Aktion gegen dreckige Toiletten Kampf gegen Ekel-Klos an Autobahnen

Neue Plakate: Christine Baur-Fewson und Michael Gruber hoffen auf Besserung. Foto: Simon Granville

Nicht nur für Reisende, auch für die Mitarbeitenden der Autobahnmeistereien sind Kot-Schmierereien und Urin-Pfützen eine Zumutung. Die Autobahn GmbH will mit Plakaten ein Zeichen setzen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Kothaufen, Urin, benutzte Papiertücher, und dann erst dieser Gestank. Wer häufig längere Strecken auf der Autobahn zurücklegt, kennt es wahrscheinlich. Die Notdurft ruft, und der nächste Parkplatz verspricht ein WC. Nur stellt sich oftmals die Frage: Will man diese stillen Örtchen auch wirklich benutzen? Ekel-Erfahrungen beim Betreten der Klohäuschen dürften viele schon selbst gemacht haben. Oft ist es aber mit einem schnellen „Augen zu und durch“ nicht getan, weil die Toiletten schlicht nicht mehr benutzbar sind. Vom stechenden Geruch ganz zu schweigen, der häufig eine ähnlich große Zumutung ist.

 

Verdreckte Toiletten gibt’s jetzt auf Plakaten

Alldem möchte die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest des Bundes nun entgegenwirken. Denn nicht nur einem Großteil der Reisenden, sondern auch den Mitarbeitenden der Autobahnmeistereien stinkt es inzwischen gewaltig. Deshalb gibt es nun die Plakat-Kampagne „Muss das sein?“. Auf blauem Hintergrund zeigen die Schilder schlimm verdreckte Toiletten entlang der Autobahn in der Region Stuttgart. Dort, konkret am Parkplatz Engelberg bei Leonberg, startete das Projekt am Montagvormittag offiziell. Außerdem werden die Plakate an der A81 auf den WC-Parkplätzen Gerlinger Höhe, Kälbling Ost und West sowie an der A8 auf den Parkplätzen Heckengäu und Höllberg zu sehen sein.

Die Bilder sprechen für sich – die Frage „Muss das sein?“ sowieso. Und wer sich die Erfahrungen von Michael Gruber so anhört, der kommt ins Grübeln. Der Leiter der Autobahnmeisterei Ludwigsburg berichtet Dinge wie: „Nicht selten verrichten Leute ihr Geschäft neben die Toilettentöpfe. Da sind oft mehrere Haufen nebeneinander.“ Und das ist nicht alles. „Manche Verkehrsteilnehmer erleichtern sich auf dem Grünstreifen. Da hocken dann zwei, drei Leute nebeneinander am Zaun und vergleichen danach ihre Häufchen. Wenn unsere Mitarbeiter dort mähen, haben sie plötzlich Sommersprossen im Gesicht, wo vorher keine waren. Dann ist der Dienst natürlich sofort beendet.“

Viel Geld in Modernisierung der Toiletten gesteckt

„In den vergangenen drei Jahren haben wir rund fünf Millionen Euro in die Modernisierung von Parkplatz- und WC-Anlagen gesteckt“, sagt Christine Baur-Fewson, Direktorin der Autobahn GmbH Südwest. Aber gegen die Zerstörungswut und Rücksichtslosigkeit mancher Reisenden sei man machtlos. „Kot an den Wänden und Fäkalien auf den Böden empfinde ich als Körperverletzung gegenüber unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Denn die Beseitigung sei nicht nur ekelhaft, sondern auch gesundheitlich sehr bedenklich.

Das Ganze gehe außerdem zu Lasten des Steuerzahlers. „Allein die Toilettenreinigung im Südwesten kostet drei Millionen Euro jährlich“, so Baur-Fewson. Dreimal täglich rücken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 15 Autobahnmeistereien an, um die Parkplatz-WCs zu säubern. „Und die werden dann teilweise auch noch angegangen, warum es denn in den Klos so schlimm aussehe und warum da denn nicht gereinigt werde“, ergänzt Michael Gruber.

Ein weiteres Problem: illegal entsorgter Müll

Zwei Millionen Euro jährlich werden außerdem für die Entsorgung des Mülls fällig, der jedes Jahr auf den Parkplätzen im Gebiet der Autobahn GmbH Südwest illegal abgeladen wird – 10 000 Tonnen sind es, wie Wolfgang Grandjean, Leiter der Autobahn-Unternehmenskommunikation, präzisiert. Waschmaschinen und Autoreifen seien ganz bestimmt kein Reisegepäck. „Wir hatten schon ganze Küchen, die einfach auf einem Parkplatz entsorgt worden sind“, fügt Michael Gruber an. Und hat ein Fanbus nach einem Fußballspiel auf einem Parkplatz Station gemacht, seien die Mitarbeitenden auch damit beschäftigt, die ganzen Aufkleber wieder zu entfernen.

QR-Code auf Plakaten erkennt die Handy-Sprache

Damit das Anliegen der Plakat-Aktion auch bei möglichst vielen Menschen ankommt, ist in der rechten unteren Ecke ein QR-Code abgebildet. Wird er mit dem Mobiltelefon gescannt, wird automatisch die eingestellte Handysprache erkannt, sodass die Botschaft entsprechend übersetzt wird. Insgesamt stellt die Autobahn GmbH ihr Anliegen, die Toiletten sauber zu verlassen, in 27 Sprachen bereit.

Denkbar ist, dass die Aktion in einiger Zeit über den Südwesten hinaus zum Tragen kommt – je nach Erfolg. Einen genauen Maßstab dafür gibt es jedoch nicht. „Ein Erfolg wäre, wenn es sauberer wird“ formuliert Christine Baur-Fewson.

Autobahn GmbH Südwest

Einzugsgebiet
Das Gebiet der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest umfasst rund 1050 km Autobahnen in Baden-Württemberg (ohne A7/A96), in Teilen von Hessen und von Rheinland-Pfalz.

Engelbergtunnel
 Die Autobahn GmbH zeichnet auch für die Sanierung des Engelbergtunnels verantwortlich. Ihn passieren täglich rund 120 000 Fahrzeuge. Derzeit wird in der Oströhre an der Zwischendecke gearbeitet, die in der Weströhre bereits eingezogen wurde. Grund sind Schäden durch das aufquellende Mineral Anhydrit.  

Weitere Themen