Aktienvorschau Krisen und Kriege eher Chance als Risiko
Blick auf die kommende Börsenwoche: An den Aktienmärkten wird die alte Logik umgedreht: Rüstungswerte schießen in die Höhe – voraussichtlich auch in 2026.
Blick auf die kommende Börsenwoche: An den Aktienmärkten wird die alte Logik umgedreht: Rüstungswerte schießen in die Höhe – voraussichtlich auch in 2026.
Eines hat der Blitzstart der Börsen ins neue Jahr wieder eindrucksvoll dokumentiert: Politische Krisen werden von den großen Anlegern diesseits und jenseits des Atlantiks nicht mehr als Risiko gefürchtet, sondern vielmehr als Chance bejubelt. Der Angriff der USA auf Venezuela? Kein Problem. Der Krieg in der Ukraine? Eingepreist. Die Spannungen in Nahost? Folgenlos. Eine Auseinandersetzung um Grönland? Käme wie gerufen. Der China-Taiwan-Konflikt? Erst mal abwarten.
Die Umkehrung der altbekannten Logik erscheint grotesk, weil (politische) Unsicherheiten bei Anlegern einst verpönt waren – zumindest beim Blick auf die Rüstungswerte gibt es eine Logik: Je mehr Konflikte die Welt beherrschen, desto mehr investieren die Staaten in Kriegsgerät, meistens in ihre Verteidigung. So sehen die Hersteller glänzende Geschäfte auf viele Jahre voraus.
Insbesondere der Rüstungsweltmeister USA beflügelt mit einer geradezu perversen Verheißung die Fantasien: Donald Trump will das Militärbudget 2027 um 50 Prozent auf 1,5 Billionen Dollar aufblasen. Sein Ziel ist ein „Traum-Militär“ – das gefällt den Investoren überall. Aktuell nähert sich Rheinmetall etwa – das Dax-Schwer(metall)gewicht – wieder der 2000er Schallmauer und seinem Allzeithoch. Wertsteigerung binnen fünf Jahren: rund 2210 Prozent. Auch Hensoldt, Renk, TKMS, MTU und Airbus – alle profitieren von der Euphorie. Hinzu kommt die Hoffnung auf ein größeres Ölangebot mit tiefen Preisen, wenn Trump in Venezuela weiter zulangt. Dies dürfte die Inflationsraten niedrig halten. So hat staatliche Aggression einen positiven ökonomischen Effekt.
Auch in dieser Woche spielt die Musik vor allem in USA: Große Banken veröffentlichten ihre Ergebnisse für das vierte Quartal – zudem werden am Dienstag die Inflationszahlen für Dezember bekannt gegeben. Hierzulande liegt die Preissteigerung nur noch bei 1,8 Prozent. Dies drückt vor allem die Dauerschwäche der deutschen Wirtschaft aus, die vom Boom der Rüstungshersteller nicht ausgeblendet werden kann. So ganz ist die alte Börsenlogik doch nicht beseitigt.