Rund um die Orange Days stellen Kommunen, Beratungsstellen und Schulen bis Mitte Dezember vielfältige Aktionen vor. Sie wollen Mut machen und über Hilfsangebote informieren.

Volontäre: Marie Part (par)

Jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt. Zwei von drei Frauen erleben sexuelle Belästigung, etwa ein Viertel werden Stalking-Opfer und fast die Hälfte aller Frauen werden mit psychischer Gewalt konfrontiert. Diese Zahlen nennt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

 

Seit 1999 erinnert der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen an diese Realität. Der 25. November bildet zugleich den Auftakt zu den „Orange Days“, die bis zum 10. Dezember – dem Tag der Menschenrechte – dauern und Teil der UN-Kampagne „Orange the World“ sind.

Orange deswegen, da diese Farbe eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen symbolisieren soll. Auch im Rems-Murr-Kreis nutzen viele Einrichtungen die Aktionstage, um auf unterschiedliche Formen von Gewalt hinzuweisen und Betroffene zu unterstützen.

Kreisweite Kampagne im Rems-Murr-Kreis

Das Kreisjugendreferat des Rems-Murr-Kreises startet in diesem Zeitraum eine kreisweite Kampagne. In Jugendhäusern und Schulen im ganzen Landkreis finden zahlreiche Aktionen statt. Das Programm umfasst unter anderem Diskussionsrunden über respektvolle Beziehungen, Selbstbehauptungstrainings, Filmabende sowie Kunstprojekte.

Der offizielle Auftakt findet am 25. November ab 13.45 Uhr im Stadtpark Winnenden statt. Nach einer Ansprache von Stefanie Böhm, Dezernentin für Soziales, Jugend und Bildung, sollen die Teilnehmer eine Menschenkette bilden – als sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen.

Bedrohungen und Belästigungen können Schäden anrichten

In Waiblingen liegt in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf digitaler Gewalt. Denn Gewalt beginnt nicht erst mit Schlägen – auch Bedrohungen, Beschimpfungen, Belästigungen und Kontrolle durch den Partner können Schäden anrichten. Sie kann Menschen aller sozialen Schichten und jeden Alters treffen: Zuhause, in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz oder online.

Experten von pro familia und der Opferberatung informieren am 25. November von 19.30 bis 21 Uhr darüber, welche Möglichkeiten es gibt, sich zu schützen. Die Veranstaltung wird im KARO Familienzentrum und online angeboten. Sie soll Betroffene ermutigen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Aktionen in Winnenden und Weinstadt

In Winnenden lädt das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) am 24. November zu einem Trialog der Reihe „Ver-rücktes Seelenleben“ ein. Es soll darum gehen, wie Menschen in belastenden oder bedrohlichen Situationen ihre seelische Gesundheit schützen können. Ab 18 Uhr können Betroffene, Angehörige und Fachkräfte im Festsaal des ZfP Winnenden miteinander ins Gespräch kommen. Nach einem Impulsvortrag bieten Workshops Gelegenheit zum Austausch.

In Weinstadt soll eine orangefarbenen Bank als Zeichen aufgestellt werden. Das Bild zeigt eine beispielhafte Bank. Foto: imago/Eckhard Stengel

In Weinstadt setzt die Schulsozialarbeit am Bildungszentrum gemeinsam mit Jugendlichen ein kreatives Zeichen: Eine orangefarbene Bank soll während der Orange Days vor dem Büro in der Pestalozzistraße zum Sitzen einladen. Auch die Fenster werden in Orange dekoriert und mit Informationen zum Thema versehen.

Die Orange Days zeigen: Gewalt gegen Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Und es braucht öffentliche Aufmerksamkeit, um Betroffenen Wege aus der Gewalt zu eröffnen – und eine Haltung, die über die Aktionstage hinaus Bestand hat.

Anlaufstelle

Hilfetelefon
Als erste Anlaufstelle für Betroffene steht 365 Tage im Jahr rund um die Uhr unter der Nummer 116 016 das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zur Verfügung. Online ist die Einrichtung unter www.hilfetelefon.de zu erreichen. Die insgesamt 60 Mitarbeiterinnen helfen den Frauen vertraulich, kompetent und barrierefrei, Unterstützung vor Ort zu finden.