Aktienvorschau Warum die Börsen gerade unbeirrt erscheinen

Donald Trumps Zolldrohungen an viele Handelspartner können die Anleger kaum noch erschüttern. Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Vorschau auf die Börsenwoche: Donald Trumps Störfeuer tut dem Höhenflug an den Aktienmärkten in Europa und den USA keinen Abbruch. Geht die Party immer so weiter?

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Oops, he did it again – er hat es wieder getan. Erneut hat Donald Trump per Brief höhere Zölle angedroht, diesmal 30 Prozent auf Waren aus der EU zum 1. August. Werden die deutschen Börsen die Neuigkeiten aus den USA zur Kenntnis nehmen und weitermachen wie gehabt? Gut möglich. Schon der vor gut einer Woche durchgesetzte Steuer- und Ausgabengesetz „One Big Beautiful Bill Act“ hat die Aktienmärkte nicht ins Rutschen gebracht, obwohl die US-Staatsverschuldung damit ins Unermessliche wächst – auf Dauer eine hochbrisante Entwicklung für das Weltfinanzsystem. In der Finanzwelt wird nun über einen „Liz-Truss-Moment“ spekuliert, weil die britische Premierministerin Truss 2022 mit dem Plan schuldenfinanzierter Steuersenkungen brachial scheiterte. Bewahrt nur die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung den US-Präsidenten vor diesem Schicksal?

 

Für die Börsen läuft es hüben wie drüben wie geschmiert, auch der Dax hat wieder mal ein Rekordhoch erreicht. Die sich anschließende Erholungsphase ist handelsüblich. Die Logik dieser wenig logischen Zeiten ist es aber, dass es danach noch höher hinaus gehen dürfte. Ein fundamentaler Rückschlag droht gerade nicht, aber Wachsamkeit ist allemal geboten: „Wir empfehlen, defensiv zu bleiben, und weiterhin die internationale Diversifikation außerhalb der USA zu stärken“, mahnen die LBBW-Analysten. Trump ließen die steigenden Kurse derzeit geradezu übermütig werden. „Das dürfte die Party früher oder später ausbremsen.“

Sind europäische Börsen noch der sichere Hafen für US-Anlagen?

Offen ist etwa, ob die europäischen Börsen weiter als sichere Alternativen zu US-Anlagen gelten. Dow Jones und Nasdaq 100 haben nach ihren Tiefständen im April enorm aufgeholt. Wenden sich die Anleger wieder verstärkt von deutschen Werten ab und US-Aktien zu? „Die strategische Anleger-Botschaft lautet nicht entweder oder, sondern High-Tech in Amerika, Zykliker in Deutschland“, sagt Robert Halver von der Baader Bank mit Blick auf konjunkturabhängige Aktien vor allem der zweiten Reihe.

Neue Zahlen von den US-Banken

Diese Woche spielt die Musik ohnehin in den USA: Die Wall-Street-Banken läuten am Dienstag und Mittwoch den Beginn der Berichtssaison ein. Am Dienstag gibt es Informationen zur Entwicklung der Inflation, am Freitag zur Lage am Immobilienmarkt und zum Verbrauchervertrauen. Und mal sehen, womit Trump jetzt wieder alle Welt irritiert.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Donald Trump DAX