Die „Jubiläums Frauenwochen 2026“ – sie finden nun in der 30. Ausgabe statt, wollen vielfältige kulturelle und gesellschaftliche Impulse geben und ein bewährtes Podium für Frauen sein. Die Idee, Frauen, ihren Herausforderungen und Themen eine Plattform zu geben, stammt von drei aktiven Bürgerinnen aus Weil der Stadt. Brigitte Michler vom Kulturverein Manufaktur, Olga Brandl-Engesser, Gemeinderätin, und Angelika Brombacher, damals Leiterin der Volkshochschule, hatten die ersten Frauenwochen auf die Beine gestellt.
„Der Austausch war bereichernd und spürbar schön“
„Es war eher eine spontane Idee“, erinnert sich Angelika Brombacher. Der Frauentag am 8. März sei ein Auslöser für die Frauenwochen in Weil der Stadt gewesen – mit einem „handgestrickten“ Programm und selbst gefalteten Flyern. Es gab vor 30 Jahren ein Improvisationstheater, einen Varieté-Abend, Kino und Kunsthandwerk. Ein Höhepunkt war das gemeinsame Frühstück. „Der Austausch war bereichernd und spürbar schön, Netzwerke entstanden“,sagt die Weil der Städterin. Von Anfang an waren es die Begegnungen, die die Frauenwochen prägten – und die noch immer für besondere Momente sorgten.
In den 1990er Jahren seien die meisten Frauen zuhause geblieben, weil Betreuungsmöglichkeiten gefehlt hätten, erzählt die engagierte Mutter dreier Kinder, die damals schon für das Programm der Volkshochschule Weil der Stadt zuständig war: „Das ging nur, weil ich flexibel arbeiten und mich gemeinsam mit meinem Mann um die Familie kümmern konnte.“ Mit dem Ausbau der Kindertagesstätten und ganztägigen Kindergärten veränderte sich die Lebenssituation der Frauen über die letzten Jahrzehnte.
Der erste Internationale Frauentag 1911 ist ein voller Erfolg
Den Kampf um Gleichberechtigung und für einen Frauentag führte bereits Klara Zetkin, die mehr als 30 Jahre lang in Stuttgart lebte. Der erste Internationale Frauentag im März 1911 war dann ein voller Erfolg, in Deutschland demonstrierten mehr als eine Million Frauen. Doch unverändert ist die Gleichberechtigung in der Gesellschaft noch immer nicht überall angekommen. Frauen verdienen global gesehen vielfach weniger als Männer für die gleiche Arbeit, wie Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigen. Auch sind sie in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik deutlich unterrepräsentiert. Ein weit verbreitetes Problem, vor allem für Frauen, ist die sexualisierte Gewalt, auch in der eigenen Familie. All das sind Themen, die in Veranstaltungen in der Keplerstadt rund um den 8. März aufgegriffen werden.
„Frauenrechte sind nicht selbstverständlich gewesen, sondern wurden von mutigen Frauen erkämpft, wie auch das Frauenwahlrecht in Deutschland, das es seit 1919 gibt. Das muss im Bewusstsein bleiben, und daran muss erinnert werden“, gibt Angelika Brombacher zu bedenken. Inzwischen ist neben ihr und Elisabeth Engesser, die den Frauenprojektchor gegründet hat und leitet, auch Waltraut Schubert-Freitag vom Kunstforum aktiv bei der Gestaltung des Programms mit dabei.
Viele Organisationen und Vereine gestalten die Frauenwochen
Über die Jahre konnten weitere Organisationen und Vereine zum Mitmachen gewonnen werden. Der Eine-Welt-Laden stellt regelmäßig Frauenprojekte vor, der türkisch-islamische Kulturverein und die Ahmadiyya Gemeinde erlauben einen Blick in ihre Kultur und Religion, das Kunstforum organisiert Ausstellungen von Künstlerinnen, der Heimatverein stellt mutige Frauen in der Geschichte vor, und die Frauen des Internationalen Kreises engagieren sich beim Internationalen Frauenfest. Weltgebetstag und Ökumenische Gottesdienste werden zudem von den beiden Kirchengemeinden organisiert. Die Stadt Weil der Stadt wiederum unterstützt bei Flyern und Plakaten.
„30 Jahre Frauenwochen“ werden unter anderem bei einem Jubiläumsabend (Dienstag, 10. März, 18 Uhr im Klösterle) gefeiert. Dabei wird auch die Ausstellung „Faces of Homes“ eröffnet, die die Situation von Frauen, hauptverantwortlich für nicht bezahlte Care-Arbeiten wie Kindererziehung, Pflege der Eltern oder Haushalt, aufnimmt. Einen Überblick aller Veranstaltungen gibt es unter https://www.weil-der-stadt.de/Frauenwochen.