Aktion gegen den Nord-Ost-Ring Schulterschluss gegen das Straßenmonster

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Mit Computeranimation, Drohnenflug und Lärmsimulation werden an diesem Sonntag beim Aktionstag in Oeffingen die Folgen einer autobahnähnlichen Trasse auf dem Schmidener Feld aufgezeigt. Die Veranstalter rechnen mit gut 3000 Besuchern.

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Fellbach - Visuell, akustisch und mit Fakten wollen die Veranstalter am Aktionstag „Wir gegen den Nord-Ost-Ring“ über das Straßenprojekt informieren und demonstrieren, welche Auswirkungen die autobahnähnliche Trasse für Mensch und Umwelt hat. Der Straßenverlauf in der Landschaft und der damit einhergehende Lärm sollen dargestellt werden. „Man muss es sehen, um die Dimensionen zu begreifen“, sagen die Initiatoren – rund 500 Gewerbetreibende aus Fellbach, Schmiden und Oeffingen, Landwirte aus der Region, die Arge Nord-Ost, die Stadt Fellbach und der Bürgerverein Zazenhausen. Sie rechnen mit bis zu dreitausend Besuchern, die sich zwischen 12 und 17 Uhr in Oeffingen ein eigenes Bild machen wollen.

Für OB Zull steht fest: „Der Nord-Ost-Ring ist keine Lösung; Alternativen müssen her“

Der Schulterschluss ist gelungen, und für Gabriele Zull steht fest: „Der Nord-OstRing ist keine Lösung, wir müssen über Alternativen reden“, sagte Fellbachs Oberbürgermeisterin bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Rathaus. Dass der Anstoß zum Aktionstag aus dem Kreis der Gewerbetreibenden kam, darüber ist die Rathauschefin ausgesprochen froh. Oft genug werde ihr vorgehalten, dass die Fellbacher Haltung gegen die Interessen des Gewerbes stehe. „Dass wir gegen ein solches Infrastrukturprojekt sind, liegt einfach daran, dass der Nord-Ost-Ring keine Lösung unserer Verkehrsprobleme bringt, sondern eine Verschlechterung, weil er zu noch mehr Verkehr führt“, erklärte Sebastian Aupperle, der Vorsitzende des Gewerbevereins Oeffingen. „Unsere Mitglieder sind nicht nur Unternehmer, sondern leben mit ihren Familien hier. Sie wollen kein Straßenmonster vor der Tür“, ergänzte Bernd Köhler, der Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins Fellbach. Der Nord-Ost-Ring produziere nur noch mehr Platz für noch mehr Autos und noch mehr Staus. „Und über Rebhühner müssen wir uns dann erst gar keine Gedanken mehr machen.“ Bedenken hat auch Sabine Hoffmeister, die stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins Schmiden. „Die Knotenpunkte sind falsch gesetzt. Das zieht nur noch mehr Verkehr in den Ort.“

Mit Fellbach wehren sich Kornwestheim und Stuttgart gegen die Straße

Mit Fellbach wehren sich – Stand jetzt – Kornwestheim und Stuttgart gegen die geplante autobahnähnliche Straße. Würde der Nord-Ost-Ring wie geplant gebaut werden, wären alle weiterführenden Straßen „im ganzen Remstal überlastet“, sagte Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Verkehrsexperten rechnen mit bis zu mehr als 70 000 Fahrzeugen, die täglich den Ring nutzen könnten. Doch die Remstalkommunen müssten erst noch sensibilisiert werden. „Immerhin befürchtet auch Thilo Rentschler, Oberbürgermeister in Aalen, die Folgen“, berichtete Beatrice Soltys, die auf Alternativen setzt, in erster Linie den Ausbau der Infrastruktur für den ÖPNV.

Über alternative Möglichkeiten wollen die Gastgeber auch informieren. Auf dem Podium werden unter anderem Bürgermeisterin Soltys, Joseph Michl von der Arge Nord-Ost, der ehemalige Fellbacher OB Christoph Palm oder Michael Eick vom Nabu Fakten liefern. So real wie möglich soll mithilfe moderner Medien gezeigt werden, welche Konsequenzen der Nord-Ost-Ring für die Landschaft hat. Im Fellbacher Virtual Dimension Center wurde die vierspurige Straße in die computergenerierte Landschaft im nördlichen Fellbach gesetzt. So kann jeder sehen, wie nah die Straße an die Wohnhäuser heranrückt, oder wie die Straße bei einem Spaziergang in Richtung Oeffinger Stadion aussehen wird. Den Videofilm gibt es am Sonntag auf der LED-Leinwand zu sehen sowie den von einer Drohne gefilmten Flug über die mögliche Trasse. „Dazu gibt es eine akustische Beschallung in Autobahn-Lautstärke“, sagt Jörg Schiller vom Gewerbeverein Oeffingen, einer der Macher des Aktionstags.

Bei der Aktion sollen Besucher selbst sehen, wie die Straße die Natur zerschneidet

Auch mit eigenen Augen sollen die Besucher sehen, wie die Straße die Natur zerschneidet. Einige der Landmarken, die den Verlauf markieren, stehen bereits. „Ich bin erschrocken, als ich sie gesehen habe“, sagte Bernd Köhler. Weitere werden bis Sonntag folgen. Zudem soll die 50 Meter breite Trasse mit Absperrbändern abgesteckt und – bei gutem Wetter – auch einige Autos darauf platziert werden. Mit einem Bähnchen können Interessierte von der Ortsmitte zur Besinnungswegstation Freiheit fahren, von der aus man einen guten Überblick hat.

Mit modernster Technik wird Gabriele Zull präsent sein. Sie weilt am Wochenende bei Olaf Raschke, ihrem OB-Kollegen aus Meißen, und wird per Videobotschaft ihre klare Haltung gegen den Nord-Ost-Ring kundtun. Sicherlich nicht zum letzten Mal. „Für uns ist der Aktionstag auch erst der Startschuss“, erklärt Jörg Schiller.