Aktionswoche in Weinstadt Warum Kinder diese Zwergziegen lieben – und wie Inklusion ganz nebenbei gelingt

Die Kinder sind in die tägliche Pflege der Ziegen involviert. Foto: Gottfried Stoppel

In Weinstadt begegnen sich Kinder mit und ohne Beeinträchtigung beim Füttern und Pflegen von Zwergziegen. Das Projekt „Mosaik“ setzt auf Inklusion – und hat noch mehr vor.

Mit fröhlichem Gemecker wird man als Besucher schon von Weitem begrüßt. Das Empfangskomitee auf dem Außengelände des Kinder- und Familienzentrums am Sonnenhang, kurz Kifaz, sind fünf junge Zwergziegenböcke. Als Zicklein seien sie im September 2022 von einer Ziegenzucht im Schwarzwald nach Weinstadt-Beutelsbach gezogen, berichtet Sabine Salchow. Sie ist die stellvertretende Leiterin des Kifaz, das die Stiftung Großheppacher Schwesternschaft neben ihrem Mutterhaus errichtet hat.

 

Im Herbst 2021 wurde die Einrichtung eröffnet, im Jahr darauf um einen Anbau erweitert. „Die Ziegen waren von Beginn an im Konzept verankert“, erklärt Salchow. Naturnah und tiergestützt sollte die Pädagogik der altersgemischten Gruppe im Kifaz sein. Aktuell würden rund 40 Kinder ab einem Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt betreut. „Die Kinder sind in die tägliche Pflege der Ziegen involviert und reißen sich darum, sie zu versorgen.“

Kinder auf Tuchfühlung mit Ziegen Foto: Gottfried Stoppel

Doch haben Caramell, Brownie, Seker, Schoki und Blacky, wie die Böcke heißen, noch mehr kleine und große Freunde. Zur „Qualitätszeit mit Ziegen“ darf sich jeder, der will, anmelden. „Das Angebot wird gut angenommen“ – so gut, dass es nun auch Teil eines neuen Projekts in Kooperation mit der Diakonie Stetten ist, das jetzt im Rahmen der Aktionswoche „Inklusiv in Weinstadt – bunt und vielfältig“ gestartet ist. Mosaik heißt es. „Ein Mosaik setzt sich aus vielen bunten Steinen zusammen. Und genauso vielfältig und bunt soll auch das Projekt sein“, erklärt Sibylle Kessel von der Öffentlichkeitsarbeit der Großheppacher Schwesternschaft.

Landesförderung stärkt Inklusionsprojekte in Baden-Württemberg

Gemeinsam mit Lena Seibold von der Diakonie Stetten hat sie das Projekt auf den Weg gebracht und erreicht, dass es in das Landesförderprogramm Impulse Inklusion für ein Jahr aufgenommen wurde. Mit dem Programm unterstützt das Sozialministerium seit 2013 Projekte, „die besonderen Modellcharakter für die weitere inklusive Gestaltung Baden-Württembergs haben“, heißt es dazu auf dem Onlineportal des Ministeriums.

Für die jüngste Auflage stellte das Sozialministerium nochmals für 25 Projekte –darunter finden sich auch inklusive Stadtführungen der Stadt Winnenden und ein Vorhaben des Kreisjugendrings Rems-Murr – knapp 386.000 Euro bereit. Davon gingen 8820 Euro an Mosaik.

Bereits in der Vergangenheit habe Seibold mit Klienten der Diakonie Stetten die Ziegen des Kifaz besucht, berichtet Kessel. Daraus sei die Idee für das Projekt Mosaik entstanden. „Damit Mensch mit und ohne Beeinträchtigung sich begegnen können.“ Wobei das Angebot „Zeit mit Ziegen“ an diesem Samstagvormittag, bei dem angemeldete Teilnehmer von 10 bis 12 Uhr die Tiere gemeinsam pflegen, füttern und spazierenführen dürfen. Und auch nach der Aktionswoche geht es weiter. Am 6. Juni können nochmals die Ziegen besucht werden, am 11. Juni steht gemeinsames Tonen auf dem Plan und am 16. Juli wieder Kochen.

Neben dem Projekt Mosaik gab und gibt es diese Woche noch weitere Veranstaltungen zur Aktionswoche. „Das Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Menschen mit Behinderung in Weinstadt zu erhöhen“, sagt Seibold, die sich auch mit dem von ihr initiierten Inklusiven Treff an der Aktionswoche beteiligt hat. In Kooperation mit der evangelischen Gesellschaft, dem Stadtseniorenrat und dem Haus der Jugendarbeit fand das einmal monatlich stattfindende Angebot im Familienzentrum Weinstadt diese Woche in größerem Rahmen mit Spielmobil und einem Trommelworkshop statt.

Gebärdenkurs und Sinneserlebnis: Inklusion hautnah erleben

Der Stadtseniorenrat organisierte zudem einen Schnupperkurs in lautsprachbegleitenden Gebärden in der Columbus-Begegnungsstätte und das Haus der Jugendarbeit bot eine Erfahrungslandschaft für die Sinne, welche die Welt von Menschen mit Behinderung erlebbar machte.

An diesem Freitag, 8. Mai, lädt der Offene Treff „Besonderes Kind“ um 9 Uhr zum Frühstück im Familienzentrum der eva ein. Und am Samstag, 9. Mai, zeigt das Kommunale Kino von 15 Uhr an den Familienfilm „Grüße vom Mars“, der Einblick in den Alltag eines zehnjährigen Jungen mit Autismus gibt.

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