Aktionärstreffen bei Audi Audi plant das Aus für zwei Sportwagen

Von Thomas Magenheim 

Audi-Chef Bram Schot lässt die Modelle TT und R8 auslaufen. Die VW-Tochter startet eine Elektrooffensive und plant eine Kooperation mit Sixt.

Die Produktion des Sportwagens R8 soll auslaufen. Foto: dpa
Die Produktion des Sportwagens R8 soll auslaufen. Foto: dpa

Neckarsulm - Hauptversammlungen der VW-Tochter Audi waren in den letzten Jahren meist dröge Veranstaltungen mit dem inzwischen vor die Tür gesetzten Firmenchef Rupert Stadler als Protagonisten. Beim diesjährigen Aktionärstreffen war der tief gefallene Manager nur insofern präsent, als seine Entlastung vertagt wurde, bis klar ist, welche Rolle er beim Dieselskandal gespielt hat. Zudem würde die Prüfung eventueller Regressforderungen an Ex-Vorstände andauern, merkte VW-Boss Herbert Diess in seiner Funktion als Audi-Aufsichtsratschef an. Mehr zu verkünden hatte der neue Audi-Chef Bram Schot. Er präsentierte Details seiner Strategie. In deren Zentrum stehen anspruchsvollere Ziele zur Elektrifizierung der Audi-Flotte sowie eine Kooperation mit Autovermieter Sixt bei Mobilitätsdiensten.

Mobilitätsdienste von Sixt

„Wir wollen unser Angebot mit einem großen Partner skalieren – mit Sixt“, kündigte Schot für das vierte Quartal 2019 an. Dann könne jeder Kunde per App über Sixt Audi-Modelle nutzen und zwar zeitlich flexibel von einer Stunde bis zum Ganzjahres-Leasing. „So etwas gibt es derzeit nicht am Markt“, betont Schot. Gleichzeitig bilden sich damit im deutschen Markt für Mobilitätsdienste im Premiumsegment zwei Gruppen heraus. Auf der einen Seite stehen Daimler und BMW, die von Carsharing über Fahrtenvermittlung bis zu Parkservices kooperieren. Auf der anderen Seite verbünden sich Audi und Sixt mit ähnlichen Angeboten. Das über den Münchner Autovermieter verfügbare Angebot an zunächst bis zu 10 000 Audi-Fahrzeugen auf Abruf soll nach und nach europaweit ausgerollt werden, sagte Schot. Sixt ist mit einem umfassenden Mobilitätsdienst Anfang März gestartet und nutzt dabei die bestehende Infrastruktur des Autovermietgeschäfts, wovon demnächst auch Audi profitiert.

Zudem drückt die Ingolstädter VW-Tochter bei der Elektrifizierung ihrer Modellpalette aufs Tempo. Statt einem Drittel sollen bis 2025 nun 40 Prozent aller globalen Verkäufe elektrifizierte Autos sein, kündigte Schot an. In absoluten Zahlen seien das rund eine Million Fahrzeuge. Damit ist klar, dass Audi 2025 insgesamt 2,5 Millionen Autos weltweit verkaufen will. Voriges Jahr waren es rund 1,8 Millionen Fahrzeuge.

Neuwagen via Internet

Neuwagen wollen die Ingolstädter dabei ab Juni erstmals auch per Internet an den Mann bringen. Dafür als Pilotmodell ausgewählt wurde eine Sonderedition des Audi TT. Gebrauchte online verkaufen will Audi im Gleichschritt mit dem Mutterkonzern VW ab 2020. Neue Zeiten brechen für Audi-Kunden auch bei der Fahrzeugentwicklung an. Als Novum in der Branche führt der Premiumhersteller einen Kundenbeirat ein, um so Feedback von Verbraucherseite zu erhalten. „Wir werden den Kunden von der ersten Projektskizze an einbeziehen – auf Top-Entscheidungsebene“, verspricht Schot.

Mit solchen Neuerungen will er einen Kulturwandel schaffen und Vertrauen zurückgewinnen, das im Zuge des Dieselskandals gelitten hat. Künftig werde Kundenzufriedenheit zur härtesten Währung im Automobilmarkt, weil Differenzierung auf anderen Feldern immer schwieriger werde, ist sich der Niederländer sicher. Technologisch will er Audi in Sachen alternative Antriebe an die Spitze der Branche bringen. Bis 2025 soll sich der Kohlendioxid-Fußabdruck der Audi-Flotte gegenüber 2015 um knapp ein Drittel verringern. Dieses Ziel peilt der Konzern über den gesamten Lebenszyklus von Produktion über Nutzung bis zur Wiederverwertung eines Audi an. Heute ist das Angebot an Elektroautos mit drei Hybridmodellen – A3, A6 und Q7 – und dem vollelektrischen SUV E-tron kleiner als das der Konkurrenz.

Sparkurs mit 15 Milliarden Euro

Schuldig geblieben ist Audi beim Aktionärstreffen dagegen Konkretisierungen beim parallel verfolgten Sparkurs. Zwar unterstrichen Schot und Finanzchef Alexander Seitz, dass frei werdende Stellen nicht mehr in jedem Fall wiederbesetzt werden. Wie viele Jobs auf diese Weise aber insgesamt wegfallen werden, bleibt weiter offen. Dazu führe man Gespräche mit den Sozialpartnern, erklärte Seitz. Was das bedeuten kann, zeigt ein Beispiel aus dem Stammwerk Ingolstadt, wo jüngst eine Nachtschicht gestrichen worden ist. Auch außertarifliche Leistungen stehen auf dem Prüfstand. Insgesamt sollen bis 2022 rund 15 Milliarden Euro gespart werden.

Ausgemistet wird dazu auch das Produktportfolio. Als Streichkandidat gilt der Sportwagen R8. Denn „zum Fokussieren gehört auch das Weglassen. Den Audi TT zum Beispiel und zum Beispiel den Sportwagen R8“, wie Schot sagte. Ein Drittel der Motor-Getriebe-Kombinationen sei bereits gestrichen. Dagegen kündigte Schot eine neue Luxusvariante des Flaggschiffs Audi A8 an. Gut vorstellbar sei dabei, dass die nächste A8-Generation nur noch mit Elektroantrieb angeboten wird.