Aktivspielplatz in Bad Cannstatt Vorgarten versus Gartenprojekt

Von Julia Bayer 

Zwischen dem Abriss geweihten Häusern der SWSG und dem Aktivspielplatz auf dem Hallschlag ist ein Grünstreifen, für den sich nie jemand interessiert hat. Nun wollen ihn beide Anrainer. Die Stadt steht zwischen den Stühlen und muss eine Entscheidung fällen.

Die SWSG will nach dem Abriss ihrer alten Häuser (links) für Neubauten einen Teil der Grünfläche kaufen,  der  Aki (rechts) würde sie gerne  komplett nutzen dürfen. Foto: Julia Bayer
Die SWSG will nach dem Abriss ihrer alten Häuser (links) für Neubauten einen Teil der Grünfläche kaufen, der Aki (rechts) würde sie gerne komplett nutzen dürfen. Foto: Julia Bayer

Bad Cannstatt - Bislang hat keine der beiden Parteien den Grünstreifen wirklich genutzt. Nun wollen ihn sowohl der Aktivspielplatz (Aki) Dracheninsel als auch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Es geht um das städtische Grundstück zwischen dem Aki an der Rostocker und den – dem Abriss geweihten – Häusern der SWSG an der Lübecker und Dessauer Straße. Im März hatte die Wohnungsbaugesellschaft ihre Neubaupläne präsentiert, für die sie ein Stück des Grünstreifens bräuchte, über den sich vorher anscheinend niemand Gedanken gemacht hat. Nun wollen ihn beide Anrainer.

Auf dem Aktivspielplatz gehe es schon lange viel zu eng zu, sagt Katja Brode vom Aki-Team. „Wir sind eine der kleinsten Einrichtungen, aber haben die meisten Kinder“, sagt die Sozialpädagogin. Lange sei die Nutzung des Grünstreifens durch den Aki kein Thema gewesen, sagt Brode. Die SWSG hatte ihn gepflegt und das Aki-Team die Fläche daher intuitiv eher dem Häusergrundstück zugeordnet – bis die Mitarbeiter im März von den Plänen der SWSG erfuhren. Als klar wurde, dass die Fläche der Stadt gehört und zudem dem Gemeinbedarf gewidmet ist, wurde das Aki-Team aktiv. Im Sommer hat es ein Grillfest auf der Fläche organisiert und bereits ein erstes Hochbeet aufgestellt. Nun träumen die Mitarbeiter von einem richtigen Gartenprojekt für die Bewohner des Hallschlags, mit Beeten und einer Hütte für Gartengeräte. Dass ein dem Gemeinwesen gewidmetes Grundstück zu Gunsten von Wohnungsbau verkauft werden soll, bereite ihr Bauchschmerzen, sagt Brode, „vor allem weil Grünflächen hier im Wohngebiet ohnehin fehlen“.

SWSG will von 75 auf 94 Wohnungen erweitern

Die SWSG hingegen beharrt auf ihren Neubauplänen. Erst als der Siegerentwurf bereits gekürt war, fiel auf, dass für die neuen Häuser rund 260 Quadratmeter des Grünstreifens benötigt werden. Um die geht es bei den Verhandlungen mit der Stadt. Um „dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, ist es besonders wichtig, genau dieses bislang ungenutzte Stück Land, für das sich auch der benachbarte Aki nie interessiert hat, an die SWSG zu übertragen“, schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Statt der bisher 75 Wohnungen, in denen noch bis September 2016 Flüchtlinge untergebracht sind, sollen 94 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 6479 Quadratmetern entstehen. Das letzte Wort hat die Stadt. Sie müsste den Verkauf an ihr Tochterunternehmen tätigen und im Bebauungsplan anpassen, dass das Flurstück auch für Wohnungsbau genutzt werden darf – entweder durch eine aufwendige Änderung des Plans oder eine schneller durchsetzbare Ausnahmegenehmigung. Die Entscheidung sollte am vergangenen Mittwoch fallen. Doch auch innerhalb der Verwaltung ist man sich offenbar uneins. „Die Frage, ob das Grundstück an die SWSG verkauft oder an den Aki vermietet wird, muss noch mit anderen Ämtern abgestimmt werden“, sagt Doris Rüdiger vom Liegenschaftsamt. Die Entscheidung soll aber noch dieses Jahr fallen.

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