Aktion „Maria 2.0“ in Stuttgart-Feuerbach Frauen streiken für einen Wandel in der katholischen Kirche

Von Susanne Müller-Baji 

Auch in St. Josef in Stuttgart-Feuerbach streiken Frauen für einen Wandel in der katholischen Kirche.

Die Demonstrantinnen bleiben vor der Kirche und bestreiken den Gottesdienst, den Pfarrer Martin Sie leitet. Sie haben zahlreiche Forderungen an den Papst formuliert. Foto: Susanne Müller-Baji
Die Demonstrantinnen bleiben vor der Kirche und bestreiken den Gottesdienst, den Pfarrer Martin Sie leitet. Sie haben zahlreiche Forderungen an den Papst formuliert. Foto: Susanne Müller-Baji

Feuerbach - Sie sind weiß gekleidet, halten Blätter mit der Frage „Jesus, was sagst Du dazu?“ in Händen und finden, dass das Maß voll ist: Am Samstag eröffneten Ehrenamtliche in Münster die bundesweite Aktion „Maria 2.0“, am Sonntag boykottierten auch die Frauen in St. Josef den Gottesdienst.

Die Kirche blieb ungeschmückt und auch auf weitere Ehrenamtliche musste man verzichten. Sie bleiben an diesem Sonntag draußen vor der Tür, weil die katholische Kirche zwar gerne auf das weibliche Ehrenamt zurückgreift, sich bei den wichtigen Fragen aber auf ein männliches Machtmonopol zurückzieht. Es hat sich einiges angesammelt, was sich für die Teilnehmerinnen dringend ändern muss: Unter anderem „mehr Transparenz bei der Aufarbeitung der Missbrauchskandale, rechtsstaatliche Behandlung der Straftaten von Geistlichen, Diakonat und Priestertum auch für Frauen, Freistellung des Zölibats“, fordern die Frauen – auch in einer Petition an den Papst.

Auftakt in Münster

Die Slogans „Jesus, was sagst Du dazu?“ sind angesteckt, die Rollen für die Lesung verteilt: „Jetzt gilt’s Mädels!“, sagt eine der Frauen, dann ziehen sie vom Gemeindehaus hinüber auf den Vorplatz von St. Josef. Den Auftakt genommen hatte die Aktion „Maria 2.0“ am Samstag in Münster, und die Deutsche Bischofskonferenz verlautbarte am selben Abend, es brauche Zeit, diese Dinge umzusetzen. „Wie lange denn noch?“, fragt Anita-Verena Brandsch, die am Sonntag von St. Theresia in Weilimdorf herübergekommen ist: „Ich habe davon in der Zeitung gelesen und mich praktisch reingegrätscht, weil ich das für wichtig halte.“

Bundesweit folgen derzeit viele Frauen dem Münsteraner Aufruf; in Feuerbach ging die Initiative von Eva Thomas und ihrem Blumenschmuck-Team aus: „Dann bleibt die Kirche ungeschmückt!“ Weitere Haupt- und Ehrenamtliche schlossen sich an und erarbeiteten eine Lesung, die nun auch ins Kircheninnere übertragen wird, wo sich die Gemeinde bereits zum Gottesdienst versammelt hat: Als Pfarrer Martin Sie in die Kirche einziehen will, verlesen die Frauen in weiß – die Farbe des Neuanfangs – was für sie in der Katholischen Kirche im Argen liegt.

Generationen übergreifendes Anliegen

Eine Teilnehmerin kommt aus der Zuffenhäuser Gemeinde St. Antonius. Sie erzählt von ihrer 84-jährigen Mutter, die gerade im Urlaub ist, sich aber extra noch versichert hat, dass wenigstens die Tochter in Feuerbach vor Ort ist. Dass es bei „Maria 2.0“ um ein Generationen übergreifendes Anliegen geht, unterstreicht auch Brandsch: „Wir müssen das auch für die nächste Generation tun und für die übernächste: Wir können den jungen Frauen doch nicht so eine verstaubte Kirche hinterlassen.“

In den Gesprächen wird deutlich: Den Frauen ist ihr Glaube und ihre Kirchengemeinde überaus wichtig, gleichzeitig identifizieren sie sich immer weniger mit der Institution Kirche: „Einfach wegbleiben hilft aber niemandem, und ein weiter so kann es erst recht nicht geben“, sagt Eva Thomas an diesem Vormittag vor der Kirche. Mit der Feuerbacher Aktion zeigen sich übrigens auch zahlreiche Männer solidarisch. Andererseits reagierte das erzkonservative „Forum Deutscher Katholiken“ postwendend mit einem Gegenaufruf auf den Münsteraner Boykott: „Hier wird in durchsichtiger Weise der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert, um das Frauenpriestertum durchzusetzen.“ Nach dem Willen zur Veränderung klingt das nicht. Es wird also spannend: Schon überlegten wohl nicht nur die Teilnehmerinnen der Feuerbacher Aktion, wie es weitergehen könnte mit „Maria 2.0“.

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