Alain Delon, das war und ist der eiskalte Engel, der im gleichnamigen Film Auftragsmorde erledigt. Am Montag wird Delon 75 Jahre alt.

Stuttgart - Einem wie ihm zum Geburtstag gratulieren, ist gar nicht so einfach. Zu sehr sind dieser Franzose und seine Filme eins geworden. Zu deutlich ist dieser Beau mit den leuchtend blauen Augen und dem lässig gescheitelten Haar als frostiger Flic oder kühler Killer in Erinnerung, als dass man unbefangen "Happy Birthday" trällern könnte. Bei einem Mann seines Kalibers verbieten sich Vertraulichkeiten, scheint ein gewisser Sicherheitsabstand ratsam. Alain Delon, das war und ist eben erst einmal der eiskalte Engel, der im gleichnamigen Film mit Trenchcoat, hochgeschlagenem Kragen und Hut Auftragsmord nach Auftragsmord erledigt und mit der gleichen roboterhaften Präzision in der Pariser Metro schließlich auch dem eigenen Leben ein Ende setzt. Der große Durchbruch war das Jahr 1967 für den von Männern wie Frauen begehrten Star, der sich zuvor bereits in "Nur die Sonne war Zeuge" oder "Rocco und seine Brüder" als Leinwandmörder erprobt hatte.

Und Delon, der am Montag 75 Jahre alt wird, hat ja auch wenig getan, um den Verdacht zu entkräften, er sei auch privat der Einzelgänger, der Dunkelmann. Er brüstete sich seiner Kontakte zu den Gangsterkreisen von Paris und Marseille, geriet nach dem gewaltsamen Tod seines Leibwächters unter Mordverdacht, engagierte sich wenig zimperlich für Jean-Marie Le Pens rechtsradikale Nationale Front. Der Weg vom nahe Paris gelegenen Elternhaus in den Filmolymp eines Luchinon Visconti, Michelangelo Antonioni oder Jean-Luc Godard wäre ohne raue Schale wohl auch kaum zu bewältigen gewesen.

"Ich habe alles genossen, alles gehabt, alles gesehen"


Nach der Scheidung der Eltern wuchs Alain Delon in einer Pflegefamilie auf. Als "schwieriges Kind" flog er ein halbes Dutzend Mal von der Schule. Mit 17 Jahren zog er als Fallschirmspringer in den Indochina-Krieg. Nach der Rückkehr jobbte er in Pariser Markthallen, nahm nebenher Schauspielunterricht. Sicherlich gab es da auch noch ganz andere Auftritte. In "Christine", der Verfilmung von Arthur Schnitzlers "Liebelei", zeigte Delon erstmals, dass er keineswegs nur zum kalten Kriminellen taugt. Der leidenschaftlichen Leinwandromanze mit Romy Schneider folgte die wirkliche. Vier Jahre lang belebte das Traumpaar den Boulevard. Aber auch wenn die Kritik den Ausflügen in komplexere Gefühlswelten applaudierte, es waren eben nur Ausflüge.

Gewiss, kürzlich fielen diese gar nicht markigen Worte von Alter, Einsamkeit, Traurigkeit und Tod. Das Magazin "Paris Match" hat sie kolportiert. Auch trat der Franzose als Kunstliebhaber ins Rampenlicht, der seine Sammlung alter Zeichnungen zu Lebzeiten veräußerte, weil ihm die Vorstellung einer posthumen Versteigerung ein Graus ist. Aber Delon rückte die Dinge dann schnell wieder zurecht. "Eine Zeichnung ist für mich wie eine Frau, ich sehe sie, sie gefällt mir, ich will sie", sagte der in den Ruch des Kunstfeingeists Geratene und: "Ich habe alles genossen, alles gehabt, alles gesehen, ich mache mit dem Leben Schluss, wann es mir passt." Da war sie wieder, die Rolle seines Lebens, der Mann, der dem Tod furchtlos begegnet, wo auch immer.