Aktion auch auf den Fildern Das Gräbele sollte ein Bett sein

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Im Juni ist der Evangelische Kirchentag in Stuttgart. Weil es sich dabei tatsächlich um mehrere Tage handelt, suchen die Organisatoren noch nach Übernachtungsmöglichkeiten für 10 000 Gäste. Auch in Degerloch, Birkach, Plieningen und Sillenbuch.

Wie bereits 1999 sollen auch beim diesjährigen Evangelischen Kirchentag wieder rund 10 000 Gäste privat untergebracht werden. Foto: Leonie Hemminger
Wie bereits 1999 sollen auch beim diesjährigen Evangelischen Kirchentag wieder rund 10 000 Gäste privat untergebracht werden. Foto: Leonie Hemminger

Filder - Ganz glücklich ist Hans-Peter Ziehmann nicht mit dem Motto der Kampagne. „Gräbele g’sucht“ heißt es in den Broschüren des evangelischen Kirchentags. Mit ihr sollen Stuttgarter motiviert werden, Gäste des 35. Kirchentags im Juni zu beherbergen. „Damit ist selbstverständlich ein eigener Schlafplatz gemeint“, sagt der Plieninger Pfarrer. Die Vorstellung, dass die Gäste des Kirchentags es so machen wie Kinder, die zu ihren Eltern ins Bett kriechen, wäre auch ziemlich komisch. Der schwäbische Begriff für die Ritze im Ehebett sei mit einem Augenzwinkern ausgewählt worden, sagt Pfarrer Ziehmann. Denn ausschließlich bierernst soll die Großveranstaltung der evangelischen Kirche im Sommer ja auch nicht werden. Sie ist eben auch eine Art Familientreffen der deutschen Protestanten, bei dem die Gläubigen nicht nur gemeinsam beten, sondern sich auch besser kennenlernen wollen.

Betten für 10 000 Menschen gesucht

Zu diesem Anliegen passt, dass die Besucher bei der Suche nach einem Quartier nicht alleingelassen werden sollen. 10 000 Gläubige wollen Stuttgarts evangelische Gemeinden während der Veranstaltung vom 3. bis zum 7. Juni privat unterbringen. Auch die Gemeinden in den Bezirken unter dem Fernsehturm bereiten sich auf den erwarteten Ansturm vor. Plieningen erwartet während des Kirchentags sogar noch eine andere religiöse Gemeinschaft. Die Waldenser nehmen regelmäßig an den Kirchentagen der Evangelischen Kirche teil. Die in Italien gegründete Kirche wurde zwar im 19. Jahrhundert in die Evangelischen Landeskirchen integriert, sie ist aber eine eigene protestantische Gruppierung. „Ich kenne den Präsidenten der deutschen Waldensergemeinschaft. Deshalb kommen sie zu uns nach Plieningen“ sagt Pfarrer Ziehmann.

Einige Waldenser werden ihr Wohnmobil vor dem Pfarrhaus aufstellen. Andere sollen bei Plieningern unterkommen so wie andere Besucher des Kirchentags. Wie viele Privatquartiere in Plieningen gesucht werden, will Ziehmann nicht beziffern. „So viele wie möglich“, sagt er.

Der Pfarrer hat aber eine Befürchtung: Da der Kirchentag auf die Pfingstferien falle, könnten viele im Urlaub sein, die eigentlich gerne bereit gewesen wären, ihr Zuhause für Gäste des Kirchentags zu öffnen. Diese Sorge treibt auch Markus Pflugfelder um. Er ist in der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde in Sillenbuch für die Suche nach Privatquartieren zuständig. „Ich kenne einige, die bedauert haben, dass sie Anfang Juni im Urlaub sind und deshalb niemand beherbergen können“, sagt er.

Aktion auf dem Wochenmarkt geplant

Pflugfelder ist aber dennoch zuversichtlich, dass in Sillenbuch viele Gläubige bereit sein werden, Privatquartiere zur Verfügung zu stellen. „Wir beginnen mit der heißen Phase und werden zum Beispiel im nächsten Gemeindebrief, dazu aufrufen, Gäste aufzunehmen“, sagt er.

Die Degerlocher Protestanten wollen am Samstag, 24. Januar, auf dem Wochenmarkt auf die Privatquartiersuche für Gäste des Kirchentags aufmerksam machen. Erste Erfolgsmeldungen hat Albrecht Conrad, Pfarrer der Michaelsgemeinde, schon zu verkünden. „Eine zweistellige Zahl von Degerlochern will während der Veranstaltung einen Gast aufnehmen, das steht schon fest “, sagt Conrad.

Der Pfarrer weist daraufhin, dass die Gäste wenig Umstände machen werden. „Sie sind ohnehin den ganzen Tag auf dem Kirchentag unterwegs“, sagt er. Wünschenswert wäre es aber, ihnen ein kräftigendes Frühstück zu servieren, sagt Conrad. Abends werden sie dann wohl einfach müde ins Gräbele fallen, das gerne ein ordentliches Bett sein darf.

Wer einen Kirchentagsbesucher vom 3. bis 7. Juni beherbergen möchte, kann sich mit den evangelischen Gemeindebüros oder dem Kirchentagsbüro unter der Nummer 69 94 92 00 in Verbindung setzen.

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