Aktuelle Betrugsmaschen in Stuttgart Täter setzen auf Überrumpelungstaktik

Von  

Nach Wellen von Anrufen der sogenannten Enkeltrickbetrüger und der falschen Polizeibeamten geben diese Tätergruppen zurzeit Ruhe. Dafür melden Stuttgarter, dass angebliche Computerfirmen versuchen, an ihr Geld zu kommen.

Die Polizei rät, nie auf Geldforderungen am Telefon einzugehen. Foto: dpa
Die Polizei rät, nie auf Geldforderungen am Telefon einzugehen. Foto: dpa

Stuttgart - Damit hat der Anrufer nicht gerechnet: Eine 72-jährige Stuttgarterin hat den mutmaßlichen Betrüger am Telefon nach Strich und Faden ausgequetscht und dann aufgelegt. Unter anderem erklärte sie dem Fremden, ihr Essen stehe auf dem Herd. „Da wurde der auch noch frech und sagte, ich solle mein Essen stehen lassen“, berichtet sie. Der Anrufer wollte sie „auf Englisch mit indischem Akzent“, wie sie sagt, überreden, ihren Rechner anzuwerfen und „irgendeine Buchstaben- und Zahlenkombination“ einzugeben. Er sei Mitarbeiter des Technical Departments von Microsoft in Kalifornien – mal in San Francisco, mal in Los Angeles.

Die Frau hat mit ihrer resoluten Abwehrtaktik und ihrem Spürsinn für linke Touren verhindert, dass ein Betrüger ihr Geld aus der Tasche zieht. Zwei Anrufe dieser Art habe sie in den zurückliegenden Tagen erhalten, sagt sie unserer Zeitung. „Da will ich doch andere davor warnen.“

Auch bei einem Stuttgarter Juristen, der sich bei der Redaktion meldete, bissen die Betrüger auf Granit. „Da sind die an den Falschen geraten“, schildert er.

Die angeblichen Computerexperten wollen 100 bis 200 Euro

Der Polizei ist die Masche bekannt. Die Anrufer, die meist im Ausland sitzen, wollten erreichen, dass ihr potenzielles Opfer sie mittels Programmen auf ihren Rechner lasse. „Diese Programm ermöglichen es, dass jemand über das Internet auf dem Rechner arbeitet“, erläutert der Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Büromitarbeiter kennen solche Programme, mittels derer zentrale IT-Serviceabteilungen Softwareprobleme lösen. Das tun zu wollen, geben auch die betrügerischen Anrufer vor. „Sie sind nicht auf das ganz große Geld aus, sondern auf kleine Beträge“, sagt der Polizeisprecher. Die angeblichen Microsoftleute am anderen Ende der Leitung erzählen etwas von Problemen auf dem Rechner. „Sie klicken ein paar Mal auf dem Bildschirm umher“, sagt Tomaszewski, und sie fordern dann Beträge zwischen 100 und 200 Euro für ihren angeblichen Service.

Für die Polizei ist das eine altbekannte Masche. Die Anrufe würden aber nicht, wie die der Enkeltrickbetrüger oder der falschen Polizeibeamten, in wahren Wellen über die Stadt hereinbrechen. „Das tröpfelt mehr so vor sich hin“, sagt der Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Im Lagebild der Polizei sind seit Wochen täglich derlei Anrufe verzeichnet. Im Schnitt sei es einer pro Tag, am vergangenen Samstag hätten Bürger vier Anzeigen erstattet.

Die Anrufer agieren meist aus dem Ausland

Die Polizei hat Schwierigkeiten, den Anrufern auf die Spur zu kommen, geschweige denn sie zu fassen: Meist würden sie wohl aus dem Ausland agieren und haben auch dort ihre Rechner stehen. Sie schalten deutsche Telefonnummern auf. Ihre Anrufer hätten Nummern aus Rheinland-Pfalz und Hessen verwendet, fand die Seniorin aus Gablenberg heraus. Die Anschlüsse existieren meist nicht. „Call ID Spoofing“ nennen Ermittler diese Methode, die Herkunft des Anrufs zu verschleiern.

Im Gegensatz zu den Enkeltrickbetrügern und den falschen Polizisten ist der Spuk der betrügerischen Computerleute nicht nach ein paar Wochen vorbei. Wer sich mit dem Enkeltrick als Verwandter gegenüber älteren Mitbürgern ausgibt, schickt später einen Boten vorbei, um Geld oder Wertsachen abzuholen. Die Anrufer geben vor, in einer Notlage zu sein oder Geld für einen Immobilienkauf zu brauchen. Die falschen Polizisten behaupten unter anderem, sie müssten wegen Einbrechern Geld und Wertsachen überprüfen oder in Sicherheit bringen. „Nach ein paar Wochen sind dann entweder die Bürger in einer Stadt vorgewarnt, oder wir haben einen Boten festgenommen. In beiden Fällen lassen die Anrufe in der Stadt dann nach, und sie häufen sich in der nächsten, wo dann auch die Boten hingeschickt werden“, erläutert Polizeisprecher Tomaszewski. Die Hinterleute sitzen ebenfalls oft im Ausland.

Die Maschen sind inzwischen zwar weithin bekannt, doch immer wieder legen Betrüger ihre Opfer damit herein. „Die Kollegen von der Kripo berichten, dass die Leute es selbst kaum glauben können, auf die Tricks reingefallen zu sein. ,Ich habe davon gelesen, aber ich war so durcheinander’, das hören die Ermittler häufig“, sagt Tomaszewski. „Die Täter setzen auf eine Überrumpelungsstrategie und reden so viel, dass man nicht mehr zum Denken kommt“, fügt er hinzu.

Sonderthemen