Aktion im Rahmen der Esslinger Kinder-Biennale Königin Gerda und der Knigge für Kids

Gerda Rein alias Königin Gerda (links) am schön gedeckten Tisch des Knigge-Kurses, bei dem es auf Einladung der Kinder-Biennale und des Lions-Club Esslingen-Neckar um gute Manieren und freundliches Benehmen geht Foto: /Gaby Weiß

Die Kinder-Biennale organisiert mit Unterstützung durch den Lions-Club Esslingen-Neckar für Kinder Kurse über gute Manieren und höfliches Benehmen.

Freundlichkeit, Höflichkeit und gutes Benehmen erleichtern das friedliche Miteinander. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder und Jugendliche. Davon ist Margit Bäurle, die Initiatorin der Esslinger Kinder-Biennale, überzeugt. Und weil sie weiß, dass nicht alle Kinder diese Spielregeln für einen zuvorkommenden Umgang kennenlernen, hat sie gemeinsam mit dem Lions-Club Esslingen-Neckar einen Kurs „Knigge mit Königin Gerda“ entwickelt, der sich auch an Kinder aus sozial schwachen Familien, aus dem Frauenhaus und aus Flüchtlingsunterkünften richtet. Ein erster Probelauf fand jetzt im Restaurant Palmscher Bau statt – an einer mit Kerzen und Servietten formvollendet gedeckten Tafel.

 

Überraschungsgast „Königin“ Gerda

Als Überraschungsgast war „Königin“ Gerda Rein eingeladen: Diese präsentierte sich in ihrer selbst genähten lachsfarbenen Robe mit einer üppigen Lockenfrisur als volksnahe Hoheit. Die Jungs übten für einen gebührenden Empfang einen galanten Diener, die Mädchen einen eleganten Knicks: Ob man eine Königin wohl einfach so mit „Hallo!“, „Servus!“ oder „Guten Tag!“ begrüßen kann – auch wenn sie Gerda heißt, aus Mettingen stammt und mit dem Auto statt mit einer Kutsche angefahren kommt?

Solange sich anfangs alles um die adelige Dame drehte, schien der Nachmittag ein bisschen aus der Zeit gefallen. Als es dann jedoch um Fragen aus dem Kinderalltag ging, waren die Jungen und Mädchen mit Feuereifer dabei. Gemeinsam mit Margit Bäurle vertieften sie ihre Kenntnisse über richtiges und falsches Verhalten, höfliches und taktloses Tun, freundliches und ungehobeltes Benehmen.

Wen begrüßt man zuerst, wenn man zu einem Geburtstagsfest eingeladen ist? Darf man eigentlich zu jedem „Du“ sagen, auch zur Lehrerin in der Schule? Warum soll man im Schulbus mit seinem Ranzen keinen Extra-Sitzplatz belegen? Was macht man, wenn man in der überfüllten S-Bahn aussteigen muss und der Weg zum Ausgang durch andere Fahrgäste blockiert ist? Wie schlichtet man einen Streit beim Spielen? Für Letzteres hatte Teilnehmer Matz einen Tipp parat: „Zuerst muss man aufklären, wer angefangen und wer was gemacht hat. Dann muss man sich entschuldigen. Und wenn das nicht klappt, muss man sich am besten aus dem Weg gehen.“

Pommes essen im Freibad und im Restaurant

Einig waren sich alle, dass an unterschiedlichen Orten auch unterschiedliche Regeln gelten: Am Freibadkiosk ist es okay, wenn man Pommes frites mit den Fingern isst, im Restaurant sollte man sie allerdings lieber mit der Gabel aufspießen. Und alle waren einer Meinung, dass die Stimmung in einer Gruppe besser ist, wenn jeder versucht, sich möglichst nett zu verhalten, egal ob jung oder alt, Schülerin oder Königin: „Respekt nennt man das, höflich, freundlich, ehrlich“, betonte Königin Gerda. „Und Toleranz gehört auch dazu: Wir akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind“, ergänzte Margit Bäurle.

Was die Etikette bei Tisch angeht, waren die Kinder gut vorbereitet: Gemeinsam wurde erörtert, weshalb man sich vor dem Essen die Hände wäscht, auch wenn man mit Besteck isst. Die Hände gehören auf den Tisch, nicht jedoch die Ellbogen. Interessiert erfuhren die Kinder, dass die Königin in ihrem prachtvollen Kleid auf so manches verzichten muss: „Darin würde ich niemals Spaghetti essen, um mich ja nicht mit Tomatensoße zu bekleckern“, gestand Gerda Rein. Und wie gibt man Bescheid, wenn man etwas nicht essen mag? „‚Bäh, wie ekelhaft!‘ ist sehr unhöflich“, betonte die Teilnehmerin Lilly und schlug vor, stattdessen lieber freundlich abzulehnen: „Danke, davon möchte ich jetzt nichts.“

Der Lions-Club Esslingen-Neckar nimmt bei seinem Engagement vor allem die Jugend und sozial schwache Gesellschaftsgruppen in den Blick, erzählte Jasmin Greilich: „Wir waren gleich Feuer und Flamme, als wir von diesem Projekt gehört haben. Das unterstützen wir gerne. Damit können wir den Kindern fürs Leben etwas mitgeben.“

Auch ihr Lions-Kollege Frank Dierolf bricht eine Lanze für gutes Benehmen – im Privaten wie im Geschäftsleben: „Ich zitiere immer eine grundlegende Weisheit: ‚Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.‘“ Für die Kinder beim Probelauf gab es zum Abschluss nicht nur viel aufmunterndes Lob und anerkennende Worte, sondern auch ein Eis, ein Knigge-Zertifikat und ein Büchlein mit Benimmregeln.

Engagement für Kinder

Kinder-Biennale
Die 2009 begründete Esslinger Kinder-Biennale versteht sich als Netzwerk, Kontaktbörse und Ideenschmiede, um Projekte für Kinder in Esslingen auf die Beine zu stellen. In Kooperation mit unterschiedlichen Einrichtungen, Partnern und engagierten Bürgerinnen und Bürgern organisiert der Verein für Kinder zwischen acht und 13 Jahren Workshops, Ausstellungen und Projekte, um vielfältige Dinge auszuprobieren. Dabei wird selbstbestimmtes kreatives Tun großgeschrieben.

Lions-Club Esslingen-Neckar
Die Lions-Bewegung entstand 1917 in den USA. „We serve“ – „Wir dienen“ – steht als Grundsatz über der Arbeit der Lions-Freunde in Clubs auf der ganzen Welt. Mit ihren „Activities“ genannten Einsätzen unterstützen sie gemeinnützige Projekte mit Spenden und tatkräftiger Hilfe. Der Lions-Club Esslingen-Neckar wurde im Jahr 1960 gegründet. Heute hat die Gruppe, in der Frauen besonders willkommen sind, 42 Mitglieder, die zwischen 40 und 70 Jahre alt sind.

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