Aktionstag im Rathaus Stadt lässt Regenbogenfamilien nicht allein

Von Ralf Recklies 

Im Stuttgarter Rathaus haben sich zum zweiten Mal Familien mit gleichgeschlechtlichen Partnern austauschen und informieren können. Es gebe noch viel zu tun, um die Diskriminierung zu beseitigen, sagte die Stuttgarter Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke.

Die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke sagte, es gebe noch viel zu tun, damit gleichgeschlechtliche Paare nicht mehr diskriminiert werden. Foto: Lichtgut
Die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke sagte, es gebe noch viel zu tun, damit gleichgeschlechtliche Paare nicht mehr diskriminiert werden. Foto: Lichtgut

Stuttgart - Für die 27-jährige Jenny (Name geändert) und ihre drei Jahre ältere Partnerin steht außer Frage: „Wir wollen gemeinsam Kinder großziehen.“ Seit zweieinhalb Jahren sind sie ein Paar. In dieser Zeit reifte der Entschluss, eine Familie gründen und zwei, möglichst sogar drei Kinder großziehen zu wollen. Noch haben sich Jenny und ihre Partnerin nicht entschieden, auf welchem Weg sie ihre Familie gründen wollen. „Es wäre natürlich toll, wenn ich oder meine Partnerin selbst die Kinder bekommen würden“, sagt Jenny. Aber auch eine Adoption diskutieren die beiden Frauen. Am Samstag waren sie zum zweiten Regenbogenfamilientag ins Stuttgarter Rathaus gekommen, um sich einerseits mit anderen Paaren auszutauschen, andererseits aber auch im Gespräch mit Fachleuten darüber zu informieren, was es bei einer Familiengründung zu beachten gilt.

„Dass die Stadt Stuttgart schwulen und lesbischen Paaren und Familien die Möglichkeit bietet, sich im Rathaus zu treffen, finde ich super“, sagt Jennys Partnerin. Vor allem da sie in einer eher ländlichen Region im Umland der Landeshauptstadt lebten. Da sei es mit der Akzeptanz einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft nicht weit her. „Ich möchte nicht wissen, wie man uns begegnet, wenn wir auch noch Kinder haben“, sagt die 30-Jährige, die nach ihrem Studium wieder in ihren Geburtsort zurückgezogen ist - „weil ich mich da einfach zuhause fühle“. Ob sie aber dauerhaft dort leben wird, weiß sie nicht. „Vielleicht wäre es einfacher, in die Stadt zu ziehen.“

Rechtfertigung für Schwimmbad-Familienkarte

Dass es auch dort viel zu tun gibt, um die Diskriminierung von Familien mit zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als Eltern zu überwinden, weiß Ursula Matschke, die Leiterin der Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern. So dürfe es beispielsweise nicht sein, dass sich die Partner für den Kauf einer Familienkarte fürs Schwimmbad rechtfertigen und somit ihre sexuelle Identität preisgeben müssten. Aber auch bei der Gestaltung von Formularen müsse man nachbessern. „Wenn da immer von Vater und Mutter die Rede ist, dann wird das Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern nicht gerecht“, so Matschke. Der Stadt komme da eine Vorreiterrolle zu. „In unseren Ämtern gibt es eine große Toleranz und Offenheit“, sagt Matschke, die daher auch ganz gezielt für den Regenbogentag Kollegen aus der Verwaltung eingeladen hatte, die als Ansprechpartner zur Verfügung zu standen.

Bildungsplan „ein Schritt in die richtige Richtung“

Es bedürfe großer Anstrengungen, damit sich beim Thema Gleichgeschlechtlichkeit etwas bewege, meint die Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch (Grüne). Beim ersten Regenbogenfamilientag 2013 unter dem Motto „Gleich und doch anders?!“ habe es einige Forderungen an die Landespolitik gegeben, von denen nicht viele umgesetzt seien. Man habe einen Aktionsplan für Toleranz und gleiche Rechte auf den Weg gebracht. Und auch der Bildungsplan, in dem sich die sexuelle Vielfalt spiegle, sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Dass es noch keine Anlaufstelle für gleichgeschlechtliche Eltern gebe, bedauert Lösch. „Familienpolitik sollte sich nicht an Ideologien ausrichten“, sagt sie und hofft, dass nicht nur die „Ehe für Alle“ bundesweit kommt, sondern auch die Adoption bundeseinheitlich geregelt wird und gleichgeschlechtliche Partner ebenfalls problemlos Kinder adoptieren können.

Constanze Körner aus Berlin berichtete im Rathaus von ihrer Arbeit im dortigen Regenbogenfamilienzentrum. Einige Ideen will Matschke nun in Stuttgart umsetzen, ein eigenes Familienzentrum für Regenbogenfamilien indes hält sie für weniger erforderlich. Für sinnvoller hält sie es, Beratungsangebote im vorhandenen Kinderfamilienzentrum zu integrieren.

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