Aktion in Stuttgart-Weilimdorf Freiwillige Helfer streichen Schule kunterbunt

Zufrieden mit dem Ergebnis: Schulleiter Nikolaus Arndt, Projektleiter Frank Rakel (PPG) , Malermeister Kay Oberger und Bezirksvorsteher Julian Schahl (von links) Foto: Marta Popowska

160 Freiwillige verwandeln die Gemeinschaftsschule Weilimdorf zur wohl farbenfrohesten Schule Stuttgarts. Was steckt dahinter?

Stahlsäulen in 80 verschiedenen Farben und Tönen, 100 bunte Klassenzimmer, Treppengeländer und Decken: Wer einen Fuß auf das Gelände der Gemeinschaftsschule Weilimdorf setzt, dürfte schnell in Hochstimmung geraten. Denn während in fast allen Schulen der Stadt Weiß und Grau dominieren, hat die Weilimdorfer Einrichtung seit vergangener Woche den Titel als wohl farbenfroheste Schule Stuttgarts sicher.

 

Engagement für die Verschönerung von Schulen und Kindergärten

„Ich kann meine Freude gar nicht in Worte fassen. Die Schule ist alt, hier wurde schon lange nichts mehr gemacht“, sagt Schulleiter Nikolaus Arndt, der seit 24 Jahren an der Einrichtung ist. Seine Zufriedenheit hat ihren Ursprung in einem Anruf, den er vor einiger Zeit von dem Unternehmen Pittsburgh Plate Glass, kurz PPG, erhalten hat. Der amerikanische Farbenhersteller mit Niederlassungen in Deutschland engagiert sich mit seiner Initiative Colorful Communities weltweit unter anderem für die Verschönerung von Schulen und Kindergärten. „Wir hatten einige Einrichtungen auf unserer Liste und bei der Gemeinschaftsschule hat es dann gepasst“, sagt Frank Rakel. Der Spezialist für Oberflächenentwicklung arbeitet viel gestalterisch und war für das Farbkonzept verantwortlich. Die Schule hat nun ein neues farbliches Leitsystem, nach dem sich auch Unkundige schnell zurechtfinden: grün für den Ostbau, rot für den Südbau, orange für das Atrium und gelb für den Westbau. Während draußen knallige Farben dominieren, wählte man für die Klassenzimmer pastellige Töne. „Dort soll alles unaufdringlich und beruhigend sein“, sagt Rakel.

Die Schule hat nun ein farbliches Leitsystem. Grün steht für den Ostbau. Foto: Popowska

Rund 160 Mitarbeitende von PPG rückten vier Tage lang zum freiwilligen Arbeitseinsatz an. „Die fuhren teilweise bis zu 100 Kilometer her“, sagt Rakel, der am Standort Korntal-Münchingen arbeitet. Da die Aktion während der Schulzeit stattfand, integrierte man eine Projektwoche, in der die Schülerinnen und Schüler an Graffiti-Workshops teilnahmen oder kurzerhand die ausrangierten Garderoben in Sitzbänke auf dem Schulhof umbauten.

Am vergangenen Freitag feierte man zum Abschluss der Arbeiten ein großes Fest auf dem Schulhof unter dem ebenfalls neuen Wandbild eines Fuchses. Die Kinder und Jugendlichen tanzten mit Eric Gauthier, die Schulband spielte und viele Reden wurden gehalten. Der Fuchs, gemalt vom Stuttgarter Graffiti-Künstler Jan Haas alias Dingo Babusch, ist das Logo der Schule. Die Vorlage stammt vom iranischen Künstler Ali Saei, der die Verwendung genehmigt hatte.

Strahlende Farben Foto: Popowska

„Es sieht alles viel schöner aus, man hat gleich bessere Laune, wenn man in die Schule kommt“, sagt die zwölfjährige Elif. Alle hätten sich so viel Zeit und Mühe gegeben, lobt sie. Ihre Mitschülerin Emelie (13) sagt, dass besonders die Toiletten unschön waren. „Alles war angemalt und sah unhygienisch aus.“ Nun sind die Wände zartgelb, die Türen orange bei den Jungs, pink bei den Mädchen. „Es ist fast schon zu bunt“, sagt Emelie und lacht. Von zu bunt kann laut Schulleiter Nikolaus Arndt keine Rede sein: „Kinder verbringen viel Zeit in Ganztagsschulen und sie brauchen Räume, in die sie sich zurückziehen können. Ich möchte, dass die Schule in einem anderen Licht wahrgenommen wird.“

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