Alb-Fils-Klinikum Göppingen Das Pillensortieren übernimmt ein Automat

Der Pillen-Abfüllautomat „Proud 336“ im Untergeschoss ist der ganze Stolz des neuen Alb-Fils-Klinikums.​ Foto: Giacinto Carlucci

„Unit-Dose-Automaten“ gibt es in Deutschland nur zwei Stück. Einer steht jetzt im Neubau des Alb-Fils-Klinikums in Göppingen. „Proud 336“ füllt demnächst die „festen Arzneimittel“ – also Tabletten und Kapseln – in Tütchen, die dann zum Patienten gelangen.

„Lachen ist die beste Medizin“, heißt ein Sprichwort. Und: „Zum Lachen gehen die Schwaben in den Keller“, lautet ein anderes. Im Neubau des Alb-Fils-Klinikums in Göppingen lässt sich beides vereinen: Dort gibt es einen Keller – und da darf gelacht werden. Denn dort steht der ganze Stolz der Apotheker-Abteilung: der „Unit-Dose-Automat“, ein Pillen-Abfüllautomat – einer von zwei in ganz Deutschland.

 

Der japanische Hersteller Yuyama nennt das Modell „Proud“ – also „Stolz“. Proud hat es von der Maschinenfabrik in Osaka bis ins erste Untergeschoss der neuen Klinik nach Göppingen geschafft. Und dort tut er demnächst Dienst. „Proud 336“, so sein voller Name, füllt dann die „festen Arzneimittel“ – also Tabletten und Kapseln – in Plastiktütchen, die zunächst auf dem Tisch und später im Magen der Patienten landen. 336 mit verschiedenen Tabletten und Kapseln gefüllte Kassetten haben Platz in der Wundermaschine.

Ein Tütchen für jede Pille

Jede Pille kommt in ein kleines, sieben mal sieben Zentimeter großes Tütchen, jedes Mal ist der Patientenname aufgedruckt, und Hinweise auf den Beipackzettel in Form eines mit dem Smartphone lesbaren QR-Codes auch. Wer also genau wissen will, was er schluckt, kann nicht nur die Ärzte und Apotheker in der Klinik fragen, sondern auch sein Telefon, erklärt Julia Mayer, Fachapothekerin für Klinische Pharmazie am Alb-Fils-Klinikum. Proud zaubert auch ein Lächeln auf Mayers Gesicht. Nicht nur, weil Lachen die beste Medizin ist, sondern weil Proud die Arbeit zügig und sicher erledigt.​

Der Automat hat noch eine kleine „Kollegin“ im Unit-Dose-Raum, ein Tablett mit vielen Mulden, in das Mayers Kollegen die Medikamente einfüllen, die nicht so oft gebraucht werden, wie die 336 gängigsten Pillen in der großen Proud. Ist das Tablett bestückt, kommt es in ein Fach des Abfüllautomaten, der die Tabletten dann in die Patiententütchen füllt. Das Ganze funktioniert immer mit doppeltem Boden, schon das Befüllen des Tabletts wird von einer Kamera überwacht, und auch die abgefüllten und verschweißten Pillentütchen werden noch einmal von einer Kamera kontrolliert.

Die nötigen Informationen, also welcher Patient wann, welche Pille bekommen soll, holt sich der Computer, der die Proud steuert, aus der elektronischen Patientenakte, die es am Eichert schon seit 2015 gibt. Allerdings gebe es noch Krankenhäuser, die die nicht haben, sagt Mayer.

Da sind die Göppinger schon jetzt weiter – und im Neubau mit der kühlschrankgroßen Pillen-Abfüllmaschine dann endgültig ihrer Zeit voraus. In dem kamerakontrollierten Tablett zum händischen Einsortieren leuchtet immer das Fach auf, in das eine Pille hinein gehört. Die ganze Technik erinnert an die bunte Welt des Raumschiffs Enterprise, das im Film in der Zukunft unterwegs ist. Die Zukunft in Göppingen steht im Untergeschoss, der Herr der Pillen und aller anderen Arzneien heißt aber nicht, wie im Raumschiff Enterprise, Dr. McCoy, genannt „Pille“, sondern Andreas Werner.

Auch der Klinik-Chefapotheker ist von dem Automaten aus Japan angetan, arbeitet mit seinem Team aber auch nah am Patienten. Die Klinik-Apotheker sind als „Stationsapotheker“ auf den Stationen unterwegs, überwachen und prüfen dort die Medikamenteneinnahme. Und sie beraten die Ärztinnen und Ärzte, weisen zum Beispiel auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hin oder helfen bei der Auswahl geeigneter Antibiotika. „Ein sinnvolles Extra“, nennt Werner das, es bringe mehr Sicherheit für die Patienten.

Tresor, Reinräume​ und der Eröffnungstermin

Sicherheit
 Neben dem „Proud“-Abfüllautomaten, dem neuen Star von der japanischen Pazifikküste, gibt es auch „klassische“ Technik in der neuen Klinikapotheke. Reinräume für die Herstellung von speziellen Medikamenten vor Ort, von Salben bis zu Mitteln für die Chemotherapie. Ein begehbarer Medikamenten-Tresor ist auch da, vor allem für Morphin und Fentanyl-Schmerzmittel, die wirklich nur Schmerzpatienten dienen sollen. Im Tresor gibt es ein Telefon, falls mal jemand versehentlich eingeschlossen wird. Angesichts der dicken Tresorwände ein altmodisches, aber verlässliches Festnetzgerät.​

Countdown
 Am 15. Mai findet die offizielle Eröffnungsfeier des Klinik-Neubaus in Göppingen mit dem Landesgesundheitsminister Manfred Lucha statt – zwölf Jahre nach dem Baubeschluss für das Gebäude. Einen Tag später gibt es dann ein Mitarbeiterfest, der Tag der offenen Tür für die Bevölkerung ist für 24. Mai geplant. Der Umzugstermin in den Neubau ist für den 5./6. Juli vorgesehen.​ 

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