Alb-Fils-Klinikum in Göppingen Finanzspritze verkleinert Krankenhaus-Defizit

Das neue Alb-Fils-Klinikum in Göppingen ist seit einer Woche in Betrieb. Der Bund unterstützt die Krankenhäuser bei den Betriebskosten mit einer Finanzspritze von vier Milliarden Euro. Foto: Staufenpress

Der Bund will den Krankenhäusern zeitnah finanziell unter die Arme greifen. Nun steht die Summe fest, mit der das Göppinger Alb-Fils-Klinikum rechnen kann.

Bei ihrem Besuch in Göppingen vor einer Woche hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt, dass der Bund den Krankenhäusern bei den Betriebskosten mit vier Milliarden Euro zeitnah unter die Arme greifen will. Ein Schritt, der im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgezurrt wurde. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat nun mit der Haushaltseinbringung diese Summe für die Kliniken finanziell bestätigt. Hintergrund sind die großen Defizite, mit denen viele Häuser kämpfen. Auch das Alb-Fils-Klinikum in Göppingen beschreitet seit Jahren den Pfad der Konsolidierung und versucht, aus dem dicken Minus herauszukommen. Ein Minus, das den Kreishaushalt belastet.​

 

Auf die Ankündigung des Bundes, hier mit einer schnellen Finanzspritze zu helfen, reagieren Kreispolitiker entsprechend positiv. „Die nun beschlossene Soforthilfe des Bundes für die Krankenhäuser verschafft uns im Göppinger Kreishaushalt 2026 eine spürbare Verbesserung trotz weiterhin angespannter Lage. Denn das Klinik-Defizit kann damit im Wirtschaftsplan 2026 voraussichtlich deutlich reduziert werden“, folgert die SPD-Kreistagsfraktion. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Aufsichtsrätin Susanne Widmaier sagt: „Die vehementen Forderungen seitens des Kreistages nach einer Kompensation der Klinik-Kostensteigerungen seit 2022 sind damit von der Bundesregierung angegangen. Und das Geld kommt direkt aus Bundesmitteln.“

Rechnungsaufschlag von 3,45 Prozent

Was bedeutet diese Soforthilfe konkret für das Alb-Fils-Klinikum? „Ausgangspunkt ist ein ‚Rechnungsaufschlag‘ von 3,45 Prozent über zwölf Monate ab dem 1. November 2025 für alle Rechnungen, welche die Kliniken an die gesetzlichen Krankenversicherungen stellen“, heißt es in einer Mitteilung der SPD-Fraktion. Und dafür stehe der Bundeshaushalt eben mit vier Milliarden aus dem Sondervermögen ein. Dies bedeute für Göppingen, dass mit einem Anteil in mittlerer einstelliger Millionenhöhe für 2026 zu rechnen ist, der zum geringeren Teil auch schon für 2025 ausbezahlt werde.

Konkret rechnet der stellvertretende Fraktionschef Peter Hofelich mit rund vier Millionen Euro für die Göppinger Klinik. Hofelich spricht von „einem kräftigen Schub“, das Geld verschaffe etwas Luft, um die nächsten Schritte der Krankenhausreform ruhiger angehen zu können. Er macht auch deutlich, dass es mit der Finanzspritze allein nicht getan sei, „es muss sich auch im System nachhaltig etwas ändern“. Hofelich: „Für den Landkreis Göppingen bedeutet dies, dass wir uns mit dem bezogenen Neubau und der Entlastung durch Berlin nun einer verbesserten Erlös- und Umsatzlage voll zuwenden sollten und uns die Zentrallage zwischen Stuttgart und Ulm dabei sicher hilft. Die Erbringung der kreispolitisch geforderten Effizienz-Rendite des Neubaus rückt damit in den Vordergrund.“ Die „kräftige Finanzspritze“ des Bundes führe zu einer Ergebnisverbesserung beim Alb-Fils-Klinikum. „Diese soll hoffentlich ungeschmälert dann dem Kreishaushalt zugutekommen, der für die Klinik-Deckungslücke einsteht“, ist die Forderung der Sozialdemokraten.

Zeit für nachhaltigen Umbau der Kliniklandschaft

Kreisrat und Aufsichtsrat Eberhard Keller sagt: „Neben dem politischen Erfolg verschafft dies Liquidität und Entlastung.“ Klar sei aber auch: Nicht alle seit 2022 aufgelaufenen Defizite seien damit abgedeckt. Und: „Die mittelfristige und anhaltende Wirkung muss nun auch die Umsetzung der Lauterbachschen Krankenhausreform bringen. Göppingen ist hier mit Klinik-Neubau und Zusammenlegung vorangegangen.“ Auch wenn nun Zeit für einen nachhaltigen Umbau der Krankenhauslandschaft gewonnen sei, dürfe der Umbau nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden, warnt SPD-Fraktionschef Benjamin Christian.

„Der Landkreis Göppingen – als Alleingesellschafter der Alb-Fils-Klinikum GmbH – begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, ab dem 1. November 2025 finanzielle Verbesserungen für alle Krankenhäuser vorzusehen“, sagt Landrat Markus Möller – „ein Schritt, der den wirtschaftlichen Druck auf die AFK GmbH vorübergehend lindert und gleichzeitig die dringend benötigte Liquidität verschafft“. Für das Klinikum und damit auch im weiteren Verlauf für den Ausgleich des Defizits des Landkreises Göppingen bedeutet diese Entscheidung überschlägig und vorläufig eine Entlastung von 0,7 Millionen Euro im Jahr 2025 und 3,6 Millionen Euro im Jahr 2026. Möller betont jedoch: „Wir benötigen aber eine dauerhafte und nachhaltige Verbesserung der Finanzlage für die Kliniken. Dazu habe ich Frau Ministerin im Nachgang Vorschläge übermittelt.“

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