Aktienvorschau Trump-Chaos 2.0 ist Gift für die Wirtschaft

Ein Bild für die Geschichtsbücher: Donald Trump verkündet am 2. April 2025 seine reziproken Zölle für den Rest der Welt. Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Der höchste US-Gericht stoppt Trumps Zölle, der gleich neue ankündigt. Dem ersten Jubel an den Aktienmärkten dürfte nun Ernüchterung folgen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Am Freitagnachmittag gegen 16 Uhr deutscher Zeit ging an den Börsen die Post ab: Trumps Debakel vor dem Supreme Court sorgte postwendend für heftige Ausschläge der wichtigen Indizes erst nach oben, dann nach unten und letztlich deutlich ins Plus. Dass das Oberste US-Gericht viele Zölle des US-Präsidenten einkassiert hatte, wurde in gute Aussichten für die Aktienmärkte übersetzt. Motto: Ohne derlei Handelsbarrieren laufen die globalen Geschäfte viel besser.

 

Die Verlässlichkeit des globalen Handels ist nicht mehr gegeben

Nur wenig später zeigte sich die Absurdität der ersten Reaktionen. Denn Trump lässt die Niederlage nicht auf sich sitzen. Erst verkündet er einen neuen Sonderzoll von zehn Prozent auf alle Einfuhren, einen Tag drauf sind es schon 15 Prozent. Speziell für die EU-Wirtschaft ist das alles ein schwerer Schlag – mit einem so willkürlich agierenden Partner lässt sich kein verlässlicher Handel mehr treiben.

Über Wochen und Monate stellen sich nun gravierende Fragen, was die neue rechtliche Situation praktisch bedeutet – etwa für die schon vereinbarten Zollsätze. Oder wie lange es dauert, bis Trumps neue 15-Prozent-Marke erneut vor Gericht gekippt wird. An den Zolleinnahmen hängt praktisch seine gesamte Steuerpolitik. Das Chaos ist perfekt. Diese neu entstandene Unsicherheit ist Gift für die exportorientierten Unternehmen und damit für die Aktienmärkte. Es dürfte eine stürmische neue Woche werden.

Es sind auch nicht die einzigen Unwägbarkeiten: Immer offener wird selbst in Trumps Regierung über einen Militärschlag gegen den Iran spekuliert, um die Mullahs im Atomstreit gefügig zu machen. Teheran hat für diesen Fall Vergeltung angedroht. Selbst wenn das nicht in eine ganz große Eskalation mündet, wird über die Ölmärkte hinaus weitere Alarmstimmung um sich greifen.

Von wegen konjunktureller Frühling

So droht hierzulande das Minimum an erkennbarem Aufschwung gleich wieder plattgemacht zu werden. Wie 9000 deutsche Unternehmen diverser Branchen ihre Lage und die nächsten sechs Monate bewerten, darüber gibt am Montag der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Februar Auskunft. Wirtschaftsforscher sahen schon den „konjunkturellen Frühling angebrochen“ – allerdings vor diesem denkwürdigen Wochenende.

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