Aktienvorschau Zuversicht statt Crash-Angst: Wie lange hält die Feierlaune?
Ausblick auf die Börsenwoche: Deutsche Aktien zeigen sich robust gegenüber globalen Krisen. Aber es besteht Enttäuschungspotenzial, meint unser Autor Jonas Schöll.
Ausblick auf die Börsenwoche: Deutsche Aktien zeigen sich robust gegenüber globalen Krisen. Aber es besteht Enttäuschungspotenzial, meint unser Autor Jonas Schöll.
Im Wechselbad der Gefühle: Inmitten globaler Krisen dominiert bei Anlegern deutscher Aktien statt Crash-Angst plötzlich wieder die Zuversicht. Obwohl sich die Nachrichtenlage zuletzt beinahe stündlich änderte, steuert der deutsche Leitindex Dax auf das beste erste Halbjahr seit 2007 zu. Die Börse nehme damit den sich abzeichnenden Konjunkturaufschwung in Deutschland vorweg, schreiben die Experten der Landesbank Baden-Württemberg. „Erfahrungsgemäß wird es danach aber schwieriger“, warnen sie zugleich vor zu großen Erwartungen.
An den Kapitalmärkten habe die „geopolitische Entspannung“ die Investoren zuletzt in Feierlaune versetzt, sodass sie in den Risikomodus wechselten, berichtet Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Nahostkrise ist durch die Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran sowie mögliche neue Atomgespräche zwischen USA und Iran etwas in den Hintergrund gerückt. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Lösungen am Verhandlungstisch. Der Dax-Aufschwung birgt jedoch auch Enttäuschungspotenzial. Schließlich sind die konjunkturellen und geopolitischen Risiken keineswegs verschwunden, die Gefahr von Kursrücksetzern bleibt.
Angesichts des bald auslaufenden Aufschubs für höhere US-Zölle auf EU-Waren richten Anleger ihren Fokus in der neuen Woche wieder stärker auf den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit. „Sollten aus Washington erneut protektionistische Schritte kommen, dürfte das die Erwartungen und damit die Stimmung spürbar belasten“, meinen die LBBW-Experten. Im Fokus der Börsianer steht ferner das Thema Geldpolitik mit der Hoffnung auf baldige Zinssenkungen in den USA.
In Europa dürfte der Datenfokus in der neuen Woche auf Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Juni liegen, die am Montag zunächst in Deutschland und am Dienstag auf Eurozonen-Ebene veröffentlicht werden. Bereits am Donnerstag wird in den USA der monatliche Arbeitsmarktbericht vorgelegt, weil am sonst üblichen Freitag der „Independance Day“ den US-Amerikanern ein langes Wochenende beschert.