Aktion zur Einweihung von Kunstwerk Nackter Mann auf dem Rohrauer Dorfplatz
Nackter Mann mitten in Rohrau: Eine Künstler-Performance zur Einweihung der Sandmannskulptur auf dem Dorfplatz sorgt am Freitagabend für Aufsehen.
Nackter Mann mitten in Rohrau: Eine Künstler-Performance zur Einweihung der Sandmannskulptur auf dem Dorfplatz sorgt am Freitagabend für Aufsehen.
„Wer hätte das gedacht?“, raunte es aus den Reihen des Publikums. Die Beobachter trauten ihren Augen kaum: Ein nackter Mann mitten in Rohrau. Aber keine Angst – der Akt war Teil der Performance von Künstler Thomas Putze zur offiziellen Einweihung der Sandmannskulptur am Freitagabend. Von einmal „Woodstock, Kommune 1 und zurück“ sprach bewegt und mitgerissen Ortsvorsteher Torsten Widmann.
„Rocks into sand“ sang der Stuttgarter Putze zuvor zur Gitarre in den letzten Strahlen der Abendsonne, und das hatte unverkennbar einen Hauch von Bob Dylan und dem legendären Musikfestival Ende der 1960er-Jahre. Und weiter: „Like time running through my hands.“ Eine Hommage an die armen Rohrauer Bauern, die einst in bis zu 80 Sandmühlen den porösen heimischen Sandstein zermahlten, um sich ein wenig Zubrot zum Ertrag ihrer kargen Äcker hinzuzuverdienen. „Das hat so was von Sisyphos“, erklärte Thomas Putze. Die Idee von „Sandmann“ und Museumsrundgangführer Siegfried Schmid zur Errichtung eines Denkmals auf dem neu geschaffenen Dorfplatz nahm der Ortschaftsrat deshalb gerne auf.
Im Sommer vergangenen Jahres hatte ein Autokran den massiven 3,2-Tonnen-Stein an seinen Standort gehievt, jetzt ist das Kunstwerk nach langjähriger Planung und Verzögerungen wegen fortwährender Coronabeschränkungen endlich fertig. Doch die Skulptur wäre nicht vollständig ohne den Menschen drin, unkte Thomas Putze. Und verschwand hinter der Plane, die den künstlerisch bearbeiteten Stein zunächst noch verhüllte. Als Torsten Widmann und Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch die Bedeckung entfernten, war das Erstaunen dennoch groß, dass dann auch der Erschaffer entblößt darin kauerte.
„Du bist der Richtige“, dankte der Ortsvorsteher dem Künstler. Im Zuge der Arbeiten an dem Kunstwerk habe er in ihm einen persönlichen Freund gefunden. So wird die offizielle Einweihung der Sandmannskulptur im kleineren Kreis von rund zwei Dutzend Interessierten sicher nicht die letzte Vorstellung des neuen Rohrauer Wahrzeichens gewesen sein. Denn auch bei der dann hoffentlich wieder ohne Einschränkungen möglichen Rohrauer Pfingsthocketse soll selbstverständlich der Sandmann mit einbezogen werden. Und ist dazu jederzeit benutz- und begehbar. Denn Thomas Putzes Konzept ist weit mehr als nur eine einzige Performance an einem lauen Frühlingsabend.