jahrelanger Abstinenz wieder der Konkurrenzplattform X (ehemals Twitter) zuwendete. Dort war Trump im Jahr 2021 im Zuge des Skandals um seine Rolle beim Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol verbannt worden. Nach der Übernahme von Twitter durch den Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk hob dieser die Sperre jedoch wieder auf. Mittlerweile haben die beiden ein Bündnis geschmiedet. Musk interviewte Trump im August auf X, nun ist dieser dort wieder aktiv.
Trump ist in einer Zwickmühle. Einerseits ist X als Kommunikationskanal wesentlich attraktiver als Truth Social, das bislang bestenfalls eine Nische im rechten Spektrum abdeckt. Zum Vergleich: Bei X folgen Trump 90,3 Millionen Nutzerkonten, bei seinem eigenen Portal Truth Social gerade mal 7,65 Millionen. Im Wahlkampf, wo Reichweite Trumpf ist, führt an X kaum ein Weg vorbei. Andererseits leidet das Vertrauen in die Trump Media Group und damit auch ihr Aktienkurs, wenn der Eindruck entsteht, dass ausgerechnet der Haupteigentümer und die Galionsfigur von Truth Social selbst eine rivalisierende Internetplattform bevorzugt.
Für Trump ist die Situation auch finanziell ein Dilemma. Die DJT-Aktien sind ein wichtiges Kapitalpolster für ihn. Als die Trump Media Group im März durch die Fusion mit einer Zweckgesellschaft an die Börse ging, brauchte Trump dringend Geld. Nach mehreren Schlappen vor Gericht hatte er plötzlich hohe Schulden, doch das Vermögen des früheren New Yorker Baulöwen steckte größtenteils in Immobilien fest, die er angesichts der schwierigen Marktlage nicht liquidieren konnte oder wollte. Der Erlös durch den Börsengang kam gelegen.
Der Vermögenszuwachs war in der angespannten Lage ein finanzieller Befreiungsschlag. Jedoch hatte Trump auf die Milliarden keinen direkten Zugriff, der neugewonnene Reichtum zählte zunächst nur auf dem Papier. Erst nach einer Mindesthaltefrist von sechs Monaten darf er seine Beteiligung zu Geld machen. Dieser Zeitpunkt naht jetzt – ab 19. September könnte Trump seine DJT-Aktien losschlagen. Obwohl der Kurs seit dem Hoch nach dem Börsengang im März von gut 66 auf rund 17 Dollar gefallen ist, könnte Trump noch einen milliardenschweren Ertrag einstreichen.
Sollte Trump sich von Anteilen trennen, dürfte dies die Aktie noch weiter unter Druck bringen. Kleinaktionären, die sich aus Loyalität zu ihm mit den Papieren eingedeckt haben, würde er damit in den Rücken fallen. Ob Trump das abschreckt, bleibt indes abzuwarten. Seine Karriere als Geschäftsmann ist davon geprägt, Kredit- und Geldgeber mit rücksichtslosen Methoden zu prellen. Bei seinen Kasinoinsolvenzen in der US-Glückspielhochburg Atlantic City etwa guckten nicht nur zahlreiche Gläubiger in die Röhre, sondern auch Angestellte und Subunternehmer.
Auf einen Schlag kann Trump seine DJT-Aktien aufgrund regulatorischer Zwänge aber ohnehin nicht veräußern. So oder so kann er bei Trump Media – im Gegensatz zu vielen Kleinaktionären – eigentlich nur gewinnen. Denn Trump selbst hatte gar kein Geld in die Firma investiert und nur seinen Namen zur Verfügung gestellt – ähnlich wie er es bei vielen Lizenzgeschäften macht.