Von der Seife bis zum Traumfänger: Mit einer sozialen Aktion hilft die Mobile Jugendarbeit in Weilimdorf ukrainischen Geflüchteten. An diesem Freitag werden die Produkte auf dem Löwen-Markt verkauft.

Am Eingangstor zur Mobilen Jugendarbeit (MJA) in Weilimdorf hängt eine ukrainische Flagge. Darauf hat jemand mit schwarzem Edding ein Peace-Zeichen gemalt. Solidarität möchte man hier aber nicht nur zeigen, sondern in Taten verwandeln. Dafür sind fast 50 Kinder und Jugendliche zusammengekommen, um Schmuck, Müsli, Traumfänger, Seife oder Batik-Socken herzustellen. Die Produkte verkaufen sie an diesem Freitag, 22. April, auf dem Weilimdorfer Wochenmarkt.

„Mit welcher Farbe fangen wir an?“, fragt Sozialarbeiterin Anna-Lena Rizzo. Mit Pink soll es losgehen. Rabia, Hale, Dilara, Anastasia und Elif sitzen im Garten in der Sonne und sind noch fleißig am Knoten und Abbinden der weißen Socken, die gleich ins Farbbad kommen und ein einzigartiges Batikmuster erhalten. Die jungen Frauen zwischen 18 und 24 sind die ältesten an diesem Mittwoch in den Osterferien, studieren oder arbeiten schon. Doch Dilara hat ihre Freundinnen dazu überredet, spontan mitzumachen. Gutes tun und das Vertrauen in die MJA, dass das Geld auch da ankommt, wo es hin soll, seien ihre Motivation, sagen sie. „Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen acht und 24 Jahre alt. Die meisten sind über unsere Schulsozialarbeiter an den Schulen darauf aufmerksam geworden“, sagt Rizzo, die an diesem Tag die Batikstation betreut. Dass es eine soziale Aktion geben solle, hatte man schon im Januar geplant. Angesichts des aktuellen Kriegs in der nahe gelegenen Ukraine, war schnell klar, wofür man sich in den Ferien engagieren wollte.

Verkauf von 11 bis 18 Uhr auf dem Löwen-Markt

„Wir als auch die Kinder waren sehr betroffen von der Situation“, sagt Nathalie Gaus, die die Aktion verantwortet. Die Idee sei, dass Kinder sich aktiv für Kinder einsetzen, erklärt die Sozialarbeiterin. „Es ist ein schönes Gefühl“, befindet die neunjährige Azra. Sie geht gleich nebenan auf die Wolfbuschschule und stellt angeleitet von Nathalie Gaus mit drei anderen Kindern Energy-Balls her, eine Art süße Praline aus Datteln, Cranberries und verschiedenen Nüssen. Die fertigen Energie-Kugeln verpacken sie anschließend in hübsche Papiertüten.

Geflüchtete Kinder aus der Ukraine sind längst auch an den Schulen angekommen. Einige wenige gehen schon in die regulären Klassen. „Bei uns an der Wolfbuschschule sind derzeit 24 Kinder in der Vorbereitungsklasse. Davon sind neun oder zehn aus der Ukraine“, sagt Schulsozialarbeiterin Antje Seeger, die auf der Terrasse mit einer größeren Gruppe Traumfänger bastelt. „Die Kinder zeigen große Solidarität, vor allem diejenigen aus Syrien, die schon etwas länger da sind“, ergänzt sie. Es sei toll, wie die Schülerinnen und Schüler sie aufnehmen. Die 14-jährige Diana aus Hausen macht es traurig, dass Menschen aus ihrem Zuhause flüchten müssen: „Ich würde Kindern aus der Ukraine gerne helfen.“ Daher macht sie Traumfänger, in der Hoffnung, dass Besucherinnen und Besucher auf dem Wochenmarkt das ähnlich sehen.

Wer eine Seife, einen Traumfänger oder eines der anderen Produkte für den guten Zweck erstehen möchte, kann dies heute zwischen 11 und 18 Uhr auf dem Löwen-Markt tun. Der Erlös geht an TRATWA. Mit dem Jugend- und Kultur-Zentrum im polnischen Wroclaw ist die MJA Stuttgart seit 2017 im Austausch. Aktuell widmet man sich dort laut Nathalie Gaus mit zahlreichen Ehrenamtlichen der Versorgung und Beratung von tausenden Geflüchteten aus der Ukraine, darunter mit Angeboten für Kinder und Jugendliche.