Aktionspfad der Ziegelhütte am Randecker Maar Jugendliche bauen Kunstlabyrinth in der Natur

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Jugendliche der Ziegelhütte stellen auf einem kilometerlangen Kunst- und Aktionspfad 40 Werke vor. Das Labyrinth auf der Schwäbischen Alb orientiert sich am Vorbild in der Kathedrale von Chartres. Es steht symbolisch für den Weg des Lebens und ist für alle offen.

Davide Totaro, Merlin Raiser und Ryan Höß (von links) legen letzte Hand an. Das Labyrinth aus  Buchsbäumen ist Teil des Kunst- und Aktionspfades am Randecker Maar. Foto: Ines Rudel
Davide Totaro, Merlin Raiser und Ryan Höß (von links) legen letzte Hand an. Das Labyrinth aus Buchsbäumen ist Teil des Kunst- und Aktionspfades am Randecker Maar. Foto: Ines Rudel

Bissingen/Teck - Der Weg durch das Labyrinth hinter der Ziegelhütte am Randecker Maar wird von 1200 Buchsbäumchen markiert. Wer die 28 Kehren ausläuft, legt vom Eingang bis zu der in der Luftlinie etwas mehr als sechs Meter entfernten Mitte eine Strecke von immerhin 261,5 Meter zurück. Angelehnt an sein Vorbild, das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres, steht es symbolisch für den Weg des Lebens – einschließlich aller Umwege, die der Mensch dabei auf der Suche nach dem eigenen Ich und der eigenen Mitte geht.

Das Bild von der Suche und den Umwegen passt zu der Jugendhilfeeinrichtung, die, in der Abgeschiedenheit der Schwäbischen Alb, den Jugendlichen während ihres zweijährigen Aufenthalts ein Rettungsanker ist, bis es zurück in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft geht. Das Labyrinth als Kunstform passt aber auch zu dem Kunst-und Aktionspfad, den die Ziegelhütte in diesem Sommer zum dritten Mal rund um den vor Urzeiten trocken gefallenen Vulkansee unweit des Albweilers Bissingen-Ochsenwang anlegt hat.

Kostenloses Kulturangebot stößt auf großes Interesse

Vom 29. Juni bis Ende August werden Künstler und Jugendliche mit ihren rund 40 Werken auf einem fünf Kilometer langen Pfad mit der archaischen Landschaft der Schwäbischen Alb in einen Dialog treten – zum dritten Mal seit der gelungenen Premiere im Jahr 2012. Die zweite Auflage des von einem bunten Rahmenprogramm begleiteten Zusammenspiels von Kunst und Landschaft hatte vor vier Jahren rund 15 000 Besucher angelockt, rund 5000 mehr als die Premiere vor sieben Jahren.

„Dass unser Projekt auf Interesse stößt, ist natürlich schön. Aber die Zahl der Besucher ist nicht unbedingt der Maßstab für das Gelingen“, sagt Hendrik van Woudenberg, der Geschäftsführer der Ziegelhütte. Natürlich profitiere die Ziegelhütte als Einrichtung von der öffentlichen Aufmerksamkeit und natürlich wirke der Kunst-und Aktionspfad als kostenloses Kulturangebot ganz im Sinne des UNESCO-Biosphärengebeit in den ländlichen Raum hinein. Ihm als Pädagogen aber gehe es vor allem darum, den mitwirkenden Jugendlichen neue Lern-und Arbeitsfelder zu erschließen und ihnen die Kunst näher zu bringen. Wie schon bei den Vorgängerprojekten sind alle Ziegelhütte-Bewohner mit eingebunden, sei es in der vorbereitenden Organisation, als Künstler, als Parkplatz-Einweiser während der Stoßzeiten oder sogar auch als Kunstvermittler. „Wir bilden Jugendliche aus, die dann Führungen für Schulklassen, Kindergärten und Betriebsausflüge machen“, sagt van Woudenberg.

Winfried Kretschmann ist Schirmherr des Pfades

Die Neuauflage des Pfades kann, wie schon die Vorgängerveranstaltung, auf höchst-ministerpräsidiale Weihen verweisen. „Hier wird auf vorbildliche Weise dazu beigetragen, Jugendliche gezielt und nachhaltig zu fördern, Kunst und Kultur den ihre gebührenden Raum im öffentlichen Leben zu bieten und zugleich die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaften zu präsentieren“, hat der baden-württembergische Landesvater, Winfried Kretschmann, den Akteuren des Kunst-und Aktionspfades als Schirmherr ins Stammbuch geschrieben.

Was Kretschmann an theoretischen Leitsätzen im fernen Stuttgart geschrieben hat, füllt Theo Spiekermann, der Projektleiter des Labyrinth-Baus, vor Ort auf der Schwäbischen Alb mit Leben. „Wir haben jetzt hier die dritte Schülergeneration, die am Bau des Labyrinths mitarbeitet“, sagt er. Bei der Arbeit mit der Erde und mit den Pflanzen, aber auch bei der Beschäftigung mit dem Mythos – das verwinkelte Labyrinth soll schließlich auch böse Geister in die Irre leiten – hätte sich bei den Jugendlichen so etwas wie Ehrfurcht eingestellt, so Spiekermann. In diesem Sinne sei das Labyrinth seiner Bestimmung, ein Pilgerweg im Kleinen zu sein, schon mehr als gerecht geworden.

Zum Abschluss geht’s zum Original

Ende Mai werden die Labyrinth-Bauer von der Schwäbischen Alb zur Abrundung des Projekts nach Chartres reisen, um dort das Original in Augenschein zu nehmen.

An Bekanntheitsgrad kann das Ziegelhütte-Labyrinth es mit seinem Vorbild nicht aufnehmen. Doch bundesweite Aufmerksamkeit ist auch ihm inzwischen gewiss. „Wir sind im Internet auf der Seite ,Labyrinthe in Deutschland’ aufgenommen“, sagt Spiekermann.

Mehr über das Projekt und das Begleitprogramm gibt’s hier.