Aktive ETFs Eine neue Alternative für Anleger?
Passive ETFs auf Aktienindizes wie den MSCI World kennt inzwischen jeder. Jetzt kommen auch in Deutschland zunehmend aktive ETFs auf den Markt. Was hinter dem Trend steckt.
Passive ETFs auf Aktienindizes wie den MSCI World kennt inzwischen jeder. Jetzt kommen auch in Deutschland zunehmend aktive ETFs auf den Markt. Was hinter dem Trend steckt.
Angesichts der großen Beliebtheit von ETFs auf große Aktienindizes wie den MSCI World rührt die Finanzindustrie intensiv die Werbetrommel, um die boomende Anlageklasse zu erweitern. Fondsanbieter setzen dabei verstärkt auf Produkte, die in den USA schon seit Jahren florieren, in Europa bislang aber noch keine so große Bekanntheit erlangten: aktive ETFs.
Die Bezeichnung mag zunächst widersprüchlich klingen, da ETFs in Deutschland oft mit passiven Indexfonds gleichgesetzt werden, die einfach der Wertentwicklung eines großen Aktienindex wie dem Dax oder dem Euro-Stoxx folgen. Jedoch steht die Abkürzung ETF eigentlich nur für Exchange Traded Fund und somit für Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden.
Tatsächlich können bei ETFs sowohl passive als auch aktive Anlagestrategien zum Einsatz kommen. Die Abgrenzung zu klassischen Investmentfonds besteht in erster Linie darin, dass diese in der Regel direkt von der jeweiligen Fondsgesellschaft verkauft werden, während ETFs an der Börse erhältlich sind. In diesem Segment haben passive Indexfonds mit Abstand die größte Bedeutung, aber aktive ETFs nehmen zu.
Die Frankfurter Börse zähle 119 solcher Fonds, die insgesamt 22,3 Milliarden Euro verwalteten – ein Zuwachs von 48,5 Prozent im Jahresvergleich, bilanzierte das Geldratgeberportal „Finanztip“ Ende März. Passive ETFs blieben allerdings mit gut 2000 Fonds im Volumen von fast 1,3 Billionen Euro klar überlegen. Laut Daten des Analysehauses Lipper ergibt sich auch europaweit eine klare Dominanz: nur 1,5 Prozent der in ETFs verwalteten Kundengelder entfiel demnach Ende 2023 auf aktive Fonds.
Als großen Vorteil der Produkte für Anleger sehen Fachleute deutlich geringere Kosten. Die Jahresgebühren liegen bei den großen aktiven ETFs zwischen 0,2 und 0,5 Prozent, ähnlich günstig wie bei passiven ETFs, heißt es bei „Finanztip“. Herkömmliche aktive Fonds kassierten oft 1,5 oder gar über 2 Prozent jährlich, dazu kämen Ausgabeaufschläge beim Kauf. Das Geld wandere ins Fondsmanagement und ins Vertriebsnetz der Banken, deren Berater gern diese Produkte anpriesen.
Außerdem gelten börsengehandelte Fonds als transparenter. „Aktive ETFs müssen täglich veröffentlichen, welche Positionen sich im Portfolio befinden, während diese Informationen bei aktiven Fonds nur im Halbjahres- und Jahresbericht vollständig einsehbar sind“, sagt Pay Fahlbusch, der den ETF-Vertrieb von Axa Investment Managers in Deutschland und Österreich leitet. Er hält aktive ETFs für „die perfekte Symbiose von passiven ETFs und aktiv gemanagten Fonds“. Bei den Produkten werde versucht, das „Beste aus zwei Welten“ zu vereinen.
„Im Vergleich zu passiven ETFs ermöglicht ein aktiver ETF eine schnellere und zielgerichtetere Reaktion auf Marktschwankungen und Unternehmensentwicklungen“, sagt Fahlbusch. Innerhalb einer Strategie könnten Umschichtungen vorgenommen werden, um risikoärmere Wertpapiere zu erwerben. „Dadurch könnte ein aktiver ETF möglicherweise besser auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren als ein passiver ETF.“
Das klingt nach den üblichen Argumenten für aktive Anlagestrategien. „Zwischen klassischen Fonds und aktiven ETFs gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede“, meint auch Fahlbusch. Dann stellt sich allerdings die Frage, warum Anleger damit besser fahren sollten als mit Indexfonds. Studien belegen immer wieder, dass Fondsmanager langfristig ganz überwiegend daran scheitern, ihren Vergleichsindex zu schlagen.
Eine Untersuchung von Analysten des US-Finanzriesen S&P Global kommt zu dem Ergebnis, dass 84 Prozent der weltweiten Aktienfonds in Euro, die aktiv verwaltet werden, 2023 schwächere Renditen ablieferten als der Gesamtmarkt. In den vergangenen zehn Jahren waren es sogar fast 98 Prozent.
Haben aktive ETFs bessere Chancen? Laut Axa-Mann Fahlbusch schon – die geringere Kostenbasis könne es Portfoliomanagern ermöglichen, Renditen über dem Marktdurchschnitt zu erzielen. Inwieweit das gelingt, ist aber noch unklar. Ausreichende Daten zur Performance aktiver ETFs gegenüber normalen ETFs gebe es bisher nicht für den europäischen Markt, so das Fazit einer Analyse des Fachportals „justETF“.
Lipper-Experte Detlef Glow hält den Hype zwar für übertrieben, traut den Produkten aber langfristig einiges zu: „Ich glaube, dass aktive ETFs einer der großen Wachstumstreiber für die europäische ETF-Industrie werden – aber wir stehen noch am Anfang“.
Kunden sollte in jedem Fall klar sein, dass das ETF-Label ob des schier unaufhaltsamen Siegeszugs der – in aller Regel passiv investierenden – europäischen ETF-Branche ein lukratives Marketinginstrument ist. Aufgrund der weitläufig positiven Einstellung ließen sich Fonds damit oft besser vermarkten, resümieren die Experten von „justETF“. So verwundert es nicht, dass Fondsanbieter versuchen, auch mit aktiven Produkten vom Boom der Anlageklasse zu profitieren.