Aktion am Flughafen Stuttgart Schutzgemeinschaft Filder verteilt Eier als Zeichen gegen Fluglärm

Die Vereinsmitglieder der Schutzgemeinschaft Filder verteilen bunte Eier und Infomaterial an die ankommenden Fluggäste. Foto: Steffanie Bacher

Am internationalen Tag gegen Lärm verteilen die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Filder bunte Eier und Infomaterial an ankommende Fluggäste. Ihr Ziel: Auf den Fluglärm aufmerksam machen. Bei den Reisenden kommt die Aktion unterschiedlich an.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Ein gemütliches Treiben herrscht an diesem Mittwochmorgen in der Ankunftshalle am Stuttgarter Flughafen: Geschäftsleute, die ihren kleinen Koffer hinter sich her ziehen, letzte Reiserückkehrer, die aus ihrem Osterurlaub zurückkommen und Verwandte und Freunde, die diese in Empfang nehmen. Mittendrin Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder, der nun auf eine Familie zugeht und ihnen ein gelb gefärbtes Ei in die Hand drückt. Ein schmaler Klebestreifen umrundet das Ei. „Weniger Fliegen – weniger Lärm“ ist darauf zu lesen. Noch etwa 90 weitere Eier wird Siegel gemeinsam mit sechs anderen Vereinsmitgliedern an diesem Vormittag an landende Fluggäste verteilen. Mit der Aktion möchte die Schutzgemeinschaft Filder auf den Fluglärm aufmerksam machen, von dem viele Bewohnerinnen und Bewohner auf den Fildern betroffen sind.

 

Dass sich die Seniorinnen und Senioren ausgerechnet den heutigen Tag für die Aktion ausgesucht haben, ist kein Zufall, denn am 30. April findet der International Noise Awareness Day statt. In Deutschland ist der „Tag gegen Lärm“ eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik. An diesem Aktionstag geht es darum, die Aufmerksamkeit auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkungen zu lenken, mit dem Ziel, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Die Informationen und Aktionen am „Tag gegen Lärm“ richten sich an Erwachsene und Kinder sowie fachlich interessierte Kreise und politisch Verantwortliche. Bundesweit finden an diesem Tag verschiedene Veranstaltungen statt.

Ziel: Bis 2030 mindestens 20 Prozent weniger fliegen

Für die Schutzgemeinschaft war klar, dass auch sie sich an dem Aktionstag beteiligen will. Das Ziel: sich für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner einsetzen und ein verbessertes Fluglärmschutzgesetz. Zusammen mit der Bundesvereinigung gegen Fluglärm will die Schutzgemeinschaft erreichen, dass bis 2030 mindestens 20 Prozent weniger geflogen wird.

„Das geltende Fluglärmschutzgesetz aus 2007 schützt die Luftverkehrswirtschaft und nicht die Menschen“, sagt der Vorsitzende aus Neuhausen. „Das Gesetz muss dringend grundlegend überarbeitet und dem aktuellen Stand der Lärmwirkungsforschung angepasst werden“, fordern die Vereinsmitglieder und verweisen auf Forschungen unterschiedlicher Mediziner. Demnach könne bereits eine Dauerbelastung von 50 bis 60 Dezibel, die üblicherweise in der Umgebung von Flughäfen gemessen werden, tagsüber die Konzentration und nachts den Schlaf stören, was gravierende Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben kann.

Keinesfalls wollen die Vereinsmitglieder mit Vorwürfen oder Belehrungen auf die Fluggäste zugehen, denn „damit erreicht man gar nichts“, sagt Steffen Siegel. Auch gehe es nicht darum, alle Leute dazu zu bringen, nicht mehr zu fliegen. Vielmehr möchten die Frauen und Männer mit dem Verteilen der bunten Eier erreichen, dass die Reisenden einen Moment innehalten, sich überlegen, wie oft sie das Flugzeug nutzen und sich die Folgen des Flugverkehrs ins Bewusstsein rufen. „Ein Flug weniger pro Jahr – denken Sie an unsere Enkel, fliegen Sie weniger“, steht auf den Handzetteln, die die Vereinsmitglieder zusammen mit den Eiern verteilen.

Und warum eigentlich ausgerechnet bunte Eier, obwohl Ostern schon wieder ein paar Tage hinter uns liegt? Weil die Bodenhaltung der Hühner laut dem Verein daran erinnern soll, öfter mal am Boden zu bleiben.

Warum Ostereier nach Ostern?

Die Passagiere, die durch die Schiebetür kommen, reagieren ganz unterschiedlich auf die bunten Eier, die ihnen entgegengestreckt werden. Viele sind müde vom langen Flug, andere haben mit Sprachbarrieren zu kämpfen. Einige freuen sich über die Geste und bedanken sich. „Ich finde die Idee gut. Es sollte auf jeden Fall weniger geflogen werden“, sagt Jana Mant, die gerade eine Freundin in Spanien besucht hat, „ich versuche, nur ein-bis zweimal im Jahr zu fliegen und nehme für Strecken innerhalb Deutschlands immer die Bahn.“ Ganz aufs Fliegen zu verzichten kann sich die junge Frau – wie viele andere Gäste an diesem Tag auch – allerdings nicht vorstellen. Steffen Siegel und die anderen Mitglieder werten ihre Aktion auf jeden Fall als Erfolg. Bereits nach einer guten Stunde können sie zufrieden auf die leeren Eierkartons blicken.

Fluglärm auf den Fildern

Schutzgemeinschaft auf den Fildern
1967 wurde die Schutzgemeinschaft Filder gegen den Großflughafen Stuttgart gegründet. Der Verein ist nach eigenen Angaben, die älteste noch aktive Bürgerinitiative im Umweltbereich in Deutschland. Schwerpunkt der Arbeit ist der Schutz der fruchtbaren Filder vor Zersiedelung und Zerstörung. Die Arbeit der Schutzgemeinschaft wurde 2006 mit dem Ehrenamtspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Weitere Informationen und das Formular für die Mitgliedschaft gibt es unter www.schutzgemeinschaft-filder.de

Nachtflüge
Ein großes Anliegen der Schutzgemeinschaft ist das Verhindern der Nachtflüge. Deshalb freuen sich die Vereinsmitglieder, dass die Postflüge in der Nacht eingestellt wurden. Sie betonen aber auch, dass sie ihre Aufmerksamkeit auch auf den Lärm in den Randstunden legen.

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