In der Unterkunft für ehemals Wohnsitzlose, dem Christophorushaus, renovieren die Bewohner die Küchen selbst. In Freiberg lernen Kinder mit der Lese-App Deutsch.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Es soll tüchtig gewerkelt werden im Christophorushaus in Untertürkheim. Die Bewohner und Bewohnerinnen selbst sollen mit Pinsel und Walze die Wände, Türen und Fensterrahmen in den Gemeinschaftsküchen streichen. Damit verfolgt die Caritas, als Träger der Einrichtung, gleich zwei Ziele: Erstens ist die Renovierung der Gemeinschaftsräume in dem Haus dringend notwendig. Hier leben ehemals wohnsitzlose Menschen, die Probleme im sozialen Zusammenleben haben. Zweitens bietet die Caritas diesem Personenkreis ständig Beschäftigungsangebote, um deren Tagesablauf zu strukturieren, damit sie so eigene Fähigkeiten entdecken oder ausbauen.

 

Das Gebäude, in dem das Christophorushaus untergebracht ist, ist ein ehemaliges Hotel und bietet in 37 Klein-Appartements Platz für 50 Menschen, die auf der Straße gelebt haben. Es sind Menschen, die bisherige Betreuungsangebote nicht wahrgenommen haben und die jetzt ihren Weg zurück in die Gesellschaft finden wollen. Aufgenommen werden ausschließlich Männer oder Paare. Alleinstehende Frauen können hier keine Bleibe finden.

Küche und Bad werden etagenweise gemeinschaftlich genutzt. Außerdem gibt es eine Waschküche mit Waschmaschinen und Trockner. Die Bewohner und Bewohnerinnen sollen hier ihre Schwierigkeiten, die sie im gesellschaftlichen Zusammenleben haben überwinden. Sie sollen lernen, ihren Alltag zu organisieren und lernen, später außerhalb der Einrichtung ein geordnetes, eigenständiges Leben zu führen.

Einiges im Christophorushaus ist in die Jahre gekommen: Die sechs Küchen auf den Stockwerken mit den Appartements sind renovierungsbedürftig. Das nehmen nun die Bewohnerinnen und Bewohner selbst in die Hand, uns zwar unter fachlicher Anleitung. Das Restaurant des früheren Hotels dient der Einrichtung als Gemeinschaftsraum. Dort ist die Polsterung der Stühle mittlerweile verschlissen und löcherig. Die Restaurantstühle werden jedoch nicht entsorgt, sondern von einem Fachbetrieb neu gepolstert. Dafür sowie für das Material zur Renovierung der Küchen benötigt die Caritas einen Betrag in Höhe von 7600 Euro. „Hilfe für den Nachbarn“ will das Projekt unterstützen, weil es als Beschäftigungstherapie und Wiedereingliederungshilfe für die Bewohner und Bewohnerinnen sinnvoll ist und die Eigenleistung zur Wertschätzung der Einrichtung Christophorushaus beiträgt.

Deutsch lernen mit der Lese-App

Die evangelische Gesellschaft (Eva) betreut in Freiberg 40 Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren. Freiberg gehört zum Stadtbezirk Mühlhausen, in dem zwischen 60 und 85 Prozent der Bewohner zweisprachig sind. Hier befinden sich auch mehrere Fürsorgeunterkünfte, in denen Familien leben, die ihre frühere Wohnung verloren haben und so vor der Obdachlosigkeit bewahrt werden. In den Fürsorgeunterkünften in Freiberg leben 64 Familien und über 100 Kinder.

Das Kinderbüro der Eva betreut diese Kinder mit unterschiedlicher Nationalität. Sie sollen mit Hilfe eines auf drei Jahre angelegten Projekts die Freude am Lesen entdecken. So können sie ihre Sprachkompetenz und ihre Zweisprachigkeit - in der Sprache des Herkunftslandes und in Deutsch – entwickeln und sich in kindlichen Fantasiewelten wiederfinden, in die sie der Lesestoff versetzen kann.

Umgesetzt wird das Konzept in fünf verschiedenen Einrichtungen: In der Stadtbücherei, dem Kinderkontaktbüro, dem Stadtteil- und Familienzentrum, der Kita und der ersten Grundschulklasse mit Hilfe der Polylinos App. Dies ist eine digitale Bibliothek, in der über 1000 Bücher in 70 Sprachen zu finden sind. Dank der mehrsprachigen App haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Lieblingsgeschichten in der Sprache ihrer Familie und auf Deutsch zu hören und so einen Zugang zur Literatur bekommen. Heute weiß man in der Sprachforschung, dass solide muttersprachliche Kenntnisse die Basis für das erfolgreiche Erlernen einer Fremdsprache sind: In diesem Fall ist das Deutsch. Darauf ist die digitale Bibliothek Polylinos aufgebaut.

Alle fünf beteiligten Einrichtungen wollen die App für die Kinder nutzbar machen und so deren Deutschkenntnisse verbessern. Den Familien soll die Nutzung der App auch zu Hause ermöglicht werden. Für das dreijährige Projekt mit Gesamtkosten von 10 000 Euro bittet das Kinderkontaktbüro der Eva um einen Zuschuss von 2000 Euro von „Hilfe für den Nachbarn.“

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