Aktion mit der Staatsgalerie Junge Flüchtlinge werden zu Künstlern

Die Schüler der Vorbereitungsklasse bei einem Workshop in der Staatsgalerie. Foto: z/Jan Stark
Die Schüler der Vorbereitungsklasse bei einem Workshop in der Staatsgalerie. Foto: z/Jan Stark

Eine Vorbereitungsklasse der Bernhausener Gotthard-Müller-Schule hat ein Kunstprojekt gestaltet. Die Arbeiten der Schüler werden am Dienstag, 30. Mai, von 18 Uhr an in der Staatsgalerie Stuttgart (Eingang Urbanstraße 50) präsentiert. Später sind die Werke dann im Internet und in Bernhausen zu sehen.

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S-Mitte -

Deine Sicht auf . . .“ – so lautet der Titel eines Kunstprojekts von jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Afrika oder Albanien in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie. Bei den Nachwuchskünstlern handelt es sich um Flüchtlinge und Migranten im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, welche die Vorbereitungsklasse (VKL) der Gotthard-Müller-Gemeinschaftsschule in Bernhausen besuchen.

Entstanden sind die Exponate – darunter Zeichnungen, Collagen und Aquarelle – im Rahmen eines Kunstprojekts mit dem Titel „Museobilbox“. Das integrative, außerschulische Angebot, welches vom Bundesverband für Museumspädagogik gefördert wird, möchte unter anderem bildungsferne und ausländische, junge Menschen an Kunst und Kultur heranführen. „Ziel war es, den Kindern und Jugendlichen Spaß am Museumsbesuch zu vermitteln, das Museum zu einem ihrer Orte in ihrer Lebenswelt zu machen, indem Bezüge zwischen dem eigenen Leben und dem Museum und Möglichkeiten der aktiven, selbstbestimmten und kreativen Gestaltung geboten wurden“, sagt die Projektleiterin in der Staatsgalerie, Kristina Sinn.

Mit Stift und Pinsel statt mit der Kamera

Fünf Wochen lang sind die 20 Mädchen und Jungen regelmäßig von den Fildern in die Staatsgalerie in Stuttgart-Mitte gefahren. Die freien Kunstvermittler Valentin Hennig und Laura Fröhlich haben den Schülern in Workshops nicht nur theoretische Einblicke in die Kunstgeschichte gegeben, sondern sie auch in die Praxis eingeführt. Nachdem die Schüler Selbstporträts aus verschiedenen Epochen kennengelernt haben, sind sie selbst aktiv geworden und haben Selfies mit Stift und Pinsel anstatt mit der Frontkamera ihrer Smartphones gefertigt. Aus fotografischen Detailaufnahmen von Kunstwerken in der Sammlung der Staatsgalerie sind Collagen entstanden.

In einem weiteren Workshop haben die VKL-Schüler einen Trickfilm und Trailer produziert. „Die künstlerische Qualität der entstandenen Arbeiten ist beeindruckend“, sagt Kristina Sinn. Die freischaffende Künstlerin Heidemarie Fruth vom Förderverein der Kunstschule Filderstadt sagt: „Die Schüler waren mit Feuereifer dabei.“ Der Verein war als Bündnispartner an dem Projekt beteiligt. Obwohl die Teilnahme für die Schüler freiwillig war, habe die ganze Klasse mitgemacht, sagt Jan Stark. Der Pädagoge unterrichtet die Vorbereitungsklasse an der Gotthard-Müller-Schule und hat das Projekt außerhalb der Unterrichtszeit begleitet.

Bewältigung der Lebensgeschichte

Im Unterricht haben Schüler und Lehrer zudem die Themen aufgegriffen und die Arbeiten besprochen. „Die außerschulischen Aktivitäten unterstützen die Schüler beim Spracherwerb und bei ihrer Integration“, erklärt Stark. Das künstlerisch-kreative Arbeiten helfe einigen Schülern auch bei der Bewältigung ihrer Lebensgeschichte. Viele der Kinder und Jugendlichen leiden unter traumatischen Kriegs- und Fluchterlebnissen. Die Werke zeigen Freunde oder Familienmitglieder, die nicht fliehen konnten. „Sie zeigen aber auch schöne und lustige Geschichten aus der Heimat, an die die Schüler sich gerne erinnern“, schildert Stark.




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