Aktion im Flugzeug Schwedische Studentin verhindert Abschiebung nach Afghanistan

Von red 

Elin Ersson weigerte sich, ihren Platz im Flugzeug zu nehmen, bis ein Mann, der nach Afghanistan abgeschoben werden sollte, das Flugzeug nicht verlassen hat.

Asylbewerber am Flughafen in Kabul, nachdem sie aus Deutschland mit einem Sammelflug aus München abgeschoben wurden. Foto: dpa
Asylbewerber am Flughafen in Kabul, nachdem sie aus Deutschland mit einem Sammelflug aus München abgeschoben wurden. Foto: dpa

Göteborg - Die schwedische Studentin Elin Ersson hat durch eine Aktion im Flugzeug eine Abschiebung nach Afghanistan verhindert. In einem Live-Stream auf ihrer Facebook-Seite hat Ersson die Situation dokumentiert und damit für viel Aufsehen gesorgt.

Das gut 14-minütige Handy-Video zeigt Ersson, die sich weigert, sich auf ihren Platz im Flugzeug von Göteborg nach Istanbul zu setzten. Die anderen Passagiere und das Flugzeugpersonal filmt sie nicht – sie wisse ja nicht, ob sie gefilmt werden wollen, sagt sie in die Kamera. Über das Geschehen im Flugzeug erfährt man nur durch Erssons Erzählung.

Ersson berichtet auf Englisch von einem 52-jährigen Mann, der nach Afghanistan abgeschoben werden soll. Dies will sie auf jeden Fall verhindern. Mehrfach wiederholt sie, dass der Pilot das Recht habe, zu fordern, dass der Mann das Flugzeug verlässt. „Ich werde mich nicht hinsetzten, bis diese Person das Flugzeug verlassen hat“, sagt sie.

Die Flugbegleiter versuchen Ersson von der Aktion abzubringen und fordern mehrfach, dass sie aufhören soll zu filmen. „Wir sind nicht befugt so etwas zu machen, weil der Mann von Offizieren begleitet wird. Wir sind Flugpersonal. Was uns interessiert ist: Wollen Sie mitfliegen, oder nicht?“, entgegnen sie der Studentin.

Ein Passagier wird übergriffig

Die Meinungen der anderen Passagiere über die Aktion scheinen gespalten zu sein. Mehrmals kommen Passagiere auf Ersson zu. Ein Mann wird sogar übergriffig: „Es ist mir egal, was du denkst“, sagt er zu Ersson. „Was ist mit all den Kindern hier, denen du Angst machst?“ Daraufhin schlägt er Ersson das Handy weg.

Andere Passagiere diskutieren mit Ersson. „Das sind die Regeln Ihres Landes“, sagt jemand. „Ich versuche, die Regeln meines Landes zu ändern“, kontert Ersson. „Sie gefallen mir nicht. Es ist nicht richtig, Menschen in die Hölle zu schicken“. Der Passagier antwortet: „Aber Sie hindern alle diesen Menschen daran, ihr Reiseziel zu erreichen“, woraufhin Ersson sagt: „Sie werden aber nicht streben. Er wird sterben“. Als der Passagier fragt, woher sie das wisse, antwortet sie knapp: „Weil es Afghanistan ist“.

Stück für Stück stehen weitere Passagiere auf – teils als Unterstützung für Ersson, teils einfach aus Neugier über den Grund der Verspätung.

Applaus und Unterstützung

Als die Nachricht kommt, dass der abgeschobene Mann das Flugzeug verlassen wird, applaudieren viele Passagiere. Jemand ruft Ersson „Brava!“ zu. Diese bleibt jedoch dabei, dass sie erst sehen will, dass der Abgeschobene ausgestiegen ist. Erst dann verlässt sie das Flugzeug selbst und schaltet das Streaming aus.

Auf Facebook gab Ersson kurz daraufhin bekannt, dass die Abschiebung unterbrochen sei. In den sozialen Netzwerken bekommt sie seitdem viel Zuspruch für ihre Aktion.

Spontan war die Aktion allerdings nicht. Im Video zeigt Ersson ein Bild von einem jungen Mann und sagt, dass er derjenige sei, der ursprünglich mit diesem Flug abgeschoben werden sollte. An seiner Stelle sei nun der 52-Jährige. Ersson ist also in das Flugzeug gestiegen, um eine Abschiebung zu verhindern.