Aktienvorschau Ein Gebräu schlechter Nachrichten verunsichert die Börsen

Keine guten Aussichten auf die nächsten Handelswochen: ein Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse Foto: dpa/Richard Drew

Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Lauter schlechte Wirtschaftsnachrichten in den USA, aber auch in Deutschland schicken viele Aktien auf Talfahrt. Droht nun der Ausverkauf an den Börsen?

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Die Börsen haben den Anlegern einen Tiefschlag verpasst: Der Dax verzeichnete über die Vorwoche hinweg ein Minus von mehr als vier Prozent. Viel schlechte Laune brachten schwache Konjunkturdaten in den USA, obwohl Notenbankchef Jerome Powell eine erste Zinssenkung für September angedeutet hat. Am Freitag zeigte sich, dass der bisher robuste Arbeitsmarkt schwächelt – die Arbeitslosigkeit erreicht den höchsten Stand seit Oktober 2021. Steht die US-Wirtschaft mieser da als gedacht?

 

Nachdem vorige Woche vier der sechs größten Tech-Giganten ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, sei die Situation in den USA von erhöhter Nervosität geprägt gewesen, resümieren die LBBW-Analysten. Die Zahlen zeigten, dass die Kosten für den Ausbau der KI-Infrastruktur stärker steigen als die Erlöse hieraus. 15 Jahre könnten vergehen, bis sich die Kosten amortisierten.

Hiobsbotschaften vor allem aus der Automobilindustrie

In Deutschland mehren sich die Hiobsbotschaften vor allem aus der Automobilindustrie: Die Absatzzahlen sind auf breiter Front eingebrochen, die Umstellung auf E-Mobilität kommt nicht auf Touren. Bei diversen Zulieferern kriselt es. Auch ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal unerwartet um 0,1 Prozent geschrumpft – ein Rückfall für die Volkswirtschaft. Woran liegt’s? Die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstung und der Bau kommen nicht voran, die Exporte sind relativ schwach, es mangelt allerorten an Fachkräften. Und obwohl die Realeinkommen der Beschäftigten kräftig gestiegen sind, gibt es keine Wachstumsschübe durch private Konsumausgaben, weil kräftig gespart wird. Zugleich bremst der Lohnzuwachs im Dienstleistungsbereich den Inflationsrückgang. Kurzum, es drängt sich die Frage auf: Droht nun der große Ausverkauf am Aktienmarkt?

In dieser Woche dürften einige Rahmendaten daher besondere Aufmerksamkeit finden: die Auftragseingänge (Dienstag) und die Industrieproduktion (Donnerstag) etwa. Die Erfahrungen sprechen dafür, dass beide Faktoren im Juni gegenüber dem schwachen Vormonat wieder zugelegt haben, meint die Commerzbank. Es würde aber „nichts daran ändern, dass die ,harten’ Zahlen eine anhaltende Schwäche der Industrie signalisieren“. Eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht.

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