Aktionstag auf der Bundesstraße Landrat reserviert B 10 für Radler

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Ein Radaktionstag macht es möglich: auf der Bundesstraße 10 im Kreis Göppingen gibt es einen autofreien Sonntag. Viele halten das allerdings für eine Schnapsidee.

Auf der Bundesstraße gibt es einen autofreien Sonntag – wie vor 40 Jahren. Foto: Horst Rudel
Auf der Bundesstraße gibt es einen autofreien Sonntag – wie vor 40 Jahren. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Der Radaktionstag am kommenden Sonntag im Kreis Göppingen bringt eine echte Premiere. Erstmals wird in Baden-Württemberg für eine Veranstaltung eine vierspurige Bundesstraße auf einer Strecke von mehr als 20 Kilometer Länge gesperrt. Zwischen Ebersbach-West und dem Ausbauende bei Süßen-Ost sollen einen Tag lang nur Fahrradfahrer verkehren dürfen.

„Wir präsentieren unsere tolle Landschaft, bieten Informationen zum Radverkehr und hoffen auf eine erlebnisreiche Veranstaltung, die viele ansprechen wird“, sagt der Landrat Edgar Wolff über die Idee. Der Durchgangsverkehr soll via Verkehrsfunk und Beschilderung weiträumig umgeleitet oder auf die alten Ortsdurchfahrten verwiesen werden.

Die Bürgerinitiative hält nichts davon

Eben dies hat dem Radaktionstag schon im Vorfeld heftige Kritik eingebracht. Unzählige Leserbriefe hat die Lokalzeitung schon abgedruckt, in denen die Sperrung der B 10 wahlweise als Schnapsidee, Zumutung oder Schildbürgerstreich bezeichnet wird. Selbst der wortgewaltige Chef der Bürgeraktion Geislingen-B-10-neu, Peter Maichle, der seit Jahren für eine Verlängerung der Ausbaustrecke über Süßen hinaus bis Geislingen kämpft, meldete sich zu Wort. Den Anwohnern entlang der Umleitungsstrecke sei wohl kaum zu vermitteln, dass sie wegen eines Radaktionstages an einem Sonntag Stau vor der Haustüre hätten, mutmaßte er.

Der Landrat und seine Mitarbeiter sind mittlerweile kleinlaut geworden. Er habe Verständnis für die Kritik, sagt Wolff. Tatsächlich habe man ursprünglich gar nicht die Ausbaustrecke, sondern die alte, durch die Städte und Gemeinden führende Bundesstraße sperren wollen. Doch da wäre der Aufwand wegen der vielen Einmündungen zu groß gewesen. Die Sperrung der neuen B 10 habe man sich trotzdem gut überlegt. „Wir können nun zeigen, welch wichtige Lebensader die B 10 für unseren Landkreis ist“, sagt der Verkehrsplaner des Kreises, Jörg-Michael Wienecke. Ohnehin gibt es kein Zurück. „Es ist alles in die Wege geleitet.“

Radtour an der Lärmschutzwand

Dass eine Radtour über die Bundesstraße gar nicht attraktiv wäre, wie viele sagen, weist Wienecke zurück. Es gehe keineswegs nur durch Tunnel und vorbei an Lärmschutzwänden. „Da bieten sich unglaublich tolle Blicke auf das Filstal, die Alb, die Kaiserberge und die Städte unseres Landkreises“, sagt Wienecke. Und auch die Vermutung, man wolle sich mit der Sperrung nur beim grünen Landesverkehrsminister anbiedern, sei natürlich falsch. Winfried Hermann habe sein Kommen schon vor einem Jahr in Aussicht gestellt, so Wienecke. Da sei von der Sperrung noch gar keine Rede gewesen.




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