Alb-Fils-Klinikum eröffnet Klinikneubau nach sechs Jahren Bauzeit eingeweiht
MIt Musik, Sekt und Feuerwerk ist der Klinikneubau in Göppingen seiner Bestimmung übergeben worden. 380 Millionen Euro sind investiert worden.
MIt Musik, Sekt und Feuerwerk ist der Klinikneubau in Göppingen seiner Bestimmung übergeben worden. 380 Millionen Euro sind investiert worden.
Kurz nach 14 Uhr fährt der Rettungswagen vor. Mit Blaulicht und Martinshorn. Zwei Sanitäter springen heraus, fahren die Liege aus dem Wagen und bringen sie ins Foyer des Klinik-Neubaus. Der erste Patient, der im neuen Krankenhaus am Eichert „versorgt“ wird, ist aus Holz. Es ist der symbolische Schlüssel, den Architekt Manfred Ehrle an die Geschäftsführer des Alb-Fils-Klinikums, Ingo Hüttner und Wolfgang Schmid, übergibt.
Dann wird es feierlich, es gibt Musik und Feuerwerk, dann wird das rote Band durchschnitten. Der Klinik-Neubau ist nach sechs Jahren Bauzeit eingeweiht, im Beisein von 450 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Kooperationspartnern und Mitarbeitenden, die den langen Prozess seit den ersten Überlegungen begleitet haben.
„Eine 15-jährige Geschichte geht zu Ende“ – mit diesen Worten begann Landrat Edgar Wolff seine Rede. Eine Zeit, die so manche Wendung, manche Überraschung und manchen Rückschlag bereithielt. „Doch jetzt können wir uns über die Fertigstellung einfach nur freuen, das ist ein großer Tag für das Alb-Fils-Klinikum und ein großer Tag für uns alle“, betonte Wolff.
Zunächst habe niemand einen Neubau auf dem Schirm gehabt. Die Kreisräte hätten sich schließlich im Jahr 2012 die Entscheidung Sanierung oder Neubau nicht leicht gemacht, blickte der Landrat zurück. Letztlich sei der Beschluss „einstimmig und mutig“ pro Neubau gefallen.
Wolff sprach „von einer der größten Investitionen des Landkreises ever“. 380 Millionen Euro fließen in das Mammutprojekt, 500 Millionen Euro kostet der gesamte Gesundheitscampus mit Klinikneubau, Ärztehaus, Bildungszentrum, Personalwohnungen, Kindertagesstätte und Parkhaus.
„Die neue Klinik ist aber nicht nur ein Gebäude, sondern bietet eine in Stein und Glas gefasste erstklassige Gesundheitsversorgung“, machte der Landrat deutlich. Als erstes Green Hospital in Baden-Württemberg setze das Alb-Fils-Klinikum zudem neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit.
Wolff sieht in dem medizinisch-pflegerisch wie auch architektonisch hochmodernen Krankenhaus einen Gewinn für die Bürger des ganzen Landkreises, sieht aber den Gesundheitsstandort Helfenstein in Geislingen nach der umstrittenen und für viele Menschen schmerzhaften Schließung der Helfenstein-Klinik auf einem guten Weg: „Der Standort Geislingen hat eine gute Perspektive und eine Bedeutung für diese Raumschaft.“
Bei aller Freude über die Fertigstellung des Gebäudes sieht der Landrat jetzt die Geschäftsführung in der Pflicht, die Klinik auch erfolgreich zu führen. „Die Defizite sprengen den Rahmen unseres Kreishaushalts und überfordern unsere Gemeinden“, sagte Wolff. Auch der designierte Landrat Markus Möller, der ebenfalls zu Gast war, hatte bereits angekündigt, das dicke Minus nicht dauerhaft hinnehmen zu wollen. Moderator Ralf Currle warf ein, dass hier zumindest nicht an Qualität, Zuspruch und Herzlichkeit gespart werde, „vielmehr sei die neue Klinik ein Haus mit Herz, wo die Menschen gesund werden sollen“.
Das sah auch Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) so: „Der medizinische Fortschritt ist super, aber Empathiefähigkeit und Zuwendung sind das Wichtigste.“ Lucha sprach „von einem der größten Bauprojekte im Land, und diese wollen im besten Sinne erkämpft, erstritten und erarbeitet sein“. Die Entscheidung pro Neubau und letztlich für die Zusammenlegung der Standorte sei richtig gewesen, mit dieser Strategie habe das Land Baden-Württemberg im Übrigen der notwendigen Krankenhausreform vielerorts auch vorgegriffen. Dass solche Einschnitte immer mit Emotionen einhergehen, könne er nachvollziehen, letztlich müsse aber die Vernunft das bestimmende Kriterium sein. Lucha nannte den Tag der Einweihung „einen Festtag für das ganze Land Baden-Württemberg“.
Das „Junge Ensemble“ unter der Leitung von Jessica Eckhoff lockerte das Programm auf und sorgte für mehrere Gänsehautmomente an diesem Nachmittag. Ingo Hüttner, Medizinischer Geschäftsführer des Alb-Fils-Klinikums, bezeichnete die neue Klinik als „Meilenstein für unsere Medizinstrategie“. Dann gab er einen kurzen Einblick in den Neubau, bevor sich die Gäste bei einem Rundgang selbst ein Bild verschaffen konnten. Die Klinik zeichne sich durch modernste medizinische Technologie, eine patientenorientierte Versorgung und innovative technische Details aus.
Die Architektur und das Design des Gebäudes seien darauf ausgerichtet, den Heilungsprozess der Patientinnen und Patienten bestmöglich zu unterstützen. Der Neubau biete kürzere Wege und modernste Ausstattung. „Die Rahmenbedingungen ab der Inbetriebnahme des Neubaus sind einmalig in Baden-Württemberg“, sagte Hüttner. Der wohl zukunftsträchtigste und gleichzeitig modernste Neubau, gekoppelt mit dem Zugang zu ambulanten Patienten durch das klinikeigene MVZ im neuen Ärztehaus und der medizinischen Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bringe die Gesundheitsversorgung im Landkreis auf ein neues Niveau. „Wir blicken voller Freude und Zuversicht auf den Umzug Anfang Juli und werden diese einmalige Chance gemeinsam nutzen“, sagte Hüttner.
Der kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Schmid nutzte die Gelegenheit, auf die nicht auskömmliche Finanzierung des Krankenhauswesens hinzuweisen. „Wir wollen das Bittstellerwesen endlich beendet wissen“, forderte er die Abgeordneten im Foyer auf. Er blickte zurück auf unzählige Sitzungen und jede Menge Schriftverkehr, am Ende stehe nun ein Neubau, der in Sachen Funktionalität, Ausstattung und Digitalisierung Maßstäbe setze. „Jetzt sollte nur noch der Abbruch des Altbestandes erfolgen“, lautet sein Wunsch. Architekt Manfred Ehrle sagte: „Das war ein Marathonlauf. Wir haben alle geschwollene Beine und freuen uns über den Zieleinlauf“, sagte er.