Alarmierendes Defizit 63 Millionen Euro im Minus bei Klinikverbund
Für 2025 rechnet der Klinikverbund Südwest mit einem horrenden Minus von knapp 63 Millionen Euro. Die dramatischen Zahlen versetzen die Kreistagsmitglieder in Böblingen in Sorge.
Für 2025 rechnet der Klinikverbund Südwest mit einem horrenden Minus von knapp 63 Millionen Euro. Die dramatischen Zahlen versetzen die Kreistagsmitglieder in Böblingen in Sorge.
Die Finanzlage des Klinikverbund Südwest ist unverändert dramatisch. Wie der Geschäftsführer des Klinikverbunds (KVSW), Alexander Schmidtke, am Montagnachmittag im Kreistag in seinem Jahresbericht zur Entwicklung des KVSW erklärt, befinde sich dieser auch in 2025 in tiefroten Zahlen.
Nachdem das Minus im Wirtschaftsplan 2023 bei 46,6 Millionen Euro lag, stieg es 2024 auf 54,5 Millionen Euro an. Für dieses Jahr kalkuliert der Geschäftsführer mit einem noch größeren Defizit, und zwar mit 62,8 Millionen Euro im Wirtschaftsplan.
Seit Jahren kämpft der Klinikverbund mit dramatischen Zahlen. Im vergangenen Jahr erhielt er von den beiden Trägern, den Landkreisen Böblingen und Calw, die Zusage, die wirtschaftliche Schieflage finanziell abzufedern. Auf die beiden Kreise aufgespalten ergibt sich folgendes Bild: Die Kliniken im Kreis Böblingen – Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg – verbuchen ein Minus von rund 43 Millionen Euro. Die beiden Standorte im Nachbarlandkreis, Calw und Nagold, weitere rund 20 Millionen Euro. Landrat Roland Bernhard ordnet bei der Einführung zum ersten Tagesordnungspunkt „Jahresbericht des KVSW“ die Lage so ein: „Das Minus allein in unserem Kreis beträgt über 40 Millionen Euro. Unser Ziel, bis 2030 den Klinikverbund in Richtung schwarze Null zu bringen, könnte knapp werden. Die Weichen sind aber gestellt und die Kliniken durch das Medizinkonzept insgesamt gut für die Zukunft aufgestellt.“
Bis das Medizinkonzept an den vier Klinikstandorten im Kreis Früchte trage, könne es aber noch einige Jahre dauern, deutet Alexander Schmidtke an. Um dem Kreistag die wachsende finanzielle Schieflage an einem konkreten Beispiel zu zeigen, wählte Schmidtke eines aus dem Klinikalltag: „Die Behandlungen in den Notaufnahmen unserer Kliniken nehmen stetig zu. Für jeden Patienten, den wir dort untersuchen, entsteht ein Minus von 100 Euro. Bei 154 000 Notfällen im Jahr 2024 landen wir alleine schon damit bei einem wirtschaftlichen Defizit von 15 Millionen Euro pro Jahr. Hier muss sich etwas ändern“, sagt Schmidtke in Richtung der Bundes- und Landespolitik sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Mit der Ankündigung der KVBW, ab November 2025 die Notfallpraxis Herrenberg zu schließen, rechne man mit einer weiteren Zunahme der Notfallpatienten. Ebenfalls negativ ins Kontor schlagen Inflation und Tarifsteigerungen.
Ganz schwarz wollte der seit zweieinhalb Jahren an der Spitze stehende Geschäftsführer die Situation im Klinikverbund allerdings nicht. Dafür gebe es mit den bereits vorgenommen Weichenstellungen einige Hoffnungsschimmer. „Mit dem Medizinkonzept, durch das wir das Klinikangebot ausdifferenzieren und damit auch zukunftsfest machen, machen wir einen Schritt in die richtige Richtung. Denn eines ist klar, kleinere Krankenhäuser sind durch die schwierigen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Auch deshalb müssen wir Synergien schaffen und Doppelstrukturen abschaffen“, so Schmidtke im Hinblick auf das neu entstehende Flugfeldklinikum zwischen Böblingen und Sindelfingen und die Umstrukturierung Herrenbergs zu einem integrierten Gesundheitszentrum.
Langfristig positiv zu bewerten in Bezug auf die wirtschaftliche Konsolidierung sei auch das Ergebnisverbesserungsprogramm, das Einspar- und Optimierungspotenziale in den Klinikstrukturen überprüft. „Das Ergebnisverbesserungsprogramm mit einem Potenzial von 60 Millionen Euro wird seit 2023 umgesetzt. 2024 konnten 17,627 Millionen Euro verwirklicht werden. Für 2025 sind circa 15 Millionen Euro eingeplant“, betont Schmidtke. In der Kritik dagegen stehen die Personalkosten. I
Im Vergleich zu anderen Klinikverbünden verbuche der KVSW mit seinen 75 Prozent an den Gesamtkosten des Krankenhauses nach Ansicht vieler Kreisräte einen zu hohen Wert. Auch der Landrat formuliert deutlich: „Es darf keine heiligen Kühe geben, auch nicht bei den Chefärzten.“ Alexander Schmidtke entgegnet: „Für Böblingen und Sindelfingen, die zusammen ein Minus von 22 Millionen Euro erwirtschaften, sehe ich nicht mehr viel Einsparmöglichkeiten. Für Kliniken dieser Größenordnung stehen wir im Vergleich nicht so schlecht da. Das wird sich mit der Zusammenlegung ohnehin verbessern.“
Trotz zahlreicher Sorgenbekundungen – der Geschäftsführer und seine Direktoren in den einzelnen Kliniken erhalten auch Unterstützung. „Sie haben die Rückendeckung von uns allen. Sie und all Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort leisten Hervorragendes, um das Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten und die Versorgung von fast 500 000 Menschen zu gewährleisten. Wir wissen auch, wie schwierig die Rahmenbedingungen mittlerweile geworden sind“, unterstreicht Landrat Bernhard.
Gerade deshalb schicken die Vertreter der Fraktionen eine klare Botschaft an die Landes- und Bundespolitik. „Wenn die Gesundheitsversorgung in den Kommunen und den Kreisen weiterhin stattfinden soll, müssen Bund und Länder mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen“, sagt Florian Glock, Vorsitzender der FDP im Kreistag.